Wiederbeginn

Letzten Freitag fasste ich Mut und schlüpfte wieder in meine Pferdeschuhe. Es gibt mir mehr Sicherheit, nahe am Pferd zu sein mit den geschlossenen, etwas festen Lederschuhen als mit den Teva-Sandalen, in denen meine nackten Füsse stecken. Das Anziehen der Schuhe bereitete mir etwas Mühe, weil ich die Zehen zuerst strecken, dann in die Biegung bringen muss. Aber es ging ganz gut, und im Schuh drin fühlte ich mich dann richtig gut und sicher.

So durfte ich wieder einmal, nach mehreren Monaten, Farah aus dem Stall an die Anbinde führen, sie putzen und mit ihr auf den Trainingsplatz zum Üben. Wir fingen mit einfachen Führübungen an, und es zeigte sich, dass Farah sich angewöhnt hat, mich zwar wahrzunehmen als jemand, der kommt, schmust, streichelt, den Bauch kratzt und lieb spricht – aber nicht mehr als Chefin, die anzeigt, was sie erwartet. So trottete sie zögerlich und etwas verwundert neben mir her und hatte es nicht allzu eilig, mir zu folgen. Farah hätte gern am Boden rumgeschnuppert, am Rand des Trainingsplatzes am Grünzeug geknabbert, sich dann kraulen lassen, die Gegend betrachtet und eventuell sich gern gewälzt. Daniela machte mich darauf aufmerksam, dass ich jetzt meine Energie wieder hochfahren und meine Stellung Farah gegenüber klar und deutlich dokumentieren soll.

Wir arbeiteten eine Weile frei, Farah ging brav und die Pylonen herum, nicht ganz so eng, wie ich es gewünscht hätte, aber für den Anfang ganz ok. Danach arbeiteten wir mit der Longe, und Farah musste realisieren, dass ich noch Trab – zuerst aussen um die Pylonen herum, danach innen herum – verlangte, obwohl für sie die Lektion bereits hätte zu Ende sein dürfen 🙂

Sie machte aber brav mit und trabte munter um die Pylonen herum, wie ich es von ihr wollte. Das Mash danach genoss sie dann sehr 🙂

Zahnarzt !

Als Serenata zu uns kam, litt sie unter grossen Schmerzen im Maul. Sie liess sich nicht untersuchen. Der Grund: eine hochgradige Entzündung des Zahnfleisches, irreparabel, wie uns die Tierärztin sagte. (Der Fachbegriff EOTRH equide odontoclastic tooth resorption and hypercementosis). Die Zahnwurzeln würden von einem „Zement“ umschlossen, was unweigerlich zum Ausfallen der Zähne führen werde. Mit regelmässigem Spülen konnten wir die Katastrophe herauszögern. Indes, der eine Zahn wackelt jetzt bedenklich und stört beim Kauen. Er muss raus!

Zu zweit rücken die Tierärztinnen an. Ich mache mich auf einen kurzen Einsatz gefasst. Der Wackelzahn wird wohl, nach der Sedation, mit einer Zange gezogen und fertig.

Weit gefehlt. Zwar lässt sich Serenata gut sedieren und auch das Abschleifen der Vorderzähne geht problemlos. Doch dann wird es heftig. Tierärztin Sabrina nimmt ein Instrument in die Hand, das wie ein Schraubenzieher aussieht. Vorne scharf geschliffen. Damit dringt sie, dem Zahn entlang, bis zu den Zahnwurzeln vor und trennt diese ab. Mühe bereitet der „Zement“ um die Wurzel. Das heisst, dass sorgfältig gearbeitet werden muss. Ein Abgleiten könnte die Blutgefässe verletzen. Ich bin nicht gerade locker, das zu hören. Sabrina ist über 1 Stunde beschäftigt. Serenata muss nachsediert werden. Das Maul wird blutig und der Zahn will nicht loslassen..

Geduldig arbeitet Sabrina weiter. Zum Schluss kann sie den Zahn ziehen. Er ist sauber abgetrennt! Mit einer betadinegetränkten Gaze wird das feine, tiefe Loch gestopft. Anschliessend möchte Sabrina die Backenzähne bearbeiten. No way! Serenata wehrt sich trotz Sedation mit aller Kraft. Wir vereinbaren, diesen Teil später einmal nachzuholen. Zum Glück ist die Prozedur vorbei und gut gelaufen. So schlimm habe ich den Zahnarzt noch nie erlebt. Serenata führe ich zum Aufwachen auf den Platz. Sie ist ruhig. Ich wünsche ihr, dass sie sich jetzt beim Kauen besser fühlt.

Neue Herde

Die Stuten von Daniela sind auf der Alp – ausgenommen diejenigen mit den Fohlen, die zwischen Mai und Juni zur Welt gekommen sind. Nachdem Flifla verkauft worden ist und den Hof verlassen hat, hat sich Farah mit Farajia angefreundet, ich nenne sie das Postergirl mit ihrem langen, üppigen Behang. Da Farajia dieses Jahr zum ersten Mal ein Fohlen bekommen hat, ist sie jetzt mit D’Enora und Hasnana in Matzenried geblieben und Farah tummelt sich nun inmitten des Kindergartens auf der grossen Weide. Es sieht so aus, als sei sie problemlos mit anderen Pferden zu vergesellschaften. Sie hat jedenfalls keine Bissspuren 🙂 Ich sehe ein Bild voll Freude und Frieden.

Ich finde es rührend, dass sie auf mein Rufen zu mir kommt und mich begrüsst. Ich wage mich inzwischen wieder näher an sie heran. Heute habe ich ihr den Bauch gekrault, das hat sie enorm genossen. Zum Glück durften die Pferde am Mittag in den Stall, der Fliegen- und Bremsenschwarm war schon schwer zu ertragen.

Zwangspause

es darf wohl einfach nicht nur immer die Sonne scheinen….

letzte Woche in der Bodenarbeit hat Serenata nur mit Mühe und gutem Willen mitgemacht. In der Reitstunde hat dann Danielas 7.Sinn und gutes Auge zum Abbruch geführt bevor wir richtig eingeritten waren! Hat Serenata einen Abszess oder was schmerzt an den Hufen? Die Tierärztin muss kommen und ist besorgt. Das seltsame, stetig ändernde Wetter hat in vielen Ställen zu Problemen geführt. Einige Pferde mussten euthanasiert werden. Was für eine Nachricht, jetzt, da wir die wohl beste Zeit miteinander geniessen! Offenbar ist die Lage noch nicht hoffnungslos; reiten, üben und Weide sind aber tabu für 10 Tage, bis wir mehr wissen. Medi und tägliches, zweimaliges Kühlen der Beine haben wir als Aufgabe. Hoffentlich geht dieser bittere Trank an uns vorbei. Am Mittwoch kommt die Tierärztin, bis dahin gilt nur hoffen und beten. Ich lerne immer besser, dass Pferdehaltung gute Nerven und viel Gelassenheit braucht und das nicht nur auf dem Pferd…

Sommer

Farah hat sich mittlerweile in der grossen Stutenherde integrieren können. Sie stellt kein Problem dar, und als ich sie das letzte Mal besuchte, waren auch keine „Kampfspuren“ an ihr zu entdecken 🙂

Seit der Sattel angepasst ist, macht Farah mit Muriel weitere grosse Fortschritte. Zwar bin ich etwas traurig, dass die Übungen nicht mit mir stattfinden, aber auf der anderen Seite eigentlich auch froh, dass ich mich nicht in heikle Situationen begebe, jetzt, wo ich einiges schon hinter mir habe. Mein Fuss ist am heilen, allerdings wird es noch einige Zeit dauern, bis ich wieder mit Farah arbeiten kann. Wenigstens ein bisschen Streicheln liegt drin, und sie mit Leckerli etwas verwöhnen.

Geschehnisse Mai

Während ich auf dem Sofa meine Hallux-Operation auskuriere und mich so gut wie möglich mit Geduld wappne, wird Farah inzwischen von Muriel trainiert und geritten. Inzwischen ist wieder einiges geschehen, was mich etwas beunruhigt, nachdem Jana von Farah gestürzt ist, passierte dies leider auch Muriel. Bei allen uns dreien sind unterschiedliche Gründe dafür auszumachen: Bei mir war es klar mein Fehler, ich konnte Farah nicht mehr davon abhalten, im Volltempo zum Stall zu rasen. Jana war mit einer Praktikantin mit einem Pferd unterwegs, das zwar die Freundin von Farah ist, aber im Gelände unsicher. So animierte das andere Pferd Farah zu immer höherem Tempo und die beiden jungen Frauen konnten die Sache nicht mehr kontrollieren. Muriel hingegen, eine sehr gute Reiterin, berichtete mir, dass Farah aus dem Nichts heraus abdüste, als sie mit einer Kollegin und deren Freiberger unterwegs war. Die Reiterin mit dem Freiberger blieb stehen, Farah liess sich nicht mehr bremsen und raste an Fussgängern mit Hund vorbei, der dann auch noch die Verfolgung aufnahm und sie fing noch an zu bocken.

Als die Sattlerin kam, um Farahs Sattel zu kontrollieren, sah sie, warum Farah unkontrollierbar geworden war. Der Sattel war inzwischen vorne zu eng und drückte entsprechend hinten gegen Farahs Kreuz. Sehr unangenehm für sie. Nachdem nun dieses Problem behoben ist, gibt sich Farah wieder ganz der Reiterin hin.

Farahs Freundin Flifla ist nun verkauft, und Farah darf das Weidezelt allein geniessen. Sie hat sich von dort aus bereits mit den Stuten der Herde der Stallbesitzerin vertraut machen können, und Daniela fängt nun an, sie in diese Herde zu integrieren. Das Bild, das ich gestern aufgenommen habe, zeigt Farah mit der hellen Ecume, der dunkelgrauen ‚Abal, der fuchsfarbigen Yakout sowie der braunen Basha’ir. Ein Bild des einträchtigen Zusammenseins auf der wunderbar sattgrünen Weide. Einzig Ecume trieb Farah ganz kurz vor sich her, einmal um die halbe Weide herum. Aber Farah scheint keine schwierig zu integrierende Stute zu sein. Das beruhigt mich 🙂

12. Geburtstag !

heute wird mein Schmusekätzchen oder mein Tiger, je nach Tagesform, 12 jährig. Wie schön ist sie geworden, wie zufrieden steht sie da! Und wie schön ist es, die Entwicklung der letzten Wochen rückblickend zu geniessen! Zusammenwachsen sollte man, das sei das Ziel. Mensch und Tier Eins werden. Leicht gesagt, aber wie ? Nun, ich habe mit Freude Daniela sagen gehört: Ihr (Serenata und ich) schaut füreinander. Was für ein schönes Kompliment! Und heute sagte Vera, dass Serenata sehr schön gelaufen sei, entspannt und mit tiefem Kopf. Zum ersten Mal habe ich so richtig gespürt, dass wir zusammen besser werden und wie die Zügelhaltung (merci Daniela) und das fein Abspielen mit dem Innenzügel (merci Vera) Serenata hilft, entspannt zu traben. Ein herrliches Gefühl, umso mehr, als Vera heute abschloss: es ist jedes Mal besser! Ich bin sehr glücklich, so gute und geduldige Lehrerinnen zu haben. Denn, das kann und will ich nicht abstreiten, ich brauche länger als ein junger Reitschüler. Aber das gemeinsame Arbeiten ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden, auf den ich nicht mehr verzichten will. Happy birthday, Mäuschen!

Antischreckprogramm

Für unser heutiges Training und das Training ihrer eigenen Pferde hat sich die Stallbesitzerin Daniela etwas ganz Besonderes ausgedacht. Sie und ihre Helferinnen haben einen Parcours aufgebaut, der es in sich hat: einen bunten Bogen zum Hindurchgehen, eine zerknüllte Plastikplane zum Darüberlaufen, eine Wippe, ein mit Holzteilen eingefasster Teil voller leerer und zusammengepresster Petflaschen, ein Holzträger mit rot-weissen Flatterbändern, wie sie zum Absperren benutzt werden, ein Durchgang aus vielen Schaumstoffteilen auf zwei Seiten sowie eine Treppe aus Paletten zum Hoch- und Heruntersteigen.

Das Ganze wurde durch die zügige Bise noch ein gutes Stück schwieriger, denn die Schaumstoff-Teile oder die Flatterbänder standen von den Holzträgern horizontal ab und sahen wirklich zum Fürchten aus. Entsprechend war denn auch die Reaktion der meisten Pferde zuerst mal von Fluchtversuchen gesteuert. Bis auf eines: Meine Farah. Kaum zu glauben, wie sie das alles unbeeindruckt liess. Daniela konnte es selbst kaum glauben!

Beim Bogen aus buntem Schaumstoff hielt sie kurz, schaute nach oben, dann ging sie durch. Auf der Wippe prüfte sie kurz, ob das halte und ob man den grünen Belag vielleicht essen könnte, dann ging sie darüber, ja, es machte ihr nicht einmal etwas aus, dass die Wippe zuerst in die Richtung nach vorne kippte, dann wieder kurz nach hinten und wieder nach vorn. Beim Durchgang durch die Schaumstoffteile zögerte sie keinen Moment, auch als Daniela die Seiten näher zu einander rückte, und in die rot-weissen Bänder lief sie ohne zu zögern. Beim Teil mit den Pet-Flaschen musste ich sie daran hindern, an den Flaschen zu kauen und überhaupt versuchte sie mich dahinzuziehen um sich ein wenig mit den bunten Pet-Flaschen zu vergnügen.

Einzig die Treppe aus Paletten war etwas schwieriger zu überwinden. Meine Aufgabe war, sie auf jedem Teil still stehen zu lassen, ohne dass sie seitlich ausweichen würde. Dazu brauchten wir mehrere Versuche, weil Farah nicht einsah, warum sie nicht einfach seitlich nebenher laufen könne statt oben drüber zu stolpern.

Und was ihr auch noch etwas Angst einjagte, war der Medizinball, der hinter ihr geprellt wurde. Da war es zuerst schwierig, sie stillzuhalten. Aber sie hielt es dann doch aus, dass der Ball über sie gerollt und fallen gelassen wurde, über sie drüber geworfen wurde und unter ihr durchrollte. Nur Fussball Spielen half sie nicht, als ich ihr den Ball vor die Füsse schob.