Gelassenheit

Heute war der Boden auf dem Reitplatz zumeist steinhart. Meine Reitstunde mit Daniela fraglich! Sie entscheidet auf Schrittreiten, Genauigkeit und Test Gelassenheit. Los geht’s mit Einreiten und Volten auch durch die Teile auf dem Platz mit Wasserlachen. Serenata macht gut mit, überwindet ihre Furcht vor den Pfützen und marschiert tapfer ihre Volten. Nach Slalomübungen über den Platz kommt das Dessert: über eine grosse Plastikblache gehen. Serenata nähert sich dem unbekannten Grund, streckt ihren Hals tief, um zu schnüffeln. Diese Zeit gebe ich ihr. Dann die feine Aufforderung, einen Schritt auf die Blache zu machen. Das ist für das Pferd schwierig; es könnte rutschig oder tief sein. Es ist also eine Frage des Vertrauens. Kann sich Serenata auf mich verlassen? JA! Sie macht problemlos mit. Wieder eine Pause und nochmals die Aufforderung. Sie geht über den „unsicheren“ Boden als wäre es Sand! Wir wiederholen die Übung. Es klappt prima. Schliesslich üben wir von der Gegenseite. Das ist bekanntlich für das Pferd eine völlig andere Übung. Nach kurzer Prüfung mit der Nase meistert Serenata auch diese Herausforderung mit Bravour. Wer von uns, inklusive Daniela, am meisten Freude hat, ist schwierig zu sagen 😊

Une marocaine dans la neige

Es ist kalt geworden und in Matzenried liegt Schnee. Es muss für Farah ziemlich eigenartig sein, dass das helle Zeugs unter ihren Füssen nicht Sand, sondern kalte und feuchte Masse ist. Es scheint ihr aber wenig auszumachen – im Gegensatz zu mir, die mich jedes Jahr wieder schwer tue mit den kalten, finsteren Tagen.

Walderkundung

Gestern war es trüb und der Schnee lag schwer auf Ästen und Wegen. Wir hatten trotzdem das Bedürfnis, mit Serenata und Farah einen Spaziergang zu unternehmen und machten unsere zwei Schönen bereit. Ich war noch nie mit Farah, in Begleitung von Georg mit Serenata, ohne weitere Stallhilfe unterwegs und war gespannt, wie sich das anfühlen würde.

Serenata war um die zwei Uhr nachmittags jeweils schon etwas hungrig und kaum waren wir an der Strasse oben, zerrte sie meinen Mann an die Böschung, um zu grasen. Dumm nur, dass gerade der Führstrick riss, so heftig war ihre Bewegung. Georg schaffte es, einen Knoten zu binden, und so konnte es los gehen. Farah schaute sich neugierig um, scannte das weite Feld auf der einen Strassenseite und beschnupperte mal einen Busch, einen Pfosten, einen Baumstrunk, machte aber einen sehr unaufgeregten Eindruck.

Während Serenata immer wieder Futter suchte und Georg sie davon abhielt, verhielt sich Farah ruhig und ausgesprochen gelassen, obwohl sie Wald ja nicht kennt. Sogar ein furchteinflössendes Monster von einer Baumpflegemaschine, das unmittelbar neben dem Weg ein Wendemanöver machte und dabei einen kurzen Moment mehrere Scheinwerfer auf uns richtete, brachte sie nicht aus der Fassung.

Ich bin sehr beeindruckt, wie cool meine Schöne bleibt, und wie ruhig und entspannt sie neben mir her trottet. Das war eine sehr gute und schöne Erfahrung 🙂

Alles klar

Die Untersuchung der Tierärztin hat nun stattgefunden. Damit sind wir freudige Eigentümer von Farah – nicht mehr Fynda. Da Fynda unseren Recherchen gemäss nichts bedeutet und kein arabisches Wort ist, habe ich beschlossen, ihr einen arabischen Namen zu geben. Farah bedeutet Freude. Meine Freude ist sehr sehr gross, und es scheint, dass wir einen ganz guten Draht miteinander haben, Farah und ich. Jedenfalls freut sie sich schon, wenn ich zu ihr auf den Platz gehe und sie einlade, mit mir etwas zu machen 🙂

Die Tierärztin hat ihr Herz abgehört, ihre Zähne und Augen geprüft, ihre Reflexe getestet, ihre Gelenke abgegriffen und hat sie vorschreiten und -traben lassen. Ailen, die Angestellte auf dem Hof, hat Farah geführt, und so konnte ich alles mit anschauen und ging kein Risiko ein. Farah nahm nämlich nicht alles ganz so locker, z.B. an Hals und Kopf anfassen lässt sie sich nicht von jedem/jeder und allein auf den Hofplatz stellen findet sie noch nicht geheuer.

Sicher müssen demnächst ihre Zähne geschliffen werden und die Chiro muss am Iliosakralgelenk ihre Hände anlegen, aber im allgemeinen ist Farahs Zustand gut. Es ging ihr offenbar auch in Marokko nicht schlecht, sie musste keinen Wagen ziehen, sondern Rennen laufen 🙂 Hui, was für mich! Das heisst halt, dass sie die Reiterbefehle english style nicht kennt, weil sie zum Startplatz geführt wurde und auf Kommando ging’s einfach mit den andern los. Jetzt muss sie lernen, aufzupassen, was ich ihr befehle, am Boden und als Reiterin. Schön, dass ich jetzt ein Pferd ausbilden darf, ich freue mich sehr!

Breaking news

Was wäre das Leben ohne Überraschungen und was macht das Leben erst so richtig lebenswert? Genau. Es sind die Momente, in denen wir über unseren Schatten springen und die Freude überschäumt. Gerade jetzt erleben wir so einen Moment; habe ich doch geschrieben, dass sich Serenata immer besser mit mir versteht. Das ruft bei Susanne zwiespältige Gefühle hervor. Im Moment hat sie kein „eigenes“ Pferd mehr. Das hin und her von Pferd zu Pferd ist mühsam. Badia muss einen Monat lang aussetzen. Ein anderes Pferd steht nicht zur Verfügung. Nun, eigentlich wären da die 5 wunderschönen Marokkanerstuten, zwischen 4- und 6-jährig….. Daniela hat schon mehr als einmal angesprochen, ob wir nicht ein zweites Pferd möchten? Das Thema wird aktuell. Wir stecken die Köpfe zusammen und denken. Argumentieren. Legen alles auf den Tisch. So ein Entscheid darf nicht leichtfertig getroffen werden. Daniela gibt Susanne die Chance, einige Pferde kennenzulernen. Gribouille ist wohl zu jung, zu unerfahren, obwohl sehr zugewandt. Flifla, schön, elegant, ist schreckhaft. Elhiafa ist eine Schönheit, aber das wars auch schon. Fynda ist dagegen ruhig. Sie gleicht eher Serenata, nicht so verschmust wie Gribouille, eher selbständig. Daniela meint, dass Susanne und Fynda gut passen könnten. In der Bodenarbeit, die jetzt begonnen wird, darf Susanne mitmachen. Fynda zeigt sich von ihrer besten Seite! Als nächstes muss sie beweisen, dass sie eine Reiterin toleriert und mit Beinbefehlen zurecht kommen kann. Das ist nämlich für sie völlig neu. Auf dem ersten Waldspaziergang kommt Ailen, die coole Mitarbeiterin von Daniela mit. Sie reitet zu Beginn. Alles problemlos. Auch Susanne darf jetzt aufsteigen. Fynda macht gut mit. Der nächste Test: Reitstunde zusammen mit Serenata. Läuft wie geschmiert, die Beiden, die sich noch nicht kennen, sind entspannt. Es ist herrlich. Susanne ist bereit für den grossen Schritt. Fynda soll in unserer Familie ihren Platz haben!! Mit Daniela machen wir ab, dass sie das Pferd bis Ende Februar ausbildet. Susanne darf dabei mitmachen. Eine Chance für Beide. Nun folgt noch die Arztuntersuchung und damit ist alles klar für den Vertrag. Susanne ist glücklich. Die Lösung ist wirklich ideal. Wir werden uns natürlich einschränken müssen, aber das lohnt sich bestimmt.

Neue Welt, Fortschritte und „mein“ Pferdchen

Seit längerem habe ich keinen Beitrag mehr verfasst. Heute schreibe ich über wichtige Veränderungen: nach unseren Ferien an der Lenk kam ich mit viel Selbstvertrauen und freudig in die Reitstunde mit Serenata. Die Begegnung mit unserem Pferd war gut und das Einreiten sehr harmonisch. Bis zum Eintreffen der Reitlehrerin. Danach begannen die Probleme. Ich spürte eine ganz andere Energie als an der Lenk mit Sonja. Serenata reagierte sofort und ich fiel von der Rolle. Die Reitlehrerin konnte nicht helfen, im Gegenteil. Nach 2 Tagen Nachdenken stand mein Entschluss fest. Ich brauche eine andere Lehrerin. Dass ich jetzt mit Daniela, die Serenata und mich gut kennt, und mit Vera, einer sehr ruhigen, erfahrenen Fachfrau lernen darf, hat viel geändert. Meine Probleme sind lösbar, ich spüre Fortschritte, freue mich daran und Serenata hat sich mir viel besser angeschlossen. Wir wachsen zusammen, sagt Daniela. Und so fühlt es sich auch an! Serenata wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht ab und zu testen würde, wie es mit mir steht, ob sie mir vertrauen kann. Das quittiere ich vermehrt mit einem Lächeln und einem bestimmten JA. Susanne übt jetzt ausschliesslich mit Badia und neuerdings auch mit der 6-jährigen Fynda. So bin ich allein mit ihr an Bodenarbeit Reitstunde und Ausreiten. Ich geniesse das und könnte damit auch in Zukunft gut leben!!

Serenata in Gold

Dieser Herbst ist – wie letztes Jahr – fantastisch, die Temperaturen mild, die Buchen rost-golden, und wir sind froh und dankbar, dass wir uns im Wald frei bewegen dürfen. Im Stall tragen wir eine Maske, um uns gegenseitig zu schützen, aber es gibt keine Einschränkungen, wie viele Menschen sich gleichzeitig bei den Pferden aufhalten dürfen, sofern die Regeln (Maske, Abstand) eingehalten werden.

Wir sind eine ganze Weile mit Serenata nicht mehr im Wald reitend unterwegs gewesen. Dafür haben wir unterdessen ein intensives Reit- und Longierprogramm absolviert. Serenata ist nun kräftig und voller Tatendrang. Der Wald hat sich verändert, und sie nimmt dies wahr. Zwar nicht schreckhaft, aber doch mit erhöhter Aufmerksamkeit, mit Blick auf die vielen Stämme und Äste, die am Wegrand aufgeschichtet sind, die veränderten, teilweise schon entlaubten Bäume, das reiche Blattwerk auf den Wegen.

Ich arbeite auf dem Platz mit Badia, der Berberstute einer Pensionärin am Hof. Langsam bekomme ich sie recht gut in den Griff, oder besser Sitz, und wir sind ein immer besser eingespieltes Team. Badia ist jung und vor allem etwas wenig trainiert, weshalb sie nach ein paar Runden Trab ziemlich ausser Atem gerät. Ich brauche volle Durchsetzungskraft, um sie um mehrere Runden zu treiben – und sie nutzt jede „Ausrede“, die sich ihr bietet, um vom Trab in den Schritt zu wechseln, z.B. weil der Sand auf dem Reitplatz etwas nass ist und deshalb leicht rutschig, oder weil sich ein kleiner See gebildet hat nach vielem Regen und dieser bis ganz in die eine Ecke reicht. Sie mag nicht durch diesen nassen Bereich traben und deshalb geht sie bis genau in die Ecke, um dann in den Schritt zu wechseln. Ich merke, wie sie mich hereinlegt und muss schmunzeln und meine Kräfte sammeln, dass ich sie trabend um die Ecke jagen kann 🙂 Dieses Spielchen haben wir nun recht oft miteinander gespielt und heute ist es mir gelungen, es ihr zu vermiesen. Wenn sie merkt, dass sie nicht durchkommt, hört sie auf, aber sie hat fast den härteren Kopf als ich 🙂

Action!

Serenata macht beim Longieren grosse Fortschritte und auch mein Mann wird immer besser 🙂 Seine Hand ist ruhiger geworden, er strahlt Ruhe und Sicherheit aus. Das richtige Mass, um Serenata mal so richtig in Schwung zu bringen. Sie soll einige Galopp-Schritte tun, und wir sehen wieder einmal, dass das gar nicht so einfach ist. Zuerst rennt sie im Trab, einfach viel und immer schneller, es dauert etwas und braucht mehrere Anläufe, bis sie begreift, sie soll anspringen. Aber dann sieht es prächtig aus!

Derweil geniesst Badia im Hintergrund noch ihre Ruhe – aber sie wird auch bald dran sein 🙂

Freude pur

Vorgestern haben wir einige Pensionspferde auf die Herbstweide geführt. Zuerst ging es der Strasse entlang in einer disziplinierten Kolonne – kaum auf der einen Weide war aber fast kein Halten mehr. Einige Pferde schlugen ihre Köpfe, versuchten sich frei zu machen und abzuwenden, und es kostete uns viel Kraft, sie durch diese Weide hindurch auf diejenige zu führen, die sie in den nächsten Tagen abgrasen dürfen.

Was für ein Fest, was für ein Leben! Kaum losgelassen, rannte der Tross los, den Hügel hinauf, den Hügel hinunter, es wurde geschnaubt und die Beine in alle Richtungen verworfen. Wir standen da und schauten zu, und es ist ja klar, wo es unseren Tieren am besten gefällt 🙂