Neue Welt, Fortschritte und „mein“ Pferdchen

Seit längerem habe ich keinen Beitrag mehr verfasst. Heute schreibe ich über wichtige Veränderungen: nach unseren Ferien an der Lenk kam ich mit viel Selbstvertrauen und freudig in die Reitstunde mit Serenata. Die Begegnung mit unserem Pferd war gut und das Einreiten sehr harmonisch. Bis zum Eintreffen der Reitlehrerin. Danach begannen die Probleme. Ich spürte eine ganz andere Energie als an der Lenk mit Sonja. Serenata reagierte sofort und ich fiel von der Rolle. Die Reitlehrerin konnte nicht helfen, im Gegenteil. Nach 2 Tagen Nachdenken stand mein Entschluss fest. Ich brauche eine andere Lehrerin. Dass ich jetzt mit Daniela, die Serenata und mich gut kennt, und mit Vera, einer sehr ruhigen, erfahrenen Fachfrau lernen darf, hat viel geändert. Meine Probleme sind lösbar, ich spüre Fortschritte, freue mich daran und Serenata hat sich mir viel besser angeschlossen. Wir wachsen zusammen, sagt Daniela. Und so fühlt es sich auch an! Serenata wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht ab und zu testen würde, wie es mit mir steht, ob sie mir vertrauen kann. Das quittiere ich vermehrt mit einem Lächeln und einem bestimmten JA. Susanne übt jetzt ausschliesslich mit Badia und neuerdings auch mit der 6-jährigen Fynda. So bin ich allein mit ihr an Bodenarbeit Reitstunde und Ausreiten. Ich geniesse das und könnte damit auch in Zukunft gut leben!!

Serenata in Gold

Dieser Herbst ist – wie letztes Jahr – fantastisch, die Temperaturen mild, die Buchen rost-golden, und wir sind froh und dankbar, dass wir uns im Wald frei bewegen dürfen. Im Stall tragen wir eine Maske, um uns gegenseitig zu schützen, aber es gibt keine Einschränkungen, wie viele Menschen sich gleichzeitig bei den Pferden aufhalten dürfen, sofern die Regeln (Maske, Abstand) eingehalten werden.

Wir sind eine ganze Weile mit Serenata nicht mehr im Wald reitend unterwegs gewesen. Dafür haben wir unterdessen ein intensives Reit- und Longierprogramm absolviert. Serenata ist nun kräftig und voller Tatendrang. Der Wald hat sich verändert, und sie nimmt dies wahr. Zwar nicht schreckhaft, aber doch mit erhöhter Aufmerksamkeit, mit Blick auf die vielen Stämme und Äste, die am Wegrand aufgeschichtet sind, die veränderten, teilweise schon entlaubten Bäume, das reiche Blattwerk auf den Wegen.

Ich arbeite auf dem Platz mit Badia, der Berberstute einer Pensionärin am Hof. Langsam bekomme ich sie recht gut in den Griff, oder besser Sitz, und wir sind ein immer besser eingespieltes Team. Badia ist jung und vor allem etwas wenig trainiert, weshalb sie nach ein paar Runden Trab ziemlich ausser Atem gerät. Ich brauche volle Durchsetzungskraft, um sie um mehrere Runden zu treiben – und sie nutzt jede „Ausrede“, die sich ihr bietet, um vom Trab in den Schritt zu wechseln, z.B. weil der Sand auf dem Reitplatz etwas nass ist und deshalb leicht rutschig, oder weil sich ein kleiner See gebildet hat nach vielem Regen und dieser bis ganz in die eine Ecke reicht. Sie mag nicht durch diesen nassen Bereich traben und deshalb geht sie bis genau in die Ecke, um dann in den Schritt zu wechseln. Ich merke, wie sie mich hereinlegt und muss schmunzeln und meine Kräfte sammeln, dass ich sie trabend um die Ecke jagen kann 🙂 Dieses Spielchen haben wir nun recht oft miteinander gespielt und heute ist es mir gelungen, es ihr zu vermiesen. Wenn sie merkt, dass sie nicht durchkommt, hört sie auf, aber sie hat fast den härteren Kopf als ich 🙂

Action!

Serenata macht beim Longieren grosse Fortschritte und auch mein Mann wird immer besser 🙂 Seine Hand ist ruhiger geworden, er strahlt Ruhe und Sicherheit aus. Das richtige Mass, um Serenata mal so richtig in Schwung zu bringen. Sie soll einige Galopp-Schritte tun, und wir sehen wieder einmal, dass das gar nicht so einfach ist. Zuerst rennt sie im Trab, einfach viel und immer schneller, es dauert etwas und braucht mehrere Anläufe, bis sie begreift, sie soll anspringen. Aber dann sieht es prächtig aus!

Derweil geniesst Badia im Hintergrund noch ihre Ruhe – aber sie wird auch bald dran sein 🙂

Freude pur

Vorgestern haben wir einige Pensionspferde auf die Herbstweide geführt. Zuerst ging es der Strasse entlang in einer disziplinierten Kolonne – kaum auf der einen Weide war aber fast kein Halten mehr. Einige Pferde schlugen ihre Köpfe, versuchten sich frei zu machen und abzuwenden, und es kostete uns viel Kraft, sie durch diese Weide hindurch auf diejenige zu führen, die sie in den nächsten Tagen abgrasen dürfen.

Was für ein Fest, was für ein Leben! Kaum losgelassen, rannte der Tross los, den Hügel hinauf, den Hügel hinunter, es wurde geschnaubt und die Beine in alle Richtungen verworfen. Wir standen da und schauten zu, und es ist ja klar, wo es unseren Tieren am besten gefällt 🙂

Ferien

Mein Mann und ich wollten es wissen. Wir wollten richtig intensiv und gut reiten lernen, am liebsten täglich zwei Mal. Für Serenata wäre dies nicht zumutbar, das ist ja klar, deshalb haben wir einen Ort gesucht, wo es genügend Pferde zum Üben hat und eine gemütliche Unterkunft für die Zeit dazwischen.

Wir sind fündig geworden an der Lenk im Simmental, wo es einen Reitbetrieb gibt, und hatten grosses Glück, dass sowohl die Reitlehrerin als auch das Hotel freie Kapazitäten hatten. Das Hotel ist direkt an die Reithalle angebaut, aus der Lobby ist es möglich, den Reitenden in der Halle zuzuschauen. Mit der Reitlehrerin haben wir eine kundige, sehr nette Person kennengelernt, die für das Reiten lebt und es uns mit viel Spass und Humor zu vermitteln wusste.

Zuerst erschrak ich etwas ob der mächtigen Freibergerpferde, die uns zur Verfügung gestellt wurden. Ich sass darauf sehr breitbeinig – verglichen mit der immer noch sehr schlanken und feingliedrigen Serenata 🙂 Aber ich wurde wunderbar getragen und im Trab schön hochgehoben. Wir ritten in der Halle zu zweit, manchmal auch zu dritt und übten allerhand Figuren, jedesmal etwas Neues. Auch den Galopp mit dem prächtigen Hengst übten wir, allerdings zur Sicherheit an der Longe.

In den Zwischenzeiten (nach-vor den Reitstunden) genossen wir die wunderbare Bergwelt des Simmentals, wanderten entlang von Bächen und Alpwegen, bewunderten spektakuläre Wasserfälle und freuten uns des Lebens 🙂 Es stimmt schon, in der Schweiz kann man auch wunderbare Ferien machen! Ich war ja schon lange nicht mehr in dieser Art weg von Zuhause.

In der Zwischenzeit wurde Serenata durch eine Pensionärin betreut, gepflegt und bespasst und von der Stallbesitzerin trainiert. Als wir zurückkamen und sie riefen, kam uns Serenata entgegen – uns schien, doch voller Wiedererkennens- und Wiedersehens-Freude.

Delikatesse

An unserem Feigenbaum im Garten reifen dieses Jahr unglaublich und fantastisch viele Früchte. Mein Mann und ich lieben es, Feigen direkt ab Baum zu essen – aber da freut sich noch jemand 🙂

In Spanien hat Serenata um Feigen gebettelt. Ein Baum stand direkt beim Anbindeplatz, und wenn wir reiten gingen und wieder zurückkamen, holten wir alle die reifen Früchte vom Baum. Auch die Pferde durften davon haben, so reich war der Baum beschenkt. Als ich die vielen Früchte hier reifen sah, freute ich mich schon wie ein Kind auf die Reaktion von Serenata. Ob sie sich erinnerte?

Manchmal wäre es schön, sie erzählen zu hören! Wir haben ihr Feigen gebracht und sie frass sie wieder voller Begeisterung und mit der Frage in den schönen Augen, ob es vielleicht noch mehr davon gäbe. Schön, das zu sehen.

Badia, die Berberstute, mit der ich angefangen habe zu trainieren, fand das übrigens wenig attraktiv. Sie nahm die Feige ins Maul wie eine heisse Kartoffel, schlug etwas den Kopf auf und ab, als wollte sie fragen, was ist das denn Komisches, und liess die Frucht schliesslich fallen. Dann roch sie noch ein wenig daran und nahm mit den Lippen das seltsame rote Etwas wahr. Schliesslich befand sie es als nicht essbar.

Pas de deux

Vor etwa 14 Tagen habe ich angefangen, mit Badia zu arbeiten. Sie ist eine 6 Jahre alte Berberstute, gut erzogen 🙂 und irgendwie haben wir einen guten Draht zueinander gefunden. Wenn ich sie anspreche, kommt sie zu mir und will gestreichelt werden, am liebsten rechts und links der Schweifrübe 🙂 Das ist spassig, weil Badia einem immer das Hinterteil hinhält, und wenn man da zu kraulen beginnt, lässt sie wohlig die Lippe hängen und schliesst die Nüstern. Sehr charmant!

Badia ist umgänglich und bringt mir weniger Widerstand entgegen als Serenata. Bei ihr kann ich ganz ruhig bleiben und auch mehr lachen, wenn eine Übung nicht sofort klappt. Bei Serenata habe ich schon mehrfach die Nerven verloren, was für uns beide schwierig ist zum Arbeiten. Ich übe nun mit Badia Longenarbeit und komme mit ihr sehr gut voran. Sie hilft mir, Routine zu bekommen, damit ich mit Serenata dann bald einmal besser arbeiten kann.

Für Badia ist das auch gut, denn ihre Besitzerin hat gegenwärtig etwas wenig Zeit, und so weiss sie, dass Badia bespasst und angestrengt wird, und sie kann sich ihren Dingen widmen. So ist nun auch das Pasdedeux entstanden, mit meinem Mann auf Serenata und ich auf Badia, ein Bild aus einem Video halt. Wir haben beide mächtig Spass gehabt und wir üben nun für draussen im Wald!

Erneut Chiro

Serenata ist wieder blockiert. An beiden Iliosakralgelenken und am Atlas. Sie kann sich nicht mehr richtig bewegen, die Stallbesitzerin konnte gestern mit ihr nicht das vorgesehene Training durchziehen. Bei Serenata ist es immer etwas schwierig zu merken, ob sie diskutiert und verweigert – oder ob sie körperlich nicht in der Lage ist, eine Übung auszuführen.

Vorgestern waren wir im Wald reiten. Es fing gut an und ging flott voran. Ich fand ihren Schritt ganz zügig und es war schön, entspannt auf ihr zu reiten. Sie machte einen freudigen Eindruck und schien auch entspannt zu sein. An der ersten Abzweigung wollten wir eigentlich den Weg geradeaus nehmen, mein Mann sah aber eine Gruppe Menschen und Hunde auf uns zukommen, und so gingen wir denen aus dem Weg und wählten eine andere Strecke. An der nächsten Abzweigung entschied dann Serenata, dass es heimzu gehe und ich war nicht in der Lage, sie zu wenden, so sehr ich mich auch bemühte. Seitlich rückwärts drängte sie immer weiter in hochstehendes Gras und Farn hinein, und das war mir dann doch zu riskant. So war es mir immer noch lieber, dass sie auf dem Weg weiterschritt – und das tat sie immer schneller und schliesslich im Trab. Ich war dann irgendwie auch bald nicht mehr so ruhig und versuchte, sie zu bremsen, noch besser anzuhalten. Ich zog zuerst heftig an den Zügeln, das nützte nichts. Ich gab ihr die Zügel, um ihr nicht so am Kopf herumzureissen, sie wurde nicht schneller, aber es bremste sie natürlich nicht. Eine ausgesprochen unangenehme Situation. Zum Glück kam auf dem Weg niemand entgegen, aber mein Mann kam nicht mehr nach. Ich konnte sie dann mal anhalten, aber mit der Ruhe war es bei uns beiden total vorbei. Mein Mann rannte schon mal und gelangte zu uns. Er hielt Serenatas Kopf und wir atmeten mal durch. Was hatte die nur?

Die Hunde vielleicht? Ein unangenehmer Geruch? Schmerzen schon vorgestern, die sich nach den ersten paar hundert Metern unangenehm bemerkbar machten? Wenn Pferde nur reden könnten!! Wann und wie hat sie sich wohl diese neuen Blockaden zugezogen? Ist sie auf der Weide oder im Stall mit einem Pferd kollidiert? Oder mit der Stallwand? Vom Reiten sind die Blockaden laut Pferdechiro jedenfalls nicht.

Und ich versuche wieder einmal, das Geschehene nicht so persönlich zu nehmen.