Longieren

Heute haben wir wieder einmal ein update mit der Stallbesitzerin in Sachen Longieren genossen. Serenata ist wieder etwas steifer im Rücken und tritt zu wenig unter. Sie schont sich, und sie hat bestimmt Schmerzen beim Biegen und Untertreten. Ob wir uns – bei aller Mühe, die wir uns gegeben haben – doch zu wenig geachtet haben, dass wir die Übungen richtig, getaktet und mit schöner Biegung durchgeführt haben?

Wir führen der Stallbesitzerin und Trainerin unsere Übungen vor. Sie sind nicht perfekt, aber wir wissen jetzt, worauf wir schauen müssen und haben – zusätzlich zum um die Kegel herum Longieren – noch eine Übung mitbekommen: Zügig gehen, still stehen, zurück gehen, dann sofort wieder zügig losgehen. So muss Serenata mit den Hinterbeinen untertreten und aus dieser Position anlaufen. Das erfordert den gekonnten Einsatz der langen Gerte. Serenata muss gehorchen, aber der Einsatz der Gerte muss fein und gezielt erfolgen.

Ich habe noch ein anderes Problem: Es gelingt mir nicht, Serenata in 8en um die Kegel zu bewegen. Ich bin beim Wenden von Serenata in der Mitte der zwei Kegel zu wenig geschickt, die lange Gerte verheddert sich in der Longe beim Tauschen der Hände, ich sollte zielsicher rückwärts gehen, damit sie mir folgt, aber bis ich so weit bin, dass alles wieder gebüschelt ist, steht Serenata längstens still und weiss nicht weiter. Und ich auch nicht wirklich.

Nun spielt die Stallbesitzerin Serenata und nimmt das Ende der Longe zu sich. Ich soll sie nun um die Kegel herum leiten. Serenata ist derweil völlig verwirrt – nanu, plötzlich ist Daniela das Pferd und ich gucke zu? 🙂 Sie tritt näher, um das besser zu beobachten 🙂

Hufpflege

Eine unserer grossen Baustellen war von Anfang an die Strahlfäule. Drei Hufe waren betroffen, zum Teil waren die Furchen sehr tief und ihnen entströmte ein äusserst unangenehmer Geruch. Seit Monaten sind wir – bzw wieder mein Mann – daran, diese Fäulnis, die durch Bakterien entsteht und durch nassen Untergrund gefördert wird, zu bekämpfen mit allerlei Mitteln.

Der Hufpfleger ermahnte uns, die Furchen nicht mit besonderen Mitteln zu bestreichen/besprayen, sondern sie lediglich gründlich herauszuputzen und anschliessend ganz fest zu stopfen. Das rege die Hornbildung an und so schliesse sich die Furche mit der Zeit. Ich muss schon zugeben, es war zeitweise eine beinahe hoffnungslose Angelegenheit, vor allem den Winter hindurch, der ja nicht besonders streng und nass war, aber wo der Boden halt doch recht durchnässt war, die Hufe immer wieder durchzuputzen.

Nun zeigen sich Erfolge an zwei der Hufe, bei denen die Furche sich geschlossen hat. Nur ein Huf bleibt noch zu behandeln. Eine riesige Erleichterung!

Gute Nachrichten gibt es auch für die Frage nach Schuhen: Da sich die Hufe vom Beschlag gut erholt haben und wir regelmässig mit Serenata durch den Wald gegangen sind, wo die Wege mit grösserem und kleinerem Kies belegt sind, hat sich Serenata gutes Horn zugelegt, sodass der Huf schön fest geworden ist. Ich weiss noch, wie sie am Anfang, vor einem Jahr, auf diesen Wegen wie auf Eiern ging – wie ich, wenn ich barfuss über Kies gehen muss 🙂 – und versuchte, am Rand des Weges auf dem Gras zu gehen, jetzt tritt sie forscher und sicherer auf und wir traben über diese Wege. In dieser Beziehung haben wir Glück gehabt!

„Baustellen“

Als Serenata zu uns gekommen war, roch sie übel aus dem Mund, und die Tierärztin, die Serenatas Zähne und Zahnfleisch nur nach zweimaligem Sedieren untersuchen konnte, stellte schlimme Entzündungen des Zahnfleischs fest und warnte uns, Serenata könnte allenfalls ihre Schneidezähne verlieren, weil ihr Zahnfleisch so lange gelitten hat.

Wir begannen mit allerlei Behandlungsmethoden, waren allerdings durch die vielen weiteren Gesundheitsprobleme von Serenata mit Prioritäten anderweitig beschäftigt. Am Anfang spritzten die Praktikantinnen auf dem Hof Serenata regelmässig einen Kräutersud, schliesslich begannen wir, d.h. mein Mann dann mit dieser Aufgabe. Der Kräutersud setzt sich zusammen aus Ringelblumen, Kamille, Salbei, Himbeer und weiteren – so genau weiss ich es zugegebenermassen nicht – und wird mit einer Riesenspritze wenn möglich direkt ans Zahnfleisch gebracht. Am Anfang war das eine Tortur, denn Serenata wollte ja niemanden an ihr Maul lassen – und so spritzte die Sache auf dem halben Hof herum, in unsere Haare, auf die Kleider, auf andere Menschen, die zufällig daneben standen, eine Gaudi 🙂

Nun sehen wir, was die regelmässige Anwendung gebracht hat. Nach Üben und Ausreiten scheint Serenata jedes Mal zu fragen: und wo bleibt meine Spritze? Sie liebt den Sud und schleckt die Spritze und scheint nicht genug davon zu bekommen.

Erfolg und Rückschlag

Es gibt Tage, da geht es irgendwie nicht – nicht nach meinem Kopf – nicht nach Serenatas Kopf – oder wie auch immer. Ich habe heute eine zufriedene, gut genährte Serenata angetroffen. Sie stand still beim Putzen und machte auch beim Satteln keinen Wank. Alles schien ruhig und gelassen und versprach eine gäbige Zeit auf dem Platz. Mein Mann hatte schon ein Viereck mit Pylonen gebildet und statt auf dem Boden/vom Boden aus wollte ich reitend die Hinterhandmuskulatur trainieren: um die Pylonen herum und in einer Acht von Pylon zu Pylon und drumherum.

Dass ich dabei auch noch Spass haben würde, das habe ich dann irgendwann unterwegs vergessen. Die Herde von Serenata war direkt angrenzend ans Viereck dicht gedrängt an der Abschrankung versammelt und verfolgte interessiert bis eher schläfrig, was sich auf dem Reitplatz tut. Serenata wagte es nicht, direkt der Abschrankung entlang zu gehen oder traben, sie versuchte dauernd, auszuweichen und fing schon in der Kurve davor an, in Richtung Platzmitte einzubiegen. Die Marokkanischen Importpferde (eines davon links auf dem Bild) schauten ebenfalls neugierig zu, was sich auf dem Platz tat. Serenata und ich kämpften miteinander und ich verlor wieder einmal die Fassung. Was machte ich eigentlich falsch? Könnte ja sein, dass Serenata meine Kommandi missinterpretiert, weil sie nicht klar sind bzw meinen falschen Impulsen richtig gehorchte. Kann aber auch ein, dass sie einfach ihren Kopf durchsetzen wollte, was ja nicht ganz das erste Mal wäre 🙂

Mein Mann filmte und enthielt sich zu vieler Bemerkungen, bzw Korrekturen. Er hielt mir am Schluss einfach das Mobilgerät mit den Aufnahmen hin. Ich sah sie und sagte: Aber das sieht ja gut aus, mein Oberkörper ist ganz ruhig, meine Hände auch…

Manchmal will ich einfach zu viel – mein Kopf hat eine Idealvorstellung –

Vertrauen

Jetzt habe ich mehrere Tage hintereinander mit Serenata verbracht. Zuerst ein Reiten im Viereck, dann Waldreiten im Forst und heute noch Bodenarbeit. Sie hat sich zu einem ganz tollen Pferd entwickelt. Vom Vorbereiten über die Übung/das Reiten bis zum Absatteln und Pflegen ist sie ruhig, konzentriert, freudig, willig. Ich hatte auch immer das Gefühl, dass sie uns fast nicht gehen lassen will….ja ich weiss, die Pferdeprofis lächeln weise aber ich habe da meine eigene Ansicht. Schon in Spanien, als ich meinen 14 Tage crash Kennenlernkurs machte, fühlte ich dieses Band. Es macht mich glücklich zu spüren, dass es zwischen uns wieder stimmt. Es ist grosses Vertrauen gewachsen. Dank unseren Lehrerinnen Daniela und Trix, die uns die nötige Sicherheit vermitteln aber auch dank Serenatas tollem Charakter. Sie braucht keine harte Hand, nur Konsequenz und Zuneigung. Und wenn bei mir die Freude schäumt, da ist sie nicht mehr zu halten. Herrlich!!

Wie schön

Wenn ich denke, wie lange ich davon geträumt habe, mit meinem eigenen Pferd durch den Wald zu reiten, an einem sonnigen Tag, auf Wegen, die fast menschenleer sind – und dass dieser Traum jetzt Wirklichkeit ist, dann kann ich es manchmal immer noch kaum glauben. Und Serenata ist so ein wunderbares Pferd noch dazu 🙂

Ich hatte heute riesige Freude, die noch lange nachhallte, als wir wieder zu Hause waren. Dabei verlief nicht alles „mustergültig“: Mehr als einmal schreckte Serenata kurz wegen eines mir nicht sichtbaren Monsters, vielleicht auch wegen eines Geruchs, traute sich nicht durch die Pfützen und legte anfangs vom Stall weg den Schongang ein. Auch die Begegnung mit zwei Reiterinnen, die uns von hinten aufholten, war nicht ganz einfach. Am liebsten hätte sich Serenata hinter denen angehängt und es brauchte meine Konzentration und Überzeugungskraft, um sie davon abzuhalten. Die zwei Reiterinnen setzten ihren Weg noch einen Moment im Schritt fort aus Rücksicht auf mich, aber Serenata zeigte ihr spanisches Blut, krümmte den Hals und warf den Kopf hin und her – wow, in der steckt doch Temperament! Ich musste gar nichts mehr tun, so flott war mit einem Mal ihr Schritt.

Aber es lief mir gut, ich konnte gut traben und wieder in Schritt übergehen, anhalten und zwei Mal sogar wenden und auf meinen Mann zu reiten. Jetzt ist dann wirklich mal ein längerer Ausritt mit einem weiteren Pferd angesagt, damit mein Mann nicht so angestrengt nebenher gehen muss 🙂

Wiedersehen

Wir haben 9 Tage in Marokko verbracht und sind mit Benjamin von Casablanca über Rabat, Meknes, Fes, Chefchaouen nach Tanger gereist. Serenata durften wir den kompetenten Händen der Stallbesitzerin und ihrer Mitarbeiterin überlassen. Es ging ihr gut und sie wurde beübt 🙂

Nach einem eher kürzeren Ritt gestern – mein Mann ritt, ich mit zwei Beinen hinter den vieren von Serenata her – stellten wir fest, dass Serenata jetzt so richtig kräftig und motiviert ist, so dass wir bald einen Ausritt mit Pferde- statt Fussgänger/innen-Begleitung wagen können. Darauf freuen wir uns sehr.

Heute haben wir sie auf dem Platz beübt, die üblichen 8 Kegel aufgestellt und sie darum herum gehen lassen – immer abwechslungsweise aussen- dann wieder innenherum. So jedenfalls der Plan. Serenata schien heute etwas intensivere Bitte zu brauchen, ich hatte sie ja auf der Weide beim Schlafen gestört. Das war ein schönes Bild: Serenata schlief, wohlig ausgestreckt in der Sonne, und die Herde stand um sie herum und bewachte sie.

Es ist mir heute weniger gut gelungen als auch schon, die Figuren schön mit ihr zu machen. Während es mir linksherum viel besser gelingt, macht rechtsherum mehr Schwierigkeiten, so dass ich einen um den anderen Pylonen verfehlte und Serenata machte ein bisschen, was ihr gefiel. Immer wieder bin ich mit meiner Durchsetzungskraft gefordert und ich merke, wenn ich zu wenig energisch hinstehe für das, was ich will und wie ich es will, dann gelingt die Übung weniger gut.

Cool bleiben

Auf unserem heutigen Ritt durch den Forst haben wir mehr als eine herausfordernde Begegnung gehabt. Mein Mann ist nebenher gegangen mit Sämi und ich bin geritten. Serenata war heute, wie schon gestern beim Training auf dem Platz frühlingsmüde, sie brauchte viel Antrieb schon auf dem Weg zum Wald. Vielleicht kam es mir zugut, dass sie nicht schon ganz zapplig war, als wir starteten.

Auf unserem gewohnten Weg im Wald kam uns zuerst ein Vierspänner entgegen. So etwas hatte Serenata wohl noch nie gesehen, und sie schnaufte laut und drehte aufgeregt den Kopf in Richtung dieser vier Pferde und dem Monster, das sie hinter sich her zogen. Zuerst ging ich mit ihr vom Weg ab und blieb stehen. Der Kutscher jedoch, der Serenata ansah, wie ungeheuer ihr das alles war, meinte dann, vielleicht sei es besser, wenn er anhalte und ich weiterreite. Das verlief dann doch recht problemlos, und ich war ja so stolz auf meine Schöne 🙂

Weiter kam uns auf dem Weg eine Reiterin entgegen, und genau an der Stelle, an der wir hätten kreuzen sollen, hielt ein Mann am Wegrand und hielt seinen Hund fest. Hätte ich gekreuzt mit der Reiterin, hätten wir uns wohl berührt, und das wollte ich natürlich nicht riskieren. Ich hielt also vor dem Mann mit Hund an und liess die Reiterin vorbei. Aber da hatte Serenata nichts anderes mehr im Sinn als der hinterher, und ich konnte sie kaum noch wenden, seitlich machte sie zwei Schritte auf den Mann mit dem Hund zu, zu dem sich auch noch mein Mann mit Hund gesellt hatte, und ich sah Sämi unter Serenata verschwinden und laut aufjaulen. Herrjeh! „Ich bin mit Serenata voll beschäftigt und kann nicht auch noch auf Sämi aufpassen“, rief ich, aber es ging irgendwie, ganz ohne Verletzte. Puh!

Dann hatten wir Zeit für einige Intervallübungen, Schritt-Trab-Schritt-Trab. Die Reitlehrerin hatte uns dies empfohlen als Training für Serenatas Muskulatur. Das ging sehr gut, bis sich Serenata dauernd versuchte, quer zu stellen um nach hinten zu gucken. Und da kam ein Trupp Reiter näher, sicher 4-5 Leute. Eigentlich wollte ich ja meinem Mann nicht davonreiten und umkehren, aber als ich realisierte, dass eine Reiterschaft im Anzug war, versuchte ich nach vorn wegzutraben, was gar nicht einfach war. Serenata hätte sich am liebsten denen hinten angeschlossen, was sie ja von der Ranch, wo sie herkommt, gewohnt ist.

Eingangs Wald stieg ich dann ab, weil es mir zu hektisch wurde und führte Serenata die Strasse Richtung Stall. Und da noch ein Zwischenfall: Serenatas Beine traten plötzlich gegen meine, beinahe hätte ich den Halt verloren und ich spürte einen heftigen Schmerz unter der rechten Wade. Was war das denn? Mein Mann meinte, Serenata hätte sich an einer Krähe erschreckt, die vom Feld auf der rechten Seite aufgeflogen war, was ich natürlich nicht sehen konnte. Zum Glück hatte ich mich, trotz der Wärme, für die Winterstiefel entschieden, nicht die Sommerstiefel und Chaps!

Dreckspatz

Serenata scheint auf der Weide gern auf einer Seite zu liegen, und so schaut dann ein Schimmel aus, wenn die Erde nicht trocken ist, sondern schön feucht und gar nicht weggeputzt werden kann 🙂 Warten wir bis in den Frühling hinein, wenn wir sie mit dem Schlauch wieder einmal abspritzen können!