1 Jahr

So, nun ist es ein Jahr her, dass Serenata zu uns in die Schweiz gekommen ist. Ich kann mich noch gut an den Moment erinnern, als wir in Matzenried ausstiegen und unser Pferd zum ersten Mal, ich seit 4 Monaten, mein Mann seit einem Monat, wieder sahen. Und an die Gesichter der Menschen, die sich um Serenata geschart hatten. Entsetzen, Wut und Frustration waren darin zu lesen – und wir hatten schon fast die Befürchtung, mit Serenata sei vielleicht nicht mehr viel zu machen, vielleicht käme sie kaum noch auf die Beine. Ich war zu diesem Zeitpunkt ja selber noch kaum in der Lage, normal zu gehen und fühlte mich noch sehr wacklig auf den Beinen. In diesem Jahr hiess es für Serenata wie für mich, wieder auf die Beine zu kommen, Kraft zu gewinnen und neuen Lebensmut.

Wenn heute die Stallbesitzerin Serenata betrachtet, tut sie es mit Wohlgefallen. „So sieht ein schönes, gesundes Pferd aus“, sagte sie letzthin, als ich sie fragte, was sie bewege, wenn sie Serenata betrachte. Ein bisschen mehr Muskulatur an der Hinterhand könnte sie schon noch brauchen und eventuell sollten wir noch einmal mit der Pferdechiropraktikerin schauen, ob es noch etwas zu lösen gebe, weil sie im Uhrzeigersinn sehr viel weniger gern rundum geht und auch weniger gut untertritt.

Wir haben nicht nur mit Serenata viel gelernt, sondern auch für uns selbst. Wir haben mehr über unsere Persönlichkeit gelernt. Es wundert mich nicht, dass es immer mehr Menschen gibt, die pferdegestütztes Coaching anwenden oder anbieten. Ein Pferd ist immer unverstellt, unmittelbar und ehrlich. Von einem Pferd lässt sich eher die Konsequenz aus Missverständnis oder Fehlverhalten entgegennehmen als von einem Menschen – selbst wenn auch das nicht immer so Spass macht 🙂

Uns ist beiden vollkommen klar, dass wir wieder gleich handeln würden. Serenata ist cool im Gelände, neugierig, aber nicht schreckhaft, mittlerweile ganz gut erzogen 🙂 und arbeitet bei den Übungen motiviert mit. Manchmal flegelt sie noch ein bisschen, vor allem nach Training oder Ausritt, wenn es ihr mit der Belohnung nicht schnell genug gehen kann. Wir hatten eine gute Hand, sie zu wählen und freuen uns jedes Mal, sie zu sehen und mit ihr etwas zu unternehmen.

Winterspaziergang

Vor wenigen Tagen sind wir wieder einmal ohne Reiten durch den Wald. Wir haben einen neuen Weg genommen, einen, den Serenata nur in kleinen Teilen kennt. Sie ist zuerst gelassen und wie immer mit schön zügigem Schritt mit uns mitgekommen. Es ging zuerst durch einen eher etwas finsteren Teil des Waldes auf einem Weg, den sie schon gegangen ist. Danach folgte ein Stück Waldrand mit offenem Feld auf einer Seite. Hier hatte sie mich schon einmal so energisch wegbugsiert, um zu fressen, dass ich sie aus der Hand lassen musste. Diesmal schritt Georg zügig voran, und sie hatte gar nicht so viel Zeit, die vielen möglichen Feinde auf der offenen Fläche zu erspähen, auch wenn ihre Ohren und Augen die Umgebung äusserst sorgfältig abscannten.

Wir wählten danach einen Weg, der sehr naturbelassen ist, d.h. nicht gekiest und mit vielen Wurzeln und Gras. Das Wurzelwerk war etwas rutschig und an den Bäumen hing sehr viel Frost, der immer wieder herabgefallen kam wie ein eisgekühlter Wasserfall. Das machte Serenata viel Angst, und sie zögerte stark, da durchzugehen. Wir alle wurden eingenässt, aber es sah für uns Menschen wunderschön aus.

Bei der Waldhütte übernahm ich sie von meinem Mann und merkte da gleich, dass sie die Waldhütte fixierte und keinen Schritt weitergehen wollte. Was da wohl wieder so zum Fürchten war? Ich habe ja auch schon etwas mehr gelernt, liess sie einen Augenblick schauen – lang genug, um ihr nicht zu vermitteln, dass es hier echt gefährlich ist – und führte sie danach resolut weiter und es ging gut. Eigentlich wäre ich heute ja gern diesen ganzen Weg geritten, war im Nachhinein aber froh, dass wir die Herausforderungen erst mal so im Spazieren gemeistert haben. Eine steile, schmale und ebenfalls sehr bewurzelte Wegstrecke werden wir wohl nächstes Mal besser von unten nach oben bewältigen. Das dürfte zum Reiten einfacher sein. Ich freue mich schon darauf.

Training und nochmal Training

Schon bald ist ein Jahr vergangen, seit Serenata in die Schweiz gekommen ist. Viel hat sich in der Zwischenzeit in unserem Leben verändert, in Serenatas und in unserem. Viel von unserer Zeit wird durch sie und mit ihr bestimmt. Wir sind gefordert, unser Pferd zu trainieren und sie mit der Umgebung vertraut zu machen. Noch gibt es viele „erste Male“ zum Erleben und Durchstehen. Vielleicht tönt Einiges nicht so spektakulär, doch erleben wir wichtige Schritte in Richtung selbstständiges Unterwegssein mit Serenata, jedes von uns allein, was ja dann mal das Ziel wäre.

Zum Beispiel wollen wir Serenata nicht mehr vom Wald zum Hof hinunter führen, sondern mit ihr den Ritt am Hof beenden. Dabei gilt es, die Strasse zuerst zu überqueren, und dann entlang der Strasse zu reiten, an den Kuhweiden vorbei, an einem Bauernhof vorbei, wo ein grosser Berner Sennenhund wacht und immer auf uns zurennt, und wo sonst allerlei Dinge zum Fürchten sind, zum Beispiel ein Silo, in dem es manchmal rumpelt, wenn der Bauer etwas daraus bezieht, oder einen Stall, aus dem die seltsamsten Geräusche dringen oder eine Bäuerin auf einer Leiter in den Bäumchen Äste schneidet und natürlich auch monstermässig dabei aussieht. Der Verkehr ist zwar nicht gerade üppig, aber es gibt Fahrer, die kennen einfach wenig Rücksicht auf andere – Mensch und Tier – und bremsen kaum beim Vorbeifahren. Den Vogel abgeschossen hat der Fahrer eines Gefährts, das wie ein kleiner Mähdrescher aussah. Er krachte über die Strasse in den Wald hinein mit seinem Monster und nahm dabei die ganze Breite der Strasse ein. Wir hatten gerade noch rechtzeitig in einen Seitenweg flüchten können – nicht auszudenken, was bei einem Crash geschehen wäre!

Auch das Gegenteil haben wir schon angefangen, vom Hof zum Wald hoch zu reiten. Hier stellt sich die Frage nach genügend Überzeugungskraft, Serenata von ihrer Herde weg zu bringen und sie zum Schritt zu überzeugen. Beim ersten Mal wollte sie stantepede umkehren mit meinem Mann oben drauf. Bis jetzt gehen wir ja immer zu zweit, einer reitet und eine marschiert oder umgekehrt. So kann der/die auf dem Boden helfen, sollten Sitz und Schenkel Serenata zu wenig überzeugen 🙂 Es ist dann jeweils klar, wer den anstrengenderen Part macht. Serenata hat ja vier Beine 🙂 🙂

Wir erleben mit ihr auch sehr viel Spass und es ist schön, die Fortschritte zu sehen, unsere und ihre. Ich bin überzeugt, in den meisten Fällen, in denen etwas nicht klappt, haben wir etwas nicht gut gemacht. Serenata ist nämlich sehr aufmerksam, lernt schnell und ist schlau. Sie kennt die Ökonomie der Kräfte und ohne Nachdruck mag sie sich gern schonen.

Immer schöner

Vor wenigen Tagen haben wir mit Serenata wieder einmal einen Waldspaziergang gemacht ohne aufzusitzen. Wir haben einen Weg gewählt, den sie zwar schon kennengelernt hat, aber von der anderen Seite her – insofern für sie also neu. Beim metallenen Abfallkübel vor dem Hundesporthaus hat sie etwas gezögert und hat sich gaaanz vorsichtig genähert und geschnuppert. Mein Mann hat mit der Hand leicht darauf geschlagen, und es hat metallig geklungen, das war einerseits zum Fürchten, anderseits hat es aber ihre Neugierde geweckt. Ganz mutig hat sie dann ganz am Behälter dran geschnüffelt und schliesslich das Ganze für ungefährlich befunden.

Bei einem Weg entlang einer Wiese wurden neuerdings grosse Brocken Steine deponiert, wohl um das Parkieren entlang dieses Wegabschnitts zu verhindern. Ich dachte, Serenata wolle auch hier genau hinsehen, worum es sich handele. Sie macht das dann jeweilen so, dass sie den Körper schräg dazu stellt, wohl um sich den Fluchtweg frei zu halten und den Kopf schräg hinneigt. Aber interessant waren nicht die Steine, interessant war für sie die Weide dahinter 🙂 Schlaumeier.

Wir merken schon, wie Serenata langsam immer cooler wird im Gelände. Sie schaut umher, auch ein blitzschnell über den Weg rennendes Eichhörnchen vermag sie nicht mehr zu überrumpeln. Serenata schaut, ganz locker von einer Seite auf die andere, nimmt die Umgebung wahr, aber fühlt sich offensichtlich in unserer Begleitung nun schon ganz schön sicher. Das ist toll!

Wir haben ihr deshalb nicht mehr das Knotenhalfter angezogen, sondern sind mit dem Stallhalfter gegangen. Seit ich gehört habe, dass das Knotenhalfter auf die Nerven einwirkt, bin ich vorsichtig damit!

Serenata hat jetzt ein bisschen Bauch angesetzt und die Muskulatur ist auch schon gut sichtbar an Hinterhand und Rücken. Sicher lässt sich da noch einiges verbessern, woran die Stallbesitzerin fleissig arbeitet. Aber schön ist sie nun doch immer mehr! Ein Bild von einem Pferd 🙂 🙂

Feilen und raspeln

Am Sonntag haben wir in Matzenried mit weiteren Pensionärinnen einen Hufpflegekurs absolviert. Am Vormittag haben wir die Anatomie des Pferdefusses kennengelernt und erfahren, wie das Pferd seine Hufe bewegt. Das war sehr eindrücklich und mir bis jetzt schon nur der Spur nach bekannt. Es ist erstaunlich, wie das doch recht schwere Tier auf seinem mittleren Zeh balancieren kann!

Natürlich ist es auch eine Frage, wie man das Pferd bewegen und „nutzen“ will, ob es beschlagen werden soll. Wegen der Gruppenhaltung sind wir diesbezüglich eingeschränkt. Tritt das Pferd barhuf auf, ist es vorsichtiger, weil sich unebene Stellen unmittelbar bemerkbar machen. Mit Hufeisen spürt das Pferd weniger, balanciert Unebenheiten weniger aus und dadurch können die Sehnen und Bänder am unteren Bein stärker belastet werden. Möglicherweise schmerzen die gröberen Kiesel auf den Wegen aber auch am Huf, so, wie wenn wir ungewohnterweise eine Naturstrasse barfuss gehen und unsere Fusssohlen zu wenig harte Haut haben. Wir werden den so genannten Abrieb am Huf noch genau beobachten.

Es gibt natürlich auch hier unendlich viele Meinungen und Tipps. Wir sollen jetzt mal schauen, ob barhuf geht – wir sollen unbedingt Schuhe kaufen. Ja, wir sind da noch zu wenig schlüssig.

Interessant war auch zu erfahren, wie wichtig eine gute, ausgewogene Form des Hufs ist, damit das Pferd den Huf schön absetzt und gleichmässig belastet. Wir haben schlimme und gute Beispiele verglichen und sind dann gespannt gewesen, wie wir die Hufe unserer Pferde dann betrachten!

Am Nachmittag haben wir dann an unseren Pferden selbst Hand angelegt, haben versucht, die Furchen gut von überflüssigem Material zu befreien und mit Feile und Raspel den Huf harmonisch hinzubekommen. Da hat sich gezeigt, was der Unterschied ist zwischen einem Vormittag und einer Zweijahresausbildung 🙂 🙂

Versucht haben wir es. Serenata schaut ganz interessiert, was da läuft.

Ritt ungeführt

Letzte Woche sind wir in einer Gruppe von drei Reiterinnen und mit der Stallbesitzerin losgezogen. Den Weg bis zum Wald haben wir zu Fuss zurück gelegt, danach bin ich im Wald aufgestiegen. Zügel in die Hand und los 🙂

Ehrlich – ein kleines bisschen aufgeregt war ich am Anfang schon, aber ich weiss ja, Serenata wird nicht frech überholen, sondern schön hinter den anderen bleiben, und so konnte ich die Zügel locker lassen und sie einfach lostrotten lassen. Die beiden anderen waren sehr gemächlich unterwegs und ich spürte, dass Serenata schon mehr Schritt geboten hätte, hätte sie dürfen – und ich hätte es auch schön gefunden!

Auf dem steinigeren Weg tritt sie manchmal noch etwas unsicher auf, bis zur Ankunft in Matzenried war sie ja beschlagen. Wegen der Gruppenhaltung verzichten wir auf das Beschlagen, auch vorne, und wir versuchen, ob es ohne Schuhe geht und beobachten, wie sich die Hufe weiter entwickeln.

Ich konnte mich gut entspannen, und ich spürte, wie auch Serenata ganz locker und vertrauensvoll ging. Den Weg kennt sie ja nun bereits, und die Fussgängerinnen mit Stöcken, die uns begegneten, beachtete sie nicht einmal, auch das Paar mit Hund kreuzten wir völlig problemlos. Ich habe eine riesige Freude an Serenata. Der fantastisch milde und sonnige Herbsttag hat noch das Seine zu diesem schönen Erlebnis beigetragen.

Ritt im Wald

Gut geführt und behütet begeben wir uns mit der Stallbesitzerin und der Praktikantin – reitend auf Kaoutar – in den Wald. Ein wunderbares Erlebnis, das Gefühl zu haben, auf Serenata reitend durch den Wald zu schreiten. Sie ist ganz cool und richtet sich ganz auf Kaoutar aus. Wenn diese schneller läuft, läuft auch Serenata schneller, und wenn sie anhält, hält auch Serenata an. Ich denke, dass die Erfahrung aus Spanien zurückkommt, wo Serenata mit mir jeweils am Ende der Gruppe war. Das kennt sie. Eingreifen musste ich nur, wenn Serenata versuchte, ganz hinter Kaoutar zu gehen, da Kaoutar das nicht mag und da Serenata als Handpferd auch noch mit geführt wurde, wäre es mit dem Führstrick nicht praktikabel. So musste ich mit Serenatas Kopf seitlich auf Höhe Hinterhand von Kaoutar bleiben. Aber das konnte ich ganz gut richten. Ich hatte das Gefühl, ich könnte ganz gut ohne den Führstrick auskommen und Serenata würde brav hinter einem Pferd bleiben. Wir gehen nun langsam einen Schritt um den anderen. Wenn etwas gut läuft, wiederholen wir es und lassen dann eine Hilfe um die andere weg. Niemand will sein Mütchen kühlen und nun zu viel riskieren.

Waldspaziergang, Fortsetzung

Vor zwei Tagen suchten wir einen geeigneten Ort, um im Wald mit Serenata Fotos zu machen. Wir fanden einen traumhaft schönen Platz, licht, mit hohen Tannen und moosbedecktem Boden, ein Tanzort für Feen! Der Platz liegt in der Nähe der Strasse, wir hätten mit Serenata allerdings recht lang der Strasse entlang gehen müssen. So entschieden wir uns, einen Weg ab einem grösseren Waldweg zu erkunden.

Nun sieht ja im Forst alles immer wieder gleich und ähnlich aus, entsprechend schwierig fanden wir es, den selben Weg wieder zu finden, als wir mit Serenata frischen Mutes in den Wald hinein spazierten. An den Kühen vorbei ging alles glatt und ohne Mühe, auch in den Waldweg hinein, den sie bereits von einem früheren Spaziergang her sicher wieder erkannte. Die Abzweigung auf den schmalen Pfad war ihr dann allerdings nicht mehr ganz geheuer, und sie schnaubte ab, schaute überall herum und fühlte sich offensichtlich immer weniger sicher.

Das Fotoshooting wurde entsprechend schwierig, da Serenata sich unsicher fühlte und keinen Moment still stehen mochte. Auch ein kleiner Grasplatz zum Beruhigen half wenig. Sie frass zwar ein paar Büschel, aber stellte immer wieder den Kopf hoch und die Ohren scannten die Umgebung ab. Kein Zweifel, sie wäre am liebsten geflohen.

Ich stelle einmal mehr fest, dass es wenig hilft, wenn ich nur die Sichere spiele, dies aber wenig glaubhaft auf das Pferd wirkt, wenn ich es eben nicht bin. Der Heimweg konnte dann nicht schnell genug gehen – ständig hatte Serenata eine Kopflänge Vorsprung, und ich musste sie mit 360-Grad-Wendungen um mich herum disziplinieren. Gern hätte ich ihre Nase vom Druck des Führstricks entlastet, aber da gab sie mehr Gas.

Ich warte nun gespannt auf die Fotos 🙂 Ob etwas daraus geworden ist? Heute war Serenata brav auf dem Platz und hörte gut auf meine Kommandi. Nachtragend scheinen Pferde nicht zu sein!