Zwangspause

es darf wohl einfach nicht nur immer die Sonne scheinen….

letzte Woche in der Bodenarbeit hat Serenata nur mit Mühe und gutem Willen mitgemacht. In der Reitstunde hat dann Danielas 7.Sinn und gutes Auge zum Abbruch geführt bevor wir richtig eingeritten waren! Hat Serenata einen Abszess oder was schmerzt an den Hufen? Die Tierärztin muss kommen und ist besorgt. Das seltsame, stetig ändernde Wetter hat in vielen Ställen zu Problemen geführt. Einige Pferde mussten euthanasiert werden. Was für eine Nachricht, jetzt, da wir die wohl beste Zeit miteinander geniessen! Offenbar ist die Lage noch nicht hoffnungslos; reiten, üben und Weide sind aber tabu für 10 Tage, bis wir mehr wissen. Medi und tägliches, zweimaliges Kühlen der Beine haben wir als Aufgabe. Hoffentlich geht dieser bittere Trank an uns vorbei. Am Mittwoch kommt die Tierärztin, bis dahin gilt nur hoffen und beten. Ich lerne immer besser, dass Pferdehaltung gute Nerven und viel Gelassenheit braucht und das nicht nur auf dem Pferd…

Sommer

Farah hat sich mittlerweile in der grossen Stutenherde integrieren können. Sie stellt kein Problem dar, und als ich sie das letzte Mal besuchte, waren auch keine „Kampfspuren“ an ihr zu entdecken 🙂

Seit der Sattel angepasst ist, macht Farah mit Muriel weitere grosse Fortschritte. Zwar bin ich etwas traurig, dass die Übungen nicht mit mir stattfinden, aber auf der anderen Seite eigentlich auch froh, dass ich mich nicht in heikle Situationen begebe, jetzt, wo ich einiges schon hinter mir habe. Mein Fuss ist am heilen, allerdings wird es noch einige Zeit dauern, bis ich wieder mit Farah arbeiten kann. Wenigstens ein bisschen Streicheln liegt drin, und sie mit Leckerli etwas verwöhnen.

Geschehnisse Mai

Während ich auf dem Sofa meine Hallux-Operation auskuriere und mich so gut wie möglich mit Geduld wappne, wird Farah inzwischen von Muriel trainiert und geritten. Inzwischen ist wieder einiges geschehen, was mich etwas beunruhigt, nachdem Jana von Farah gestürzt ist, passierte dies leider auch Muriel. Bei allen uns dreien sind unterschiedliche Gründe dafür auszumachen: Bei mir war es klar mein Fehler, ich konnte Farah nicht mehr davon abhalten, im Volltempo zum Stall zu rasen. Jana war mit einer Praktikantin mit einem Pferd unterwegs, das zwar die Freundin von Farah ist, aber im Gelände unsicher. So animierte das andere Pferd Farah zu immer höherem Tempo und die beiden jungen Frauen konnten die Sache nicht mehr kontrollieren. Muriel hingegen, eine sehr gute Reiterin, berichtete mir, dass Farah aus dem Nichts heraus abdüste, als sie mit einer Kollegin und deren Freiberger unterwegs war. Die Reiterin mit dem Freiberger blieb stehen, Farah liess sich nicht mehr bremsen und raste an Fussgängern mit Hund vorbei, der dann auch noch die Verfolgung aufnahm und sie fing noch an zu bocken.

Als die Sattlerin kam, um Farahs Sattel zu kontrollieren, sah sie, warum Farah unkontrollierbar geworden war. Der Sattel war inzwischen vorne zu eng und drückte entsprechend hinten gegen Farahs Kreuz. Sehr unangenehm für sie. Nachdem nun dieses Problem behoben ist, gibt sich Farah wieder ganz der Reiterin hin.

Farahs Freundin Flifla ist nun verkauft, und Farah darf das Weidezelt allein geniessen. Sie hat sich von dort aus bereits mit den Stuten der Herde der Stallbesitzerin vertraut machen können, und Daniela fängt nun an, sie in diese Herde zu integrieren. Das Bild, das ich gestern aufgenommen habe, zeigt Farah mit der hellen Ecume, der dunkelgrauen ‚Abal, der fuchsfarbigen Yakout sowie der braunen Basha’ir. Ein Bild des einträchtigen Zusammenseins auf der wunderbar sattgrünen Weide. Einzig Ecume trieb Farah ganz kurz vor sich her, einmal um die halbe Weide herum. Aber Farah scheint keine schwierig zu integrierende Stute zu sein. Das beruhigt mich 🙂

12. Geburtstag !

heute wird mein Schmusekätzchen oder mein Tiger, je nach Tagesform, 12 jährig. Wie schön ist sie geworden, wie zufrieden steht sie da! Und wie schön ist es, die Entwicklung der letzten Wochen rückblickend zu geniessen! Zusammenwachsen sollte man, das sei das Ziel. Mensch und Tier Eins werden. Leicht gesagt, aber wie ? Nun, ich habe mit Freude Daniela sagen gehört: Ihr (Serenata und ich) schaut füreinander. Was für ein schönes Kompliment! Und heute sagte Vera, dass Serenata sehr schön gelaufen sei, entspannt und mit tiefem Kopf. Zum ersten Mal habe ich so richtig gespürt, dass wir zusammen besser werden und wie die Zügelhaltung (merci Daniela) und das fein Abspielen mit dem Innenzügel (merci Vera) Serenata hilft, entspannt zu traben. Ein herrliches Gefühl, umso mehr, als Vera heute abschloss: es ist jedes Mal besser! Ich bin sehr glücklich, so gute und geduldige Lehrerinnen zu haben. Denn, das kann und will ich nicht abstreiten, ich brauche länger als ein junger Reitschüler. Aber das gemeinsame Arbeiten ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden, auf den ich nicht mehr verzichten will. Happy birthday, Mäuschen!

Antischreckprogramm

Für unser heutiges Training und das Training ihrer eigenen Pferde hat sich die Stallbesitzerin Daniela etwas ganz Besonderes ausgedacht. Sie und ihre Helferinnen haben einen Parcours aufgebaut, der es in sich hat: einen bunten Bogen zum Hindurchgehen, eine zerknüllte Plastikplane zum Darüberlaufen, eine Wippe, ein mit Holzteilen eingefasster Teil voller leerer und zusammengepresster Petflaschen, ein Holzträger mit rot-weissen Flatterbändern, wie sie zum Absperren benutzt werden, ein Durchgang aus vielen Schaumstoffteilen auf zwei Seiten sowie eine Treppe aus Paletten zum Hoch- und Heruntersteigen.

Das Ganze wurde durch die zügige Bise noch ein gutes Stück schwieriger, denn die Schaumstoff-Teile oder die Flatterbänder standen von den Holzträgern horizontal ab und sahen wirklich zum Fürchten aus. Entsprechend war denn auch die Reaktion der meisten Pferde zuerst mal von Fluchtversuchen gesteuert. Bis auf eines: Meine Farah. Kaum zu glauben, wie sie das alles unbeeindruckt liess. Daniela konnte es selbst kaum glauben!

Beim Bogen aus buntem Schaumstoff hielt sie kurz, schaute nach oben, dann ging sie durch. Auf der Wippe prüfte sie kurz, ob das halte und ob man den grünen Belag vielleicht essen könnte, dann ging sie darüber, ja, es machte ihr nicht einmal etwas aus, dass die Wippe zuerst in die Richtung nach vorne kippte, dann wieder kurz nach hinten und wieder nach vorn. Beim Durchgang durch die Schaumstoffteile zögerte sie keinen Moment, auch als Daniela die Seiten näher zu einander rückte, und in die rot-weissen Bänder lief sie ohne zu zögern. Beim Teil mit den Pet-Flaschen musste ich sie daran hindern, an den Flaschen zu kauen und überhaupt versuchte sie mich dahinzuziehen um sich ein wenig mit den bunten Pet-Flaschen zu vergnügen.

Einzig die Treppe aus Paletten war etwas schwieriger zu überwinden. Meine Aufgabe war, sie auf jedem Teil still stehen zu lassen, ohne dass sie seitlich ausweichen würde. Dazu brauchten wir mehrere Versuche, weil Farah nicht einsah, warum sie nicht einfach seitlich nebenher laufen könne statt oben drüber zu stolpern.

Und was ihr auch noch etwas Angst einjagte, war der Medizinball, der hinter ihr geprellt wurde. Da war es zuerst schwierig, sie stillzuhalten. Aber sie hielt es dann doch aus, dass der Ball über sie gerollt und fallen gelassen wurde, über sie drüber geworfen wurde und unter ihr durchrollte. Nur Fussball Spielen half sie nicht, als ich ihr den Ball vor die Füsse schob.

Gelassenheitsübungen

Heute hat Daniela etwas Besonderes vor: Jana mit Farah und ich mit Serenata sollen einen Parcours absolvieren, auf dem es um Genauigkeit, aber auch um das Vertrauen unserer Pferde geht. Verschiedene Übungen sind auf dem Platz vorbereitet: Ein Holzpalett, ein Brett mit Kunstrasen, ein Pneu von einem Mofa, ein Cavaletto, ein L aus Kunststoff, eine Rassel aus Metall, 2 Pfosten, auf dem einen ein kleiner Pylon, auf dem zweiten ein Stab mit Flatterbändern und schliesslich noch 2 Schaumstoffkissen. Serenata ist aufmerksam und willig; doch das meiste ist neu für sie. Ich habe die Übungen unterschätzt, weil Serenata beim „Einlaufen“ am Führstrick nahezu problemlos schnüffelt und die Hindernisse quert.

Die Herausforderung mit mir auf dem Rücken ist VIEL grösser. Da wird ausgiebig nachgedacht und immer wieder das Ausweichen versucht. Mut, Geduld und Beharrlichkeit, auch immer wieder Hinunterfahren und Beruhigen – so können die meisten Aufgaben gelöst werden. Ganz kritisch wird es, als ich das Flatterband vom Pfosten nehme und in der Hand halte! Serenata tanzt wie wild im Kreis herum und lässt sich nicht beruhigen. Daniela ruft mir zu, ich solle das Band fallenlassen. Erst jetzt wird mein Pferdchen wieder ruhig und ich kann andere Übungen machen. Heute wird Serenata im Kopf übermässig gefordert, das ist mir klar. Sie wird Zeit zum Nachdenken brauchen. Aber wir bleiben dran.

Es hat extrem Spass gemacht, so zu üben und unser immer besseres Zusammenspiel zu spüren. 🙂 Farah übrigens ist ein sehr cooles Pferd: man hat den Eindruck, nichts könne sie aus der Fassung bringen! Sie löst ihre Aufgaben mit Bravour. Ich bin froh für Susanne, das wird ihr sehr zugute kommen.

Kommunikation

Letzten Freitag haben wir frei und mit der Longe gearbeitet. Noch habe ich grossen Respekt davor, Farah an der Longe zu leiten. Wind und Pferde zu beiden Seiten des Platzes können sie ablenken, und sie könnte den Kopf verwerfen oder mich wegziehen. Da sie jedoch äusserst brav mitgearbeitet hat, konnte ich alle Übungen, die die Stallbesitzerin mir aufgetragen hat, durchziehen.

Am schönsten war die 8 um zwei Pylonen frei. Farah folgte mir fehlerfrei, als hätte sie dies schon oft geübt. Ich finde sie sehr sehr nett, wie sie aufpasst und gut mitmacht. Unsere Kommunikation am Boden scheint schon ganz gut zu funktionieren. Ich freue mich schon sehr aufs Reiten.

Besserung

Es macht mir grosse Freude, dass ich mittlerweile wieder näher an mein Pferd heran kann. Letzten Freitag haben wir das freie Arbeiten geübt, Farah sollte in jeder Ecke des Platzes eine möglichst kleine Volte machen und von Ecke zu Ecke gehen. Ich merke schon, wenn ich keine Longe habe und entsprechend nicht zupfen und ziehen kann, wie sich die Aufgabe schwieriger gestaltet 🙂 Aber sie hat gut zugehört und ziemlich schnell gemerkt, worum es mir geht. Sie ist sehr charmant, wie sie mich ansieht, als wollte sie sagen „aha, das meinst du“, dann macht und dazu schleckt.

Montag waren wir dann auf einem Spaziergang im Wald. Es ist momentan richtig Winter, Farah ist durchnässt und der Schnee klebt ihr in der Mähne, so dass sie sich immer wieder schüttelte und mich mit einschneite. Farah war einen Moment kurz „lustig“, wie wir es nennen. Sie schlägt den Kopf zur Seite und signalisiert mir, „so, was läuft, lass uns loslegen!“. Es kann ihr dann nicht schnell genug gehen. Aber es gelang mir gut, sie zu kontrollieren und ruhig zu bringen, so dass der Spaziergang sehr gemächlich und sicher war für mich. Mit der rechten Hand kann ich sie ja gut halten, in der linken habe ich die kurze Peitsche und den Rest des Führstricks. Den hätte ich im Notfall auch einfach loslassen können. Aber das war vollkommen unnötig.

Farah blieb sogar ruhig, als es hinter uns mit Serenata richtig lebendig wurde. Es schien mir aus den Augenwinkeln gesehen das eine oder andere Mal, als wollte Serenata sich befreien und lospreschen. Sie hat eindeutig zu viel Kraft und Energie im Moment. Georg war nach dem Spaziergang handfest müde vom sich Durchsetzen und Disziplinieren seiner Serenata.