Neue Herde

Irgendwie ist Farah in der Stutenherde nicht richtig angekommen. Seit sie von Flifla getrennt ist, hat sie sich mit keiner der Stuten von Daniela richtig angefreundet – leider auch nicht mit Serenata. Mal knabberten Kawrika und sie ein wenig aneinander, dann versuchte Farah es mit Farajia – sie schien dann doch nicht wohl zu sein und zeigte den Mädels die kalte Schulter. Farah zeigte sich auch etwas angriffig, teilte allenthalben aus und legte die Ohren an, kaum näherte sich ihr eines der Pferde.

Während sich Serenata schnell beliebt machte als Fohlentante, stand Farah immer mehr allein auf weiter Flur. Nachts war sie schon eine Zeit lang in der Box – auch von da teilte sie nach allen Seiten aus, so dass sie von Box zu Box wanderte, bis wir einen Ort gefunden hatten, wo sie wohl zu sein schien. Das war die Box in der Pensionärherde.

Auch in der Pensionärherde hat sich einiges verändert, die Leitstute Peaches ist seit einiger Zeit als Stute allein in ihrer Herde aus aufgeweckten Jungs, und sie schien eine Freundin zu missen. Wir versuchten heute, ob Farah diese neue Freundin werden könnte, und brachten die zwei zusammen auf die Weide. Nach kurzem Beschnuppern und Tarifdurchgeben war der Fall für beide klar und wir sahen sie gemütlich zusammen grasen. Das gab Mut zum Einlassen der Jungs, und Peaches machte einen Superjob. Sie nahm Farah sofort aus der Schusslinie, stellte sich jedem in den Weg, der sie antasten wollte und begleitete sie sicher durch die Wallache hindurch, liess sie keinen Moment aus den Augen und war sofort zur Stelle, als einer der Jungs sich neben Farah stellte und seinen Hals auf ihren Rist legte. Weil Farah das einen Moment zuliess, gab es auch Tadel für sie und der Wallach wurde sofort des Platzes verwiesen. Das war ja spannend zu sehen!

So eine gute Peaches, so eine tolle Chefin! Wie klar ihre Zeichen waren und wie konsequent ihr Verhalten. Sie ist die kleinste von allen, und sie hat ihre Herde voll unter Kontrolle 🙂 Wir sind guter Dinge, dass das gut läuft und Farah sich in der kleineren Herde Pensionspferde wohl fühlen wird.

Schieflage

Wir wollen das Anspringen üben heute, erklärt mir die Reitlehrerin, deshalb stehen heute keine Pylonen auf dem Platz – das war am 26. März. Wir hatten zuvor fleissig geübt, um die Pylonen herum zu reiten in allerlei möglichen Kombinationen von Kreisen, 8er-Figuren, Schlangenlinien und so weiter. Wir übten im Schritt und im Trab. Farah und ich hatten grosse Fortschritte gemacht, ich fühlte mich auf ihr sicher und auch sie war offensichtlich gut trainiert und machte wunderbar mit. Der Trab war langsam geworden und ihre Kraft liess das zu. Ein grosser Schritt vom „Nähmaschinentrab“ der Vergangenheit! Auch in den Kurven kann Farah mich mittlerweile gut tragen und wir hatten extrem viel Freude, Reitlehrerin inklusive.

So versuchten wir es also mit dem Galopp, d.h. eben nur anspringen, dann gleich wieder abbremsen. Das ist schwierig für Farah, weil wir in einer Kurve anspringen, und sie Mühe mit dem Gleichgewicht hat. Bis jetzt hat sie lediglich die Kadenz gesteigert und auch das Tempo, und mir gelang mehrmals kein Anspringen. Ob sie überhaupt gut angeritten ist und den Galopp-Befehl kennt? Oder war es früher so, dass sie auf der Rennbahn einfach losgerannt ist, wenn die Türen aufgingen und ihr der Jockey die Füsse in die Seiten gerammt hat?

Jedenfalls ging es plötzlich einmal, und ich konnte sie um zwei Kurven im Galopp reiten und dann abbremsen. Also noch einmal. Und das ging leider schief. Diesmal war ich es, die das Gleichgewicht verlor – den Sturz konnte ich noch abdämpfen, indem ich mich an Farahs Hals hielt. Trotzdem tat es weh und tut es noch. Auch im Kopf.

Farah schnupperte an mir, als ich auf dem Boden sass, als wollte sie fragen, was machst du denn da unten? Nachdem ich wieder zu Luft gekommen war, stieg ich wieder auf und ritt noch ein paar Schlangenlinien im Schritt und im Trab. Seither habe ich auch wieder Reitunterricht gehabt, trotz Schmerzen im unteren Rücken. Es ist wichtig für den Kopf.

Wild Thing

Schon lange habe ich gehofft, ich sähe einmal unsere Reitlehrerin Vera auf Serenata reiten. Da Georg sich das Knie hat operieren lassen, bot sich gestern die Gelegenheit dazu. Und ich war so begeistert, dass ich sie bat, auch noch etwas Galopp einzubauen. Da zeigte sich wieder einmal Serenatas wildes Temperament. Zum Glück sass Vera, eine sehr erfahrene und sichere Reiterin, im Sattel. Serenata bockte und sprang wie eine Wilde entlang dem Hufschlag – und ich war gerade ziemlich erleichtert, dass Vera darauf sass und nicht mein Mann 🙂

Herantasten

Dieser Tage ist es ein Jahr her, dass ich mit Farah diesen Unfall hatte, bei dem ich mich von ihr warf, bevor sie definitiv die Strasse entlang nach Hause raste. Mein Bruch ist gut verheilt – jedenfalls so weit eine Wiederherstellung in meinem Alter möglich ist 🙂

Wir sind mit den Pferden im Wald unterwegs, vorerst noch nicht reitend zu zweit ohne Begleitung, gern auch zu Fuss. Und Farah ist wohlig entspannt. Ich spüre, dass unser gegenseitiges Vertrauen wächst und wir mehr und mehr Spass zusammen haben. Geritten sind wir zu zweit, Georg und ich, und die Reitlehrerin ist mitgetrabt – zur Sicherheit hatte sie einen Strick dabei, musste ihn aber nicht einsetzen bis auf einen ganz kurzen Moment, als sich auf einer Weide neben dem Waldweg alle Rinder sammelten, um uns zu beobachten und auf der Weide dahinter die Friesen wie wild zu galoppieren begannen. Da war Farah mal kurz aus dem Häuschen und wollte denen nach. Aber das dauerte nicht lange. Sonst ist sie sehr unerschrocken und trägt mich ganz zuverlässig und cool.

Eisige Zeiten

Es ist kalt, sehr kalt geworden. Unser Reitplatz ist blockgefroren. Eine Bodenarbeit am letzten Mittwoch war nur noch eingeschränkt möglich. Die Reitstunden vom Montag haben wir kurzerhand zu einem Ausreiten mit Begleitung von Vera umgepolt. Die grösseren Wege sind eisig, Autos und Traktoren haben den Boden festgepresst, und es haben sich dicke Eispanzer gebildet. Am Rand der grossen Wege und auf kleinen Pfaden konnten wir gut reiten. Im Schritt, versteht sich. Nach einer gewissen Angewöhnung haben die Pferde Lust auf mehr bekommen. Gut, dass wir mit Vera eine versierte Begleiterin hatten, die die Ansätze zu Übermut im Keim erstickte….

Heute habe ich mit Franziska/Yakout einen Waldspaziergang auf der andern Seite gemacht. Reiten wäre abenteuerlich, besonders mit der trächtigen Yakout. Die Glätte macht die werdende Mutter vorsichtig. Auch hier konnten wir auf kleinen, reizvollen Pfaden den Winterwald geniessen! Etliche kleine Baumstämme lagen quer über den Weg. Unsere beiden Pferde sind ganz cool geblieben und problemlos auch über Stämme mit spitzen Ästen marschiert. Bravo!

Schon 1 Jahr

Ende November ist es 1 Jahr her, dass ich in Matzenried Verträge unterschrieben habe – den Kaufvertrag für Farah sowie den Pensionsvertrag. Es war eine leichte Entscheidung, denn so bald ich mit Farah angefangen hatte zu arbeiten, war mir klar, dass sie gut zu mir passt und wir eine Menge Spass zusammen haben würden. Zwar macht sie auch nicht immer alles ganz genau nach meinen Wünschen, aber wenn ich insistiere, ist sie viel schneller bereit einzulenken, als dies mit Serenata der Fall war.

Soll man mit über 60 noch ein Pferd kaufen? Es gibt sicher viele Faktoren, die beim Entscheid eine Rolle spielen. Wir – mein Mann und ich – haben es jedenfalls nicht bereut. Es geht zwar ein beträchtlicher Teil des Haushaltbudgets nach Matzenried (Pension, Ausbildung, Anschaffungen, medizinische Leistungen, Hufpflege), dafür bekommen wir intensive Selbstschulung 🙂 und dazu ein weites Feld für Freizeitbeschäftigung.

Ich möchte Farah nicht mehr missen, sie ist mir sehr ans Herz gewachsen! Und natürlich Serenata auch – und mein Mann sagt auf jeden Fall dasselbe 🙂

Pflege

Heute war für Farah ein beschäftigter Tag. Zuerst hatte sie Reitstunde im Schnee und stakste etwas unbeholfen durch die wieder ungewohnte Landschaft. Sorgfältig testete sie, ob es rutschig sei und trat zuerst ganz vorsichtig auf. Allerdings gab es noch einen weiteren Grund für ihr verhaltenes Auftreten: der Rücken war verspannt, und die Hufe waren auch unbedingt zu machen.

Zum Glück konnten sich die beiden Hufpfleger den heutigen Tag den Pferden bei uns in Matzenried widmen. Sie arbeiten gründlich und sorgfältig und gaben Farahs Hufen einen neuen Schliff, der sie vor allem auf der Hinterhand etwas entlasten soll, weil die Knie etwas instabil sind. Bei dieser Behandlung war sie lammfromm und hielt perfekt still.

Dann war die Reihe noch an der Chiro/Osteopathin, die mit gezielten Griffen Farahs Rücken manipulierte und sie von Verspannungen löste. Das fand sie dann weniger toll und sie versuchte, sich zu lösen oder auszuweichen – oder zumindest der Chiro ihre Meinung klar mitzuteilen. Wahrscheinlich war sie mit jemandem rückwärts kollidiert, was mich nicht wundert, denn sie ist noch immer am Finden ihres Platzes in der Herde und teilt nach vielen Seiten aus, bzw steckt von vielen Seiten ein. Kein einfaches Pferdeleben, wenn man nicht zufrieden ist mit seinem Platz in der Rangordnung!

Galoppübungen

Langsam wird es spannend… Serenata und ich haben uns gut aneinander gewöhnt. Bei der Bodenarbeit sind die Übungen „Tempowechsel“ und „auf der Spur laufen im Trab“ mittlerweile recht gut gelungen. So habe ich mit Daniela und auch allein den Galopp an der Longe geübt. Das ist noch ein Übungsfeld, aber eines, das Spass macht. Serenata ist mitunter recht feurig und mit grosser Energie bei der Sache. Vorletzten Mittwoch gelangen mir auf rechte und linke Hand je zwei Runden mit problemlosem Anspringen! Letzten Mittwoch haben wir mehr Mühe gehabt 😦 Heute übte ich Reiten mit Daniela und das Galoppanspringen. Nach einigem Überlegen, was der Georg da wohl wolle, hat Serenata Vollgas gegeben und mit dem Hinterwagen so richtig gebockt! Liess sich aber schnell beruhigen und zumindest das Anspringen ist auf beiden Seiten geglückt. Jetzt ist es an mir, sie weiterlaufen zu lassen und nicht mit falscher Haltung zu bremsen. Ich freue mich auf die kommenden Übungen. Mit Danielas Tipps gelingt das hoffentlich bald….

Neuer Zaum

Auf Anraten der Stallbesitzerin Daniela habe ich nun doch einen neuen Zaum mit Trense besorgt. Nach sagenhaften 4 Monaten Lieferzeit ist das Prachtsteil von Deuber endlich eingetroffen und macht mir eine grosse Freude. Farah kaut allerdings etwas unerfreut darauf herum, wohl hat sie in Marokko mit dem Gebiss eher schlechte Erfahrungen machen müssen. Die Trense ist eher dünn und doppelt gebrochen. Ich gebe mir grosse Mühe, sie damit nicht allzu sehr zu belästigen. Aber wenn ich – hoffentlich bald – wieder mit ihr im Gelände unterwegs sein werde, gibt mir diese Zäumung etwas zusätzliche Sicherheit.