Neue Wege

Nachdem Serenatas Einschuss zurückgegangen ist und ihr Gelenk wieder normalen Umfang angenommen hat, beginnen wir wieder mit der Arbeit mit ihr. Wir erkunden neue Wege, die wir zuerst zu Fuss mit ihr kennen lernen und die wir dann später reiten werden. Um auf diesen wunderbaren Weg zu gelangen, sind wir zuerst ca. 20 Minuten auf der Strasse unterwegs. Das kann auch nicht schaden, fahren doch Velos und Motorräder und Traktoren und mehr und minder rücksichtsvolle Autofahrer an uns vorbei und Serenata kann sich in Gleichmut üben. Sie macht das sehr gut, wirklich, einfach, wenn wir einem Auto ausweichen, kann sie grad schnell ins Gras beissen, wenn wir sie ganz an den Wegrand leiten 🙂

Wir haben im Stall einen Kurs in freier Arbeit mitgemacht, das war spannend und führte uns wieder zurück zu den Anfängen der Arbeit mit Serenata. Zuerst wurden uns Führübungen aufgetragen, anschliessend schickten wir die Pferde weg und luden sie dann ein, sich uns anzuschliessen. Serenata muss sich das immer lange und ausgiebig überlegen, sie lässt sich stark vom Umfeld ablenken und es reicht ihr, wenn ihr Mensch mit ihr auf dem Platz steht. Da sind andere Pferde beflissener, den Anschluss zu ihrem Menschen nicht zu verlieren. Wir kennen sie ja mittlerweile ein bisschen, unsere Stute. Sie hat einen starken Kopf und wir sehen zu, dass die Diskussionen mit ihr nicht überhand nehmen!

Erleichterung

zugegeben. Etwas gemischte Gefühle hatte ich schon vor dem heutigen Termin mit Fränzi, unserer Tierärztin ! Zwar schien mir die starke Schwellung am rechten Hinterbein gut abgeklungen und ich hatte auch den Eindruck, dass sich unser „Pony“ wieder normal bewegt…. aber Daniela hat mich desillusioniert, ihr Blick ist geübt und sie hat uns zum Warten angehalten. Was die Mauke Entzündung betrifft, so hatte ich gute Fortschritte erkannt. Das zweimal tägliche Verarzten hatte genützt. Aber : sicher war ich nicht, dass wir das Problem im Griff oder gelöst haben. Gestern hatte mich Sandra, unsere Pensi-Kollegin beruhigt. Sie kennt unser Problem und geht recht locker damit um. Und heute hat mir die Beurteilung von Fränzi einen Stein vom Herzen gerollt. Wir haben unsere Sache gut gemacht. Noch 10 Tage schonen und dann ist alles überstanden. Waldspazieren und auch -reiten sind gut. Mehr wollen wir gar nicht. Nur endlich wieder aufs Pferd !! So nützen wir eine Regenpause, führen Serenata in den Wald und Susanne möchte aufsteigen. Nur: 14 Tage Reitpause und mittlerweile viel aufgestaute Energie lassen das Vorhaben unmöglich erscheinen. Serenata dreht sich, ist wild, unruhig. Susanne führt sie am Zügel bis unser Pferd nach einer Weile etwas ruhiger wird. Ein neuer Aufsteigeversuch und wieder Schwierigkeiten. Susanne glaubt nicht mehr richtig daran, dass sich heute Serenata reiten liesse. Ich glaube aber, dass es genau richtig ist, heute das Eis zu brechen und das Temperament unseres Wildlings zu zügeln. Susanne lässt sich darauf ein und wagt noch einen Versuch. Siehe da. Es klappt. Die Beiden legen einen flotten Schritt auf den Weg; ich keuche so gut als möglich mit Sämi hinten nach. Wie schön zu sehen, dass sich Pferd und Reiterin entspannen und den Ritt geniessen. Nach ihrem Gezappel am Vormittag bei der tierärztlichen Untersuchung und bei den Aufsteigeversuchen im Wald hat Serenata ihre Ruhe und Sicherheit bei Susanne wieder gefunden. Ein gutes Zeichen für die kommenden Tage !

Nahkampf

Seit wir bei Serenata Mauke behandeln und ihr Bein geschwollen ist, sind wir damit beschäftigt, die befallenen Stellen mit spezieller Seife auszuwaschen und ihre Schwellung mit kühlender Masse zu bekleistern. Langsam schwillt das Sprunggelenk ab, und die Sache hat sich nach weiter unten zum Fesselgelenk verlagert. So lange sie ein geschwollenes Bein hat, sollen wir sie nicht reiten oder zu sehr belasten, d.h. auch kein Training auf dem Platz.

Serenata platzt allerdings fast vor Energie. Sie und die ganze Natur sind gegenwärtig in Aufruhr. Kommt noch dazu, dass heute die Stutenherde von Daniela auf die Alp verfrachtet wurde, und entsprechend Betrieb herrschte. Nicht alle Pferde wollten einfach diskussionslos einsteigen in die dunklen Höhlen von Transportern, etwas Spannung war da und dort in der Luft.

Ich wünschte mir, jemand würde entlang der Strasse und der Wanderwege im Wald mal das üppige Gras mähen. Als wir heute loszogen, war es nach 12h und Serenata hatte schon ein Hüngerchen. Angesichts des Grases entlang des Wegs war sie kaum noch zu kontrollieren. Es ist für mich nach wie vor schwierig, mir diese vielen hundert Kilo Pferd von Hals und Füssen zu halten (auch wenn es auf dem Bild gerade recht entspannt wirkt, so ist Serenatas Aufmerksamkeit doch sehr auf den Wegrand gerichtet). Serenata versucht es mittlerweile nicht nur damit, mich an den Wegrand wegzudrücken, sie versucht es mittlerweile vor mir und auch hinter mir, an das Gras zu kommen. Lustig ist das nicht, und ich will nichts riskieren, was uns beide in Bedrängnis bringt.

So übergab ich schweren Herzens wieder einmal meinem Mann.

Den letzten Teil Heimweg schafften wir es dann doch noch miteinander. Und auch am Transporter ging sie dann noch einigermassen gefasst mit mir vorbei, so dass ich diesen Ausflug nicht in allzu schlechter Erinnerung behalte.

Wieder Probleme

Gestern zeigten wir Serenata der Hufpflegerin, sie schnitt die Hufe wieder schön aus und feilte sie in Form. Dabei fiel ihr auf, dass Serenatas rechtes Sprunggelenk etwas geschwollen und erwärmt war. Wir dachten dann, wir würden es am Abend, bevor der Reitunterricht beginnt, gründlich mit kaltem Wasser abspritzen, um die Stelle zu kühlen.

Als wir am Abend wieder dort waren, zeigte sich das Gelenk wesentlich stärker geschwollen, nicht an Reiten zu denken! Die Stallbesitzerin überraschte uns dann noch mit dem Ausruf: „Serenata hat ja Mauke an den Kronrändern!“ Mauke = ?? Wir verstehen wieder einmal nicht gerade viel, aber uns droht wieder einmal neues Ungemach. Mauke ist eine Hautkrankheit, die sofort zu behandeln ist – und weil das Sprunggelenk so geschwollen ist, wird auch gleich die Tierärztin avisiert. Sie greift das Gelenk ab und misst Serenata die Temperatur.

Serenata erhält eine Spritze und wir werden ausgerüstet mit Lehm, den wir zur Kühlung aufs Sprunggelenk auftragen sollen, dazu ein Medikament zum oral Verabreichen, plus Ausrüstung, um die Mauke zu behandeln. Zwei Mal am Tag fahren wir nun zu unserem Pferd, um sie zu verarzten. Wie Serenata wohl das Gewusel um ihre Beine findet? Sie hält jedenfalls schön still, immerhin.

Wie sagen die erfahrenen Pferdebesitzer? Dass da mal Ruhe ist, das glaubst du nur am Anfang, wenn du ein Pferd erwirbst. Danach hast du keine Zeit und kein Geld mehr (für anderes) 🙂

Ausritt

Kaum zu glauben, dass es bei den vielen Ersten, die wir im letzten Jahr erlebt haben, immer noch mehr Erste gibt: Premieren, die uns weiter bringen in Richtung Normalität, was Pferdebesitzer mit ihren Tieren halt so machen 🙂

Die neue Premiere betrifft den Ausritt ohne Begleitperson zu Fuss. Ich habe mir das lange gewünscht und ausgemalt, und habe mich gefragt, wie lange es wohl dauern wird, bis Serenata, aber auch ich so weit sein werden, in Begleitung einer weiteren Reiterin mal einen längeren Ausritt durch den Forst zu wagen. Bisher ist ja immer eine/r von uns zu Fuss mitgegangen, und wir haben es so gemacht, dass der-/diejenige zu Pferd halt ab und zu entweder gewartet oder gewendet hat und zurückgeritten ist, damit der-/diejenige zu Fuss einigermassen mitkommt.

Schön, dass es im Stall gleich mehrere sympathische und hilfsbereite Menschen gibt, die einen solchen Ausritt schon angeboten haben, aber da ich sie bis jetzt nicht so gut kannte, wollte ich mir Zeit geben, um die für mich richtige Begleitperson mit dem passenden Pferd zu finden. So waren wir vorgestern fast zwei Stunden im Wald unterwegs. Serenata ist sich ja gewohnt, in der Reihe und immer hintendran zu bleiben, so kommt sie nicht auf die Idee, das Pferd vor sich zu überrennen. Einige Mühe kostete es mich bloss, sie dazu zu bringen, gleichauf mit dem Begleitpferd zu gehen.

Es war traumhaft, einfach wundervoll. Den ganzen restlichen Tag zeigten meine Mundwinkel nach oben. Wie schweben auf Wolke 7 🙂

Verführung

Gegenwärtig sind die Wege von Schafgarben und üppigem Gras gesäumt. Für Serenata ist diese Meile die pure Verführung – etwa so, wie eine Konditorei an der nächsten oder ein Früchtestand mit gluschtigen, saftigen Früchten am anderen für uns – einfach unwiderstehlich. Entsprechend hält sie sich nach Möglichkeit – wenn wir sie lassen – eng am Wegrand und lässt keine Gelegenheit aus, schnell nach dem verführerischen Grün zu schnappen – sogar im Trab! Das stellt schon höhere Anforderungen an unsere Reitkunst, bzw. unser Gleichgewicht. Serenata hat auch schon verschiedentlich versucht, die Zügel aus der Hand zu reissen, um schnell an ein Bündel Gras oder Schafgarben zu gelangen. Je nachdem, wie lange die Fresspause schon gedauert hat, ist es ja auch begreiflich, wenn sich schon wieder ein leichtes Hungergefühl meldet, umso mehr, als sie nach wie vor das Gefühl kennt, zu wenig mit Essen versorgt zu werden. Das wird sie wohl nie los.

Wir haben auch gemerkt, dass Serenata viel mehr Energie hat als vor ein paar Monaten und haben uns bei der Stallbesitzerin erkundigt, ob wir vielleicht mit dem Kraftfutter zurückfahren wollen. Sie hat gemeint, nun hätten wir halt ein gut gefüttertes, zu Kräften gekommenes Pferd, im besten Alter, bei bester Gesundheit, das den Frühling spüre und vor Energie sprühe 🙂 Das ist ja schön und gut zu wissen, und wir können/sollen ihr nun mehr zumuten – länger reiten, mehr von ihr verlangen, sie stärker fordern. „Ihr wolltet ja keine Schlafmütze, nun habt ihr ein spritziges Pferd in den besten Jahren, freut euch“, lacht sie.

Kollision – aua

Wie fühlt es sich an, 1/4 Pferd auf dem Fuss drauf zu haben? Die schmerzvolle Erfahrung musste ich letzten Sonntag leider machen. Wir spazierten zuerst gegen den Wald, und auf dem gewählten Weg wollte mein Mann Serenata fürs Reiten bereit machen. Ich dachte, ich käme ihr nicht so nahe und trug nur meine Wildlederschuhe, da ich mit den Reitstiefeln nicht so gern lange durch den Wald stapfe. Mir fiel dann aber auf, dass die Schabracke auf der einen Seite zu weit hinten und sowieso zu eng anliegend war, und so kam es, dass mein Mann auf einer und ich auf der anderen Seite an der Schabracke zupfen wollten, wobei Serenata einen Schritt seitlich auf mich zu machte und ihren Huf voll auf meinen Fuss setzte.

Nun ja, wenigstens nicht nur auf den grossen Zeh – aber trotzdem. Es gelang mir erst nach (einer halben Ewigkeit von ca) 2-3 Sekunden, Serenata wegzustossen, ich fühlte zuerst gar nichts mehr, nach wenigen Schritten jedoch biss sich der Schmerz durch meine Eingeweide, ich dachte, ich müsste mich übergeben.

Mein Mann hatte das gar nicht so richtig mitbekommen, er sass fröhlich auf. Serenata aber war irgendwie schwer zu bändigen. Was hatte sie wohl mitbekommen? Die Runde wurde dann sehr klein, wir bewegten uns zurück zum Stall, ich bestand darauf, den Weg selbstständig zu gehen, bzw humpeln, und seither bin ich am Schonen und Salben. Gebrochen ist offenbar nichts, aber mein Zeh hat an Volumen ziemlich zugenommen und ist auf der Unterseite schwarz verfärbt. Schuhe anziehen ist einigermassen schwierig, und so lange ich so empfindlich bin, traue ich mich nicht allzu nahe an Serenata heran. Ich vermisse allerdings die Trainings und das Reiten sehr!

Pferde sind halt einfach schon grosse Tiere 🙂

Pferdeglück

Heute habe ich mich getraut, während des Reitens im Wald ein Foto zu schiessen. Wir sind dazu natürlich stillgestanden, und mein Mann wäre an meiner Seite gewesen, hätte ich das iphone fallengelassen 🙂 Wobei ich mich beim Aufsteigen im Wald auch schon verbessert habe, Serenata mittlerweile schön still steht und mir eine Erhebung von wenigen Zentimetern bereits reicht.

Ich genoss diesen Ritt ganz ausgesprochen, der Wald gehörte uns allein, nicht einmal ein Reh oder Eichhörnchen waren anzutreffen. Nur vier Reiterinnen in einer Gruppe, denen sich Serenata natürlich gern wieder angeschlossen hätte. Wir haben Traben geübt und Wenden. Wenden war bis anhin mit viel Widerstand verbunden, vor allem wenn es heimzu ging – und das weiss Serenata ja genau. Aber es klappte dieses Mal fast ganz problemlos, vier Mal konnte ich wenden und auf dem Weg wieder zurück reiten, was meinem Mann zu Gute kam, der das Tempo nicht immer mithalten konnte (4 Pferdebeine traben schneller als zwei Menschenbeine gehen).

Einmal mehr ging mir durch den Sinn, wie privilegiert ich bin. An einem gewöhnlichen Tag reite ich durch den Wald in den grossartig spriessenden Frühling hinein. Serenata ist ein fantastisch cooles Pferd geworden. Kein einziges Mal hat sie sich durch etwas erschrecken lassen. Wenn das kein Pferdeglück oder Menschenglück ist!

Blockaden lösen

Ziemlich spontan der Anruf vom Stall, die Pferde-Chiropraktorin sei in der Nähe und könnte Serenata behandeln. Wir sind froh um diesen Termin, da Serenata recht steif im Rücken ist und eine Lockerung sehr willkommen ist.

Serenata ist zuerst etwas zappelig, aber sie scheint zu merken, dass die Frau ihr etwas Gutes tut, zunehmend entspannt sie sich und hört auf, sich zu wehren. Umso mehr, als es ab und zu ein „Goodeli“ gibt für die vergleichsweise geringe Anstrengung einer Dehnung des Halses oder Neigung des Kopfes.

Feinmotorik ist nicht gerade die Stärke von Serenata, das ist uns auch schon aufgefallen. Wenn wir Dehnübungen seitlich machen, d.h. wenn Serenata gerade stehen und nur mit dem Kopf gegen die Hinterbeine biegen soll, damit sie dort aus unserer Hand eine Leckerei erhält, versucht sie nicht, fein mit den Lippen diese zu bekommen, sondern stösst gegen die Hand oder nimmt die Zähne zu Hilfe. So fällt/spickt das Leckerli irgendwo hin, und wir versuchen es mehrmals, bis sie es zu fassen bekommt. Eigentlich ja ihr Pech 🙂

Den Sattel sollten wir nun wohl auch demnächst anpassen. Und beim Reiten nicht nach hinten lehnen. Und dann können wir mit ihr noch rückwärts einen Abhang hochgehen. Das wird ja vor allem spassig!