Flegeln

Heute wollte ich Farah zum Longentraining holen. Die grosse Stutenherde, zu der mittlerweile auch Serenata gehört, gruppierte sich um die zwei Heuraufen und alle waren mit Fressen beschäftigt. Ich liebe dieses Geräusch, das mampfende Pferde machen, es erfüllt mich mit Zufriedenheit und heitert mich auf!

Ich rief, schon von weitem, wie ich es immer mache, nach Farah. Diese ignorierte mich vollkommen – ja, sie rannte sogar fort, als ich sie bei der Heuraufe aufhalftern wollte. Kaum näherte ich mich, rannte sie davon und/oder versteckte sich hinter einer Kameradin, so dass ich mehrere Minuten brauchte, um ihr nahe zu kommen. Ich versuchte es dann mit Strenge, und schliesslich bequemte sie sich in meine Nähe, nahe genug, dass ich ihr den Strick um den Hals legen konnte. Danach trottete sie brav mit mir zur Anbinde.

Seit sie mit der Hierarchie in der Stutengruppe beschäftigt ist, folgt sie mir etwas weniger gern – als würde sie in der Zwischenzeit etwas nicht verpassen wollen. Es hat sich ja auch einiges verändert seit dem Sommer, und Farah sucht immer noch ihren Platz. Vielleicht wollte sie mir auch den Finger zeigen, weil ich seit Samstag nicht mehr bei ihr war. Mir tat es leid, dass wir am Montag den Reitunterricht sausen lassen mussten, aber manchmal geht es halt nicht anders. Ich sehe schon, einmal mehr, mehr Dezidiertheit kann bestimmt nicht schaden 🙂

Die Reitbeteiligung ist inzwischen mit Farah im Wald unterwegs gewesen, auch in Trab und sogar Galopp. Das habe wunderbar geklappt und macht mich froh. Hier zur Abwechslung mal ein Bild der prächtigen Herbstnatur.

Fortschritt

Farah und ich sind daran, uns aneinander zu gewöhnen. Und Farah gewöhnt sich langsam an Formen, die unsere Zusammenarbeit erleichtern 🙂 Dazu gehört, dass sie bei der Pflege stillsteht, brav die Hufe gibt, nicht immer bettelt. Ich gebe mir Mühe, sorgfältig mit ihr zu sein, nicht an den Beinen zu reissen, nicht am Behang zu rupfen, den Sattel fein aufzulegen, die Gurten mit Gefühl anzuziehen.

Wenn ich aufsteige, soll Farah ganz still stehen. Und das üben wir jetzt immer und immer wieder. Es braucht meine Geduld! Aber wird sich lohnen, vor allem wenn wir dann wieder im Gelände unterwegs sein werden.

Mit dem Traben geht es nun schon recht gut, Farah merkt, dass sie im Trab bleiben soll, und ich kann mittlerweile sogar ihr Tempo regulieren. Das macht doch grosse Freude. Noch hält sie allerdings den Kopf weit oben, und wenn ich antrabe, versuche ich, es ganz fein zu machen. Wenn es gut ist, bleibt ihr Kopf zwar etwas hoch, geht aber nicht noch höher. Schön ist, wenn ich merke, wie sie anfängt zu schwingen.

Wenn Farah vom langen Traben müde wird, fängt sie an, mit dem Kopf zu schlagen. Das sei etwas die Eigenheit der Araber, meint die Reitlehrerin. Ich versuche, es zu ignorieren und einfach etwas zu treiben. Es gibt für uns zwei noch Vieles zu lernen!

Herbstweide

Jeden Herbst stehen den Pferden im Stall Arîj el Fouad die grossen Weiden zur Verfügung, nachdem das Emd gewonnen wurde. Die Weiden sind für die Pferde jeweils eine wunderbare Abwechslung, denn sie kommen nachts nicht auf den Hof zurück, sondern bleiben auf den Weiden und nutzen die dortigen Unterstände bei Bedarf. Farah war letztes Jahr auch schon dort, aber da war sie noch nicht mein Pferd.

Vom Hof zur Weide ist vielleicht 1 km Weg auf der Strasse zurück zu legen, wobei diese Strasse nicht besonders stark befahren ist. Trotzdem löst der Umzug etwas Aufregung aus, weil nichts passieren soll und nicht alle Tiere gleich geübt sind, vom Hof weggeführt zu werden. Insbesondere die Fohlen können sich recht störrisch anstellen, wenn der Wegrand für sie zum Fürchten aussieht – vielleicht ein Randstein, ein Bord mit anderem Bewuchs oder irgendetwas, was sich uns nicht erschliesst, kann ihnen Angst machen.

Wir führten zuerst die neuen Pferde aus Marokko auf ihren Teil der Weide, danach die Stutenherde mit den Fohlen und mit Farah auf ihren Teil. Zuerst grasten alle ganz gemächlich (Bild). Dann begann Farah zu galoppieren, die ganzen Stuten und Fohlen hinterher zu einer wilden Jagd übers ganze Gelände bis zum Zaun der Marokkanerinnen, die schon alle zum Gucken aufgereiht dort standen. Dann konnte die Jungstute Kounouz, deren Fohlen soeben abgesetzt worden war, nicht mehr an sich halten und wollte zu den Fohlen auf der anderen Weide. Sie durchbrach den Zaun zwischen den Weiden und die ganze Herde war auf einmal versammelt! Spontanintegration! (https://youtu.be/RlVivo7y-Io)

Wir standen noch eine Weile auf der Weide um zu beobachten, ob das auch gutgehe. Da das Gelände genügend Platz bietet, sah es danach aus, als würden die neuen Begegnungen friedlich ablaufen. Einzig zwei Stuten machten Kounouz klar, wer über die Fohlen zu wachen habe.

Wenn wir arbeiten oder reiten wollen, nehmen wir es nun für diese Zeit auf uns, diesen 1 km weit zu wandern, um unser Tier von der Herbstweide zu holen. Dafür rechne ich für hin und zurück 1/2 Stunde. Als ich am Sonntag Farah holte, um mit meinem Mann und Serenata Reitunterricht zu geniessen, rechnete ich genügend Zeit ein, weil ich mich darauf vorbereitete, dass Farah nicht so ohne weiteres mit mir kommen würde und ich weit über die Weide gehen müsse. Vorsichtshalber packte ich einen Apfel und ein paar Leckerli ein, damit ich sie anlocken und dann genügend Zeit hätte, sie aufzuhalftern.

Die Befürchtungen waren ganz unbegründet. Alle Pferde liefen auf mich zu, als ich die Weide betrat. Farah genoss natürlich ihren Apfel trotzdem 🙂 – und dann folgte sie mir ganz brav und ohne zu zögern. Die anderen Stuten und die Fohlen allerdings auch! Da sich der Weidezaun direkt gegen die Strasse öffnet, dachte ich schon, ich müsste die anderen Pferde dann energisch davon abhalten, mit zu kommen. Aber die liessen uns dann auch ohne weiteres ziehen und so kam ich problemlos zum Stall.

Der Hengst Rifaï, dessen Gehege der Strasse entlang führt, war nach dem Reitunterricht dann allerdings verantwortlich dafür, dass Farah sich weigerte, mit mir zurück zur Herbstweide zu kommen. Bockstill stand sie mitten auf der Strasse und liess sich von Rifaï umwerben. Es brauchte meinen Mann, um mir zu helfen, von da weg zu kommen.

Wasserspiele

Farah ist so ein spassiges cooles Pferd. Nach meiner Übungseinheit haben wir geschaut, ob sie sich duschen lässt. Die Reitbeteiligung Muriel hat sie gehalten und ich habe ihr den Schlauch erst zeigen wollen. Und was macht sie? Sie nimmt das Ende in den Mund und fängt an zu saugen und mit dem Wasser zu spielen (das Bild ist von einem Video) 🙂

Reiten :)

Nach mehr als einem halben Jahr sitze ich wieder auf Farah. Sie hat in der Zwischenzeit mit den Reitbeteiligungen – zuerst Jana, nach deren Unfall Muriel – sehr gut gearbeitet. Ich kann ganz fein steuern, und es fühlt sich wunderbar an.

Ich bin angesprochen worden darauf, ob es denn für mich kein Problem darstelle, wieder auf das Pferd aufzusteigen, das mir davonrennen wollte, und von dem ich noch kurz vor dem Abhauen „fliegend“ abgestiegen bin. Ein Sturz ist natürlich kein schönes Erlebnis, und die Bilder davon sind in meinem Kopf, ich kann sie nicht beiseiteschieben. Jedoch habe ich auch die Erfahrung machen dürfen, dass nicht jeder Sturz gleich einer Katastrophe gleichkommt, und das hat mir auch Angst genommen.

Es war nicht der Fehler von Farah, sondern meiner. Ich konnte ihr nicht die nötige Sicherheit geben. Und sie hat in der Zwischenzeit gelernt, gemütlich zu traben und – noch wichtiger – wenn sie Unsicherheit spürt, nicht wegzurennen, sondern zu verlangsamen, bzw anzuhalten. Das wiederum ist gut für mich, denn ich bin ja zunächst auf dem Pferd nicht völlig entspannt gewesen 🙂

Wir beginnen nun wieder, uns gegenseitig zu finden. Ich habe als erstes unter dem Kommando meiner Reitlehrerin viele kleine Volten geritten und Schlangenlinien im Schritt. Natürlich machte mich das schon wieder etwas übermütig, und ich versuchte auch den Trab. Eigentlich kenne ich Farah und ihren Schritt noch gar nicht so gut, weil wir wenige Übungseinheiten miteinander gearbeitet haben. Nun geht es jedenfalls vorwärts. Ganz energiegeladen habe ich sie versorgt und mich für den Rest des Tages grossartig gefühlt!

Versammlung

nachdem Serenata die Probleme mit den empfindlichen Hufen dank Behandlung durch die Tierärztin und tagelanges Kühlen sowie dank Hufschuhen überstanden hat, können wir wieder nach vorne schauen!

in den letzten Reitstunden habe ich gelernt, das Pferd richtig am Zügel zu halten, wenn es die Tiefe sucht. Bisher habe ich mich nur gefreut, gedacht, dass sie entspannt sei und ich ihr die Zügel lang geben könne. Daniela hat mir aber erklärt, dass dem nicht so ist. Unser Ziel besteht darin dass sie die Kraft nicht mehr mit den Vorderbeinen, sondern mit den Hinterbeinen erzeugt. Wenn sie die Tiefe sucht, heisst das, dass ich gut sitze und sie die Kraft von hinten nimmt. Damit braucht sie aber meinen Halt mit den Zügeln, damit sie nicht fällt. Die Vorderbeine sind, wenn sie den Rücken rund, entspannt, macht, nicht mehr der Motor, der Halt fehlt.

Immer wieder hat Serenata den Rücken rund gemacht und die Tiefe gesucht. Ein seltsames Gefühl, jetzt mit ihr zusammen unser neues Gleichgewicht zu finden! Aber ich glaube, dass ich zumindest gespürt habe, wie es richtig wäre.

heute hat Ailen ein Foto von Serenata gemacht. Genau so möchte ich sie reiten können! 😉

Wiederbeginn

Letzten Freitag fasste ich Mut und schlüpfte wieder in meine Pferdeschuhe. Es gibt mir mehr Sicherheit, nahe am Pferd zu sein mit den geschlossenen, etwas festen Lederschuhen als mit den Teva-Sandalen, in denen meine nackten Füsse stecken. Das Anziehen der Schuhe bereitete mir etwas Mühe, weil ich die Zehen zuerst strecken, dann in die Biegung bringen muss. Aber es ging ganz gut, und im Schuh drin fühlte ich mich dann richtig gut und sicher.

So durfte ich wieder einmal, nach mehreren Monaten, Farah aus dem Stall an die Anbinde führen, sie putzen und mit ihr auf den Trainingsplatz zum Üben. Wir fingen mit einfachen Führübungen an, und es zeigte sich, dass Farah sich angewöhnt hat, mich zwar wahrzunehmen als jemand, der kommt, schmust, streichelt, den Bauch kratzt und lieb spricht – aber nicht mehr als Chefin, die anzeigt, was sie erwartet. So trottete sie zögerlich und etwas verwundert neben mir her und hatte es nicht allzu eilig, mir zu folgen. Farah hätte gern am Boden rumgeschnuppert, am Rand des Trainingsplatzes am Grünzeug geknabbert, sich dann kraulen lassen, die Gegend betrachtet und eventuell sich gern gewälzt. Daniela machte mich darauf aufmerksam, dass ich jetzt meine Energie wieder hochfahren und meine Stellung Farah gegenüber klar und deutlich dokumentieren soll.

Wir arbeiteten eine Weile frei, Farah ging brav und die Pylonen herum, nicht ganz so eng, wie ich es gewünscht hätte, aber für den Anfang ganz ok. Danach arbeiteten wir mit der Longe, und Farah musste realisieren, dass ich noch Trab – zuerst aussen um die Pylonen herum, danach innen herum – verlangte, obwohl für sie die Lektion bereits hätte zu Ende sein dürfen 🙂

Sie machte aber brav mit und trabte munter um die Pylonen herum, wie ich es von ihr wollte. Das Mash danach genoss sie dann sehr 🙂

Zahnarzt !

Als Serenata zu uns kam, litt sie unter grossen Schmerzen im Maul. Sie liess sich nicht untersuchen. Der Grund: eine hochgradige Entzündung des Zahnfleisches, irreparabel, wie uns die Tierärztin sagte. (Der Fachbegriff EOTRH equide odontoclastic tooth resorption and hypercementosis). Die Zahnwurzeln würden von einem „Zement“ umschlossen, was unweigerlich zum Ausfallen der Zähne führen werde. Mit regelmässigem Spülen konnten wir die Katastrophe herauszögern. Indes, der eine Zahn wackelt jetzt bedenklich und stört beim Kauen. Er muss raus!

Zu zweit rücken die Tierärztinnen an. Ich mache mich auf einen kurzen Einsatz gefasst. Der Wackelzahn wird wohl, nach der Sedation, mit einer Zange gezogen und fertig.

Weit gefehlt. Zwar lässt sich Serenata gut sedieren und auch das Abschleifen der Vorderzähne geht problemlos. Doch dann wird es heftig. Tierärztin Sabrina nimmt ein Instrument in die Hand, das wie ein Schraubenzieher aussieht. Vorne scharf geschliffen. Damit dringt sie, dem Zahn entlang, bis zu den Zahnwurzeln vor und trennt diese ab. Mühe bereitet der „Zement“ um die Wurzel. Das heisst, dass sorgfältig gearbeitet werden muss. Ein Abgleiten könnte die Blutgefässe verletzen. Ich bin nicht gerade locker, das zu hören. Sabrina ist über 1 Stunde beschäftigt. Serenata muss nachsediert werden. Das Maul wird blutig und der Zahn will nicht loslassen..

Geduldig arbeitet Sabrina weiter. Zum Schluss kann sie den Zahn ziehen. Er ist sauber abgetrennt! Mit einer betadinegetränkten Gaze wird das feine, tiefe Loch gestopft. Anschliessend möchte Sabrina die Backenzähne bearbeiten. No way! Serenata wehrt sich trotz Sedation mit aller Kraft. Wir vereinbaren, diesen Teil später einmal nachzuholen. Zum Glück ist die Prozedur vorbei und gut gelaufen. So schlimm habe ich den Zahnarzt noch nie erlebt. Serenata führe ich zum Aufwachen auf den Platz. Sie ist ruhig. Ich wünsche ihr, dass sie sich jetzt beim Kauen besser fühlt.

Neue Herde

Die Stuten von Daniela sind auf der Alp – ausgenommen diejenigen mit den Fohlen, die zwischen Mai und Juni zur Welt gekommen sind. Nachdem Flifla verkauft worden ist und den Hof verlassen hat, hat sich Farah mit Farajia angefreundet, ich nenne sie das Postergirl mit ihrem langen, üppigen Behang. Da Farajia dieses Jahr zum ersten Mal ein Fohlen bekommen hat, ist sie jetzt mit D’Enora und Hasnana in Matzenried geblieben und Farah tummelt sich nun inmitten des Kindergartens auf der grossen Weide. Es sieht so aus, als sei sie problemlos mit anderen Pferden zu vergesellschaften. Sie hat jedenfalls keine Bissspuren 🙂 Ich sehe ein Bild voll Freude und Frieden.

Ich finde es rührend, dass sie auf mein Rufen zu mir kommt und mich begrüsst. Ich wage mich inzwischen wieder näher an sie heran. Heute habe ich ihr den Bauch gekrault, das hat sie enorm genossen. Zum Glück durften die Pferde am Mittag in den Stall, der Fliegen- und Bremsenschwarm war schon schwer zu ertragen.