

Wir kaufen ein Pferd – Liebe und Drama


Es dauert nun nur noch 4 Wochen bis zum Geburtstermin meiner Schönheit. Reiten ist nicht mehr möglich. Täglich besuche ich meine künftige Pferdemama, pflege sie und führe sie spazieren. Wichtig ist, dass sie sich bewegt, nicht tagelang herumsteht. Der Spaziergang entlang der Strasse hat auch seinen Reiz: saftiges Gras lockt am Strassenrand! Es braucht eine Strategie, meine Spanierin zu bewegen. Wir marschieren in der Strassenmitte, weg vom Gras. Nur leider hat es Verkehr. Wir müssen ausweichen. Und jetzt schlägt Serenatas Stunde: blitzschnell streckt sie den Hals und schnappt sich einen Büschel Gras. Meine Kräfte reichen bei weitem nicht , um sie zu halten. Sie gewinnt. Nun, wenigstens ist das frische Gras eine gute Motivation, sich zu bewegen. Mittlerweile habe ich das Spiel besser im Griff, Serenata lässt sich meist kontrollieren. Und, wenn sie trotzdem Erfolg hat, mag ich ihr diesen gönnen.
D’Enora ist noch nicht reitbereit. Eine wunderbare Stute, die mir über die Zeit, in der ich Serenata nicht reiten darf, eine Reitmöglichkeit geben sollte. Es stellen sich manche Probleme: Aufhalftern ist nur mit Geduld und Technik möglich. Der Kopf ist D’Enoras Schwachpunkt. Sicher wurde sie gequält, wurden ihre Ohren gedreht, was sehr schmerzhaft ist. Ich muss ihr Vertrauen gewinnen und sie überzeugen, dass ich sie gut behandle. Nun. Die ersten Schritte sind gemacht. Ich kann sie, mit viel Geduld, aufhalftern. An die Anbinde kann ich mit ihr aber noch nicht gehen. Panische Angst erfasst sie, auch wenn andere Pferde neben ihr stehen. Mit der Zeit wird sie mich kennen und mit mir die Mutprobe bestehen. Ich konnte unter Anleitung von Daniela eine Lektion frei arbeiten. Ich spüre, dass wir uns finden. In Begleitung von Ailen, die D’Enora am Führstrick führt, von Larina, Susanne und Eva machen wir einen ersten Schrittausritt. Mein neues Pferd ist gelassen ruhig. Mit der Zeit auch ohne Führstrick, und zuvorderst.
Heute kam der zweite Ausritt in Begleitung von Muriel, welche noch Ecume führte, und Susanne. Nicht gleich entspannt, von Ecume etwas irritiert zu Beginn, doch mit der Zeit, beim Hintereinanderreiten, wieder die völlige Entspannung. Ich freue mich sehr, mit diesem tollen Pferd vieles zu erlernen, mich an die Anfänge mit Serenata zu erinnern und die täglichen Fortschritte festzustellen.
Ja, vor 5 Tagen hat Serenata den 9. Monat erreicht. Wohlgenährt, mit stattlichem Babybauch, rundum zufrieden… Fränzi, unsere Tierärztin hat mir geraten, von nun an nur noch 2 Mal pro Woche zu reiten. Daniela hatte mich ja schon vor einiger Zeit vorbereitet: gut auf das Pferd achten. Auf dem Platz nicht mehr die engen Volten und schwierigen Übungen verlangen. Aufhören, wenn es das Pferd will. Es hat sich gelohnt, auf diese Ratschläge zu achten. Serenata dankte es mit freudigem Mitmachen was für mich auch sehr schön war! Es spielt doch keine Rolle, wenn eine Übung etwas kürzer dauert, wenn dafür alle glücklich sind, oder etwa nicht?
Draussen war Serenata wie immer lebendig, dynamisch. Zusammen mit Farah immer „in Konkurrenz“ , das heisst, ich muss sie ziemlich zügeln. Allein mit mir, die Ruhe selbst. Leider hat uns in den letzten Wochen das Wetter nicht gerade verwöhnt. Sturmwinde haben im Wald die Bäume gelockert; etliche Stämme liegen noch immer quer über den Wegen. zum Teil ist an ein Durchkommen mit Pferd nicht zu denken. Nun, da Serenata ihre Zeit in Ruhe zu geniessen scheint, ist das für mich ok.
Serenata schläft neuerdings in einer Box. Genau hier wird sie ihr Fohlen zur Welt bringen. Gut, dass sie sich bereits gewöhnen kann.
Ich stelle an mir selbst fest, dass ich die Momente im Stall, die Reitstunden und die Ausritte noch mehr geniesse als bisher. Serenata hat das gespürt und gibt mir noch mehr Zuwendung. Pures Glück!

Letzten Freitag war der Anti-Schreck-Parcours in Matzenried noch aufgebaut, und Daniela bot an, statt eine „normale“ Reitstunde abzuhalten, diesen Parcours zu durchlaufen, gehend mit dem Pferd und/oder nachher im Reiten.
Wir waren sofort begeistert von der Idee, ist es doch eine Weile her, dass wir zum letzten Mal so einen Parcours absolviert haben. Das Wetter war von Bise dominiert und daher ziemlich wild, die Bänder und die Schwimmhilfen flatterten und auch die „Tunnelstangen“ wehten hin und her.
Ich freute mich wieder so fest zu sehen, wie obercool Farah die Hindernisse mit mir durchläuft. Die Schwimmhilfen standen ca 1 Meter auseinander, und als wir sie problemlos passierten, fand Daniela, ich könne sie ja noch viel näher zueinander stellen, sodass sie sich überkreuzen. Auch das beeindruckte Farah keineswegs. Etwas Mühe bekundete sie nur mit den Paletten, sie sah nicht ganz ein, warum sie nicht einfach daran vorbei gehen statt darüber steigen solle. Es war auch etwas schwierig, sie in der Mitte anzuhalten.
Danach das Ganze geritten. Wir marschierten durch die Tunnelbögen, wir schritten über die Petflaschen hinweg, die knirschten und ächzten, kein Wimperzucken, wir durchschritten die Schwimmhilfen und die Flatterbänder, alles ohne Probleme. Wir hielten auch mitten in den Flatterbändern an, und diese schlangen sich um Farahs Bauch und Beine – alles liess sie völlig unbeeindruckt. Auch die Wippe meisterten wir völlig gelassen.
Dann sollte ich den Besenstiel mit Flatterbändern greifen und damit über Farahs Hals und Beine streichen. Dann damit reiten und über die Schulter und den Kopf hochheben und wieder senken. Auch keine Probleme! Was für ein Pferd – wow.
Schliesslich lag in der Trickkiste noch eine Büchse mit schepperndem Inhalt. Georg hielt sie vor Farahs Nase und schepperte tüchtig damit. Sie fragte mich, ob das ok sei und dann war es ok. Dann nahm ich den Strick, an dem die Büchse hing und wir gingen über den Platz, die Büchse hinter uns herziehend und wir meisterten damit auch gerade noch einige von den Hindernissen. Dann geriet Farah das Seil irgendwie an oder zwischen die Beine und sie zeigte ihr Unbehagen. Ich verlor mal kurz die Kontrolle, sagte, „ich bin gleich unten“, was aber nicht geschah, ich konnte mich wieder hochangeln und Daniela rief, „lass doch einfach das Seil mit der Büchse fallen“, was ich zwar verstand, aber mit der Hand voll Gegenstände nicht wusste, wo loslassen. Farah machte ein paar Sprünge und wollte losrennen, dann liess ich einfach alles los, Seil mit Büchse, Zügel, Peitsche – Büchse am Boden, Zügel noch am Hals – und Farah stand still. Puh.
Ich bin schon richtig stolz auf dieses Pferd! Daniela hat ein Video zusammengeschnitten. Es ist zu sehen auf http://www.mein-pferd-mein-spiegel.ch/Galerie_Gelassenheit_20230303.htm


Heute Sonntag war ich mit Serenata ausreiten. Susanne und Sämi, unser Bergamasker, waren zu Fuss/per Pfoten dabei. Das Erlebnis, das ich diese Woche mit Farah und Serenata im Wald gehabt habe, hatte Fragen aufgeworfen. Ist Serenata zu wenig gefordert? Bei Eis und gefrorenem Platz bzw Waldwegen habe ich sie länger nicht mehr geritten. Zu gefährlich für das Fohlen im Bauch. Wir waren erstmals wieder zu Pferd unterwegs. Es war kalt, der Wind pfiff. Bei solchen Verhältnissen sind die Pferde meist „läbig“! Und das war Serenata – und nicht zu knapp. Nach dem Einreiten brauchte ich meine ganze Energie, um meine Spanierin im Zaum halten zu können. Wir gingen nur Schritt. Das war klar zu wenig! Nun, heute erlebte ich ein anderes Pferd. Ruhig, aufmerksam, leicht zu führen. Ich konnte dank gutem Boden traben, der Trab kontrolliert, auch wenn das Antraben 1, 2 Mal etwas hektisch aussah. Sofort liess sich Serenata zum gewohnten, ruhigen Trab bringen. Auf den Galopp habe ich heute verzichtet – das Ziel wurde erreicht. Ein herrliches Gefühl, sich wieder gefunden zu haben.
Nun sind es 7 Monate seit dem Decken mit Rifai. Serenata hat ein stattliches Bäuchlein, das sieht man nicht nur, man spürt es auch beim Anziehen der Decke. Mit Ach und Krach kann ich die Decke noch schliessen. Bald brauchen wir eine XXXL Decke, wenn das so weitergeht… Serenata lässt sich bis jetzt nichts anmerken. Sie freut sich, mich zu sehen, macht gut mit und fühlt sich auch in der Herde wohl. Nachts darf sie ab und zu in der einen Einzelbox schlafen. Das wird in 4 Monaten ihre Wurfbox sein. Daniela will sie schon gewöhnen, das nimmt Stress von ihr, wenn die Geburt naht. Ich bin wieder einmal dankbar für die gute Sorge und Planung hier im Arij el Fouad!

heute sind es genau 4 Jahre her, dass Serenata in Matzenried gelandet ist. Ich erinnere mich noch gut an die Wartezeit zwischen Dezember und Mitte Januar: nachdem ich in 14 Tagen auf der Rancho zu Serenata ein spezielles Verhältnis aufgebaut hatte, freute ich mich unbändig auf sie. Die Enttäuschung, ein brandmageres, krankes Pferd aus dem Transporter ausgeladen zu sehen, war riesig. Den 17.Januar 2019 werde ich nie vergessen. Aber auch den 17. Januar 2023 nicht! Wie hat sich doch die Mühe gelohnt, all die Sorge die gute Betreuung und unzählige Tipps von Daniela und ihren Teams. Serenata ist stolz, kräftig, fröhlich, willig und – sie trägt ein Fohlen im 6. Monat. Ich freue mich auf viele neue Erlebnisse mit meiner Lieblingsstute. Happy landing, my pony❤
Inzwischen sind Georg und ich sozusagen am Ende unserer Träume angelangt. Wir sind nun bereits einige Male ausgeritten mit Serenata und Farah und Sämi ist hinterher getrottet. Darin liegt allerdings auch ein kleines Problem: Sämi ist ein Herdenhund, er folgt seiner Herde immer nach. Dabei gelangt er oft in den toten Winkel, und wenn ich hinter Serenata reite und Sämi hinter Farah läuft, kann sie ihn nicht sehen. Sie hat angefangen, sich so zu beugen, dass sie Sämi im Auge behalten kann. Er ist für sie dann wieder das Raubtier, das sich von hinten anschleicht. Und dies, obwohl sie ihn mittlerweile ja bestens kennt. Dieses Beugen wiederum stört mich beim Reiten. Daran müssen wir noch arbeiten.
Ich habe mir das immer so einfach vorgestellt, wenn ich ReiterInnen mit ihren Hunden beim Ausreiten gesehen habe. Manche Hunde laufen natürlich vorweg, dann ist es tatsächlich einfacher. Ich sehe immer mehr, wie viel es braucht, damit man ein eingespieltes Gespann ist und vor allem viel Spass haben kann!
Sonst aber ist Farah jetzt immer mehr sehr gut reitbar. Sie drängt nicht, sie bockt nicht, sie ist nicht guckig und ich fühle sie immer besser. Wir wachsen zusammen und kennen uns nun schon ziemlich gut. Wenn ich sie hole und im Auslauf rufe, schaut sie herum. Sie kommt, zwar eher zögerlich, aber sie kommt 🙂 Ich habe angefangen, ihr zur Begrüssung nach dem Aufhalftern ein Goodeli zu geben und zum Abschied, nach dem Abnehmen des Halfters, wieder eines. Sie weiss das jetzt und wartet brav.
Schön ist auch ein Spaziergang im Wald. Im Dezember war es eine Zeitlang richtig kalt und wunderschön verschneit. Ich habe es sehr genossen, neben Farah durch den Schnee zu streifen und eine andere Pferdebesitzerin hat mich mit ihrer Stute begleitet. Danke für das schöne Foto, Eva!

Langsam sollte ich Serenata ab und zu ein Austoben, sprich einen Galopp im Wald, gönnen. So hat es Daniela ausgedrückt. Nun, bevor ich mich mit meiner feurigen, vielleicht etwas unterforderten Stute auf den Galoppparcours mache, will ich sie sauber anspringen lernen und auch auf dem Platz kontrolliert galoppieren lassen. Da sind wir beide gefordert. Meine Galopperfahrungen sind dürftig bzw. unfreuwillig! Serenata hat nur gelernt hinter den andern Pferden nachzugaloppieren. Sie sollte nicht zu wild anspringen und mich nach Möglichkeit nicht abladen. Nun, die ersten Übungen sind hinter uns; nicht immer hat es geklappt. Aber was mich besonders freut, ist die Tatsache, dass meine Schöne ruhig geblieben ist und der Galopp, wenns denn mit dem Anspringen funktionierte, federleicht war. Susanne hat nicht umsonst von Serenatas schönen Gängen geschwärmt. Das neue Erlebnis könnte sich zu meinem ständigen Wunsch entwickeln. Ich bin Daniela dankbar, dass sie mir mit Geduld das richtige Sitzen beigebracht hat; das ist jetzt eine grosse Hilfe. Ich freue mich jedenfalls sehr, die nächsten Schritte zu üben auf dem Weg zum Kentaur 🙂
Unsere Pferdchen haben nun knapp 2 Wochen das Leben auf der Herbstweide geniessen dürfen. Serenata wirkt zufrieden und ist kugelrund. Das stets verfügbare Heu ist für sie fast noch wichtiger als das Gras…Ab und zu gehts im Galopp über die Weide. Ja mein Mäuschen übe nur tüchtig bis wir zusammen durch den Wald preschen.

Wovon ich noch gar nicht berichtet habe – und für mich ein wichtiges Ereignis der letzten Wochen, ist, dass wir eine Reitbeteiligung gefunden haben, die sowohl für Farah als auch für mich passt. Das tönt einfach, ist es aber bei Weitem nicht, denn viele Faktoren müssen stimmen, damit aus drei Beteiligten ein gutes Team wird, das sich ergänzt und unterstützt und dazu erst noch richtig Freude macht 🙂 Ich bin froh und dankbar, dass ich mit Martine eine liebens- und vertrauenswürdige, sorgfältige und neugierige Partnerin gefunden habe. Und Farah mag sie auch!
Vergangene Woche gönnten wir Farah wieder einmal die Behandlung der Osteopathin. Es war nötig geworden, da sie an einigen Orten etwas steif zu sein schien und vor allem, weil sie – im Rahmen ihrer nun schon einige Zeit dauernden Auseinandersetzungen mit den Pferden in ihrer Herde – mit dem Hals ziemlich heftig an den Stangen der Heuraufe anschlug. Farah scheint sich zwar in der Herde wohlzufühlen, aber nur so lange ihr keiner zu nahe kommt, sonst muss sie gifteln und sich abgrenzen.
Die letzten Tage hat sie mit der Pensionärsherde und der Stutenherde auf der grossen Herbstweide verbracht. Es war eine Augenweide, den Pferden beim Rasen über die grosse Weide zuzuschauen und auch interessant zu beobachten, wie sich die Herde gruppiert, wer da wessen Nähe sucht oder eben nicht. Farah entfernt sich manchmal von der Herde, sucht insoweit Distanz, als sie noch unter Kontrolle hat, was die anderen machen, die sich näher aneinander halten. Im Zentrum des Geschehens scheint es ihr weniger wohl zu sein.
Auch die Sattlerin war letzte Woche da und hat mir den Sattel nun wieder so schön aufgepolstert, dass ich wahrlich wunderbar bequem sitzen kann. Ich bin froh, dass ich sie und die Sattelmanufaktur, die sie vertritt, gefunden habe!