Integration

Seit der Ankunft von Farah und Serenata im neuen Stall sind gut drei Wochen vergangen. Sie waren vorher nicht in der gleichen Herde, deshalb waren wir gespannt, wie sie sich verhalten, wenn sie zusammen in einen noch abgetrennten Bereich des neuen Stalls kommen. Zwar hatten wir darauf hingearbeitet, sie miteinander an die Anbinde zu nehmen und mit ihnen zusammen auszureiten, doch war nicht ganz sicher, ob sie sich gut vertragen werden.

Wir stellten sie nach Ankunft zuerst in die Halle, wo wir sie nach einigen Minuten los- und alleinliessen. Sie schnupperten beide aufgeregt und versuchten, in den Bereich mit den anderen Pferden zu schauen, die ihnen zuwieherten. Ob sie ihre Kamerädli von vorher noch kannten? Sie benahmen sich jedenfalls, als wären sie immer schon zusammen in der Herde gewesen, was uns sehr beruhigte.

Auch nach wenigen Tagen waren keine Verletzungen – Biss- oder Schlagwunden – zu sehen! Sie genossen ihre wunderbare Weide zu zweit, hatten richtig viel Platz und konnten sich schliesslich mit Rindern vergesellschaften lassen, ohne mit der Wimper zu zucken 🙂

An einem Feierabend vor einer Woche versuchten wir dann, unsere zwei mit weiteren Pensionspferden auf der grossen Weide zusammenzubringen. Das lief nicht so gut und führte zu grosser Aufregung. Die drei Friesenpferde, mit denen der neue Stallbesitzer Frank unsere zwei zusammenhalten wollte, waren an der ganzen Aufregung völlig unbeteiligt. Das gab uns ein gutes Gefühl, zuerst mit der Integration mit diesen drei anzufangen.

Wir brachten die Friesinnen und Farah und Serenata auf eine extra Weide. Es geschah nichts.

Vorgestern hat Frank die Abtrennung zwischen unseren Pferden und seinen Friesinnen weggenommen. Nun haben sie einen wunderbar grossen Raum zum Teilen. Farah und Serenata stehen noch etwas enger zusammen, die Friesen auch. Mindestens lassen sie sich gegenseitig in Ruhe und wir haben keine Wunden gesehen. Ob sie nun auch Freundinnen werden?

Die Integration in die grosse Herde – die sie dann in den Genuss der riesigen Weide bringen wird – lassen wir noch einen Moment ruhen. Sie können jetzt schon mal über den Zaun flirten mit den drei Wallachen und der Stute, die mindestens für Farah noch gut bekannt sein dürften.

Es geht ihnen gut.

neue Welten

es ist lange her, seit ich meinen letzten Eintrag verfasst habe. Und es ist viel passiert! Ich musste eine lange Reitpause durchstehen, denn nach der Schulteroperation, die nach Serenatas ungestümen Fressaktionen unausweichlich wurde, begann eine Zwangspause und nach 6 Wochen die Physiotherapie, die noch andauert. Leider hat sich nach der Ops meine Schulter nachts noch ausgekugelt, was im Notfall Salem zwar der Operateur korrigieren konnte; da das Einrenken zu leicht gelang, könne das aber wieder geschehen. Ich fahre also zur Zeit mit angezogenercHandbremse, sozusagen.Glücklich macht mich, dass ich seit einiger Zeit wieder reiten kann! In der reitlosen Zeit hatte ich dass Glück. dass Larina, eine ehemalige Prakti im Stall, zweimal die Woche Serenata ritt.

Ich habe neue Welten angekündigt und die Bilder zeigen sie auch. Was ist passiert? Seit längerem sind wir unglücklich über die Situation im Stall gewesen: das Klima oft angespannt, Überforderung spürbar, ein Gefühl, wir sollten besser mithelfen, als unser Hobby zu geniessen…es liess uns nicht kalt, mitzuerleben, wie Daniela, Ailen, Luca, Lisa, Lea krampften um die Arbeit zu bewältigen. Und wenn dann noch die Nachtwachen bei erwarteten Fohlengeburten die Ressourcen aufsaugten, wurde es kritisch. Ich konnte in der letzten Zeit nicht nehr helfen, was mich belastete. Immer öfter fragten wir uns, was uns im Stall hielt. Und es gab unbestrittene Pluspunkte, wie die schöne Lage, den sanierten Platz beim Stutenauslauf, die sympathischen Pensis, Ailen, die ausnahmslos feinen Praktis, Danielas kompetente Reit-und Longenstunden, die gute Betreuung unserer zufriedenen Serenata und Farah. Viel Gutes und dennoch wog die Spannung, was uns heute wohl erwarten würde, dieses fast auf. Ein Wassertropfen liess schliesslich das Fass überlaufen und gab den Ausschlag für den Entscheid, Stall-Alternativen zu suchen. Ein Zusammenstoss mit Daniela, welcher leider ein entspanntes Miteinander in Zukunft für uns undenkbar machte. So schauten wir uns um. Fanden einen nahe gelegenen Hof, welcher unsere beiden Grossen aufzunehmen bereit war. Allerdings mut ganz anderen Vorzeichen als bisher: die Betreuung der Pferde ist nicht möglich wie im Arij. Es wird weniger gemistet, d.h. wenn mehr gewünscht wird, muss selber Hand angelegt werden. Danielas Reitstunden entfallen. Serenata mit ihren vielen Baustellen ist jetzt auf mich/uns angewiesen . (Natürlich ist im Bedarfsfall auch Fränzi, Tierärztin,da).

Nach unserem Eintreffen führten wir die Pferde auf den kleinen Übungsplatz, wo alles angeschaut und beschnuppert wurde. Noch unsicher, aber mit wachsendem Vertrauen. Die Beiden stehen von 3 Friesen abgetrennt, zusammen. Sie haben sich sofort gefunden. Wohl auch dank unserer gemeinsamen Ausritte. Sie haben eine grosse, eigene Weide. Einen Schreckmoment musste v.a. Serenata verdauen: als die Rinder auf die Weide gelassen wurden und dies mit wilden Sprüngen feierten. Aber bald beruhigte sie sich und fand Gefallen am saftigen Gras. Mittlerweile sind wir ausgeritten, allein und zu zweit auf dem Platz geritten und alles renkt sich ein. Natürlich haben unsere Pferde noch nicht die gleiche Sicherheit. Doch die Fortschritte sind gross! Wir haben, nach dem Wunsch von Dani, sofort zu gehen, unsere Ferienbuchungen abgesagt. Jetzt stehen die Pferde im Mittelpunkt und wir müssen für sie da seib!

Khan, das Fohlen, hat die Möglichkeit, auf eine Fohlenweide zu Gleichaltrigen, zu zügeln. Diesen Hof besichtigen wir und sind von Erbs und von Stall und Weiden begeistert.

Wir warten mit unserer Kündigung bis nach Danielas und Urs‘ Ferien. Sie sollen sich von ihrem Stress erholen. Wir sind uns bewusst, dass unser Abschied von Arij nicht nur für uns schwierig sein wird! Dass es aber so schwierig werden würde, konnten wir nicht glauben. Statt, wie von uns vorgesehen, per Ende Oktober zu zügeln, wünschte Daniela unseren Wegzug auf Ende Woche! Was hätte da das Beharren auf einem Vertrag gebracht, bei dieser Enttäuschung…Also setzten wir alle Hebel in Bewegung und erhielten von allen Seiten Unterstützung. Am Donnerstag ritten wir mit unseren Pferden quer durch den Forst in den neuen Stall. Khan wurde am Freitag Abend von Nora mit ihrem Transporter abgeholt. 39 Minuten hat er sich geweigert, einzusteigen. Dann wars geschafft. Dank Vera, die im Transporter bei Khan blieb und mit Ruhe und Erfahrung die kritischen Momente meistern konnte, verlief der Transfer gut. Schweissgebadet durfte Khan in einer feudalen Einzelbox übernachten.unruhig tigerte er herum. Doch schon am nächsten Tag, auf der grossen Weide, suchte er nicht die Nähe der Jährlingsgruppe sondern stand bei den 3 jährigen! Dort wurde er gehörig zurechtgewiesen und herumgescheucht, was ihn wenig beeindruckte. Zwei Tage später war auf der Weide Ruhe eingekehrt und Khan durfte überall unbehelligt stehen. Ein Stein fiel uns vom Herzen, dass es so gut und rasch möglich wurde.

So und jetzt leben wir uns am neuen Ort ein. Zum Glück kennen wir schon Bigi, Selina und Muriel vom Arij. Die andern Pensis Debora, Tamara und Cinzia haben wie auch schon kennengelernt. Eine sympathische Combo! Wir freuen uns auf jeden neuen Tag!

wer ist stärker

das saftige Gras in Feld und Wald hat meiner Serenata zu ungewohnter Lebendigkeit, leider auch zu ungewohntem Aufbegehren gegen meine Wünsche, geführt. Kurz, beim Führen über eine saftige Weide hat Serenata ein Dutzendmal den Kopf mit viel Energie graswärts geworfen. Meone bescheidene Kraft reicht in so einem Fall nicht mehr. Mal um Mal zerrte sie mich nach unten, wollte ins Gras. Erst nach dem Reiten im Wald, was uns Beiden viel Freude machte, merkte ich, dass der rechte Arm nicht mehr richtig funktionierte. Das Schlafen in der Nacht wurde zur Qual. In keiner Position fand ich Ruhe vor den Schmerzen. Die Hausärztin empfahl mir, etwas zuzuwarten, aber bei anhaltenden Schmerzen, einen Spezialisten mit MRI zu konsultieren. Es wurde leicht besser und so wagte ich den Ausritt mit Susanne. Leider wächst das Gras zur Zeit überall saftig und verlockend; und so wiederholte sich das Fress-Spiel etwa 20mal beim Reiten. Absatteln war mir unmöglich. Die Schulter schmerzte noch viel mehr. Also MRI und Spezialist. Fazit: meine Lieblingsstute hat zwar zerrissen, was da war. Der Schaden sei aber schon deutlich früher entstanden. Jetzt sei alles kaputt, was kaputt sein kann. Also wurde die Schulter operiert und meine Pferdeaktivitäten sind bis im Herbst auf Träume beschränkt. Es wird Geduld kosten und viel Willen, nicht zu früh das geliebte Hobby auszuüben.

Baustellen…

es ist leider nichts Neues in unserer Geschichte, dass mir Serenata Sorgen macht. Zur Zeit hat sie gleich mit mehreren Problemen zu kämpfen: mit den Melanomen an Schwanz und After, die sich öffneten und nun von mir täglich behandelt werden müssen. Mit einem geheimnisvollen Verlust der Behaarung am Kopf, möglicherweise eine Art Futterallergie. Auch hier muss 2x täglich behandelt werden. Und schliesslich- möglicherweise im Zusammenhang mit dem Verlust der Behaarung- eine starke Fühligkeit um das Maul. Die äusserte sich beim Reiten, bei der Reaktion auf die Zügel. Daniela riet mir, mit Halsring zu reiten, was ihr offensichtlich behagte. Das Ausreiten dagegen macht uns beiden weiterhin Freude. Auch mit Hanina und Farah zusammen fügte sich mein Wildling und machte die ganze Runde im Schritt mit, ohne aufzubegehren.

Dadurch, dass ich nun täglich bei ihr bin, sei es auch nur um sie zu pflegen, ist unsere Beziehung noch enger geworden. Es ist sehr schön, zu spüren, dass Serenata begreift, dass ich für sie sorge, auch wenn die Pflege wohl nicht immer angenehm ist…

Fränzi, die Tierärztin, war gestern da und hat versucht, einen Blick in Serenatas Maul zu werfen. No way! Serenata lässt es nicht zu. Mir schwant Schlimmes. Ihre unheilbare Krankheit könnte ihr Schmerzen bereiten. Auch müsste sie fie Zahnpflege zulassen. Ohne starke Sedation keine Chance.

ich sorge mich, denn wohl isst Serenata mit Feuereifer alles, was sie bekommt (oder leider ab und zu auch was sie sich beim Ausritt oder Führen selbst zuspricht🤨🤨). Das könnte aber ändern, wenn die Schmerzen im Maul zunehmen. Und was das bedeutet, mag ich gar nicht denken. Dunkle Verlustängste, etwas was ich nie hatte, beschleichen mich neuerdings.

Umso wichtiger ist die tägliche Freude, das zusammen Geniessen, das Auskosten des Glücksgefühls, mit so einem tollen Lebewesen unterwegs sein zu dürfen!

Khan, ihrem Fohlen, geht es prächtig. Er gedeiht, wächst schnell und ist ein liebenswerter kleiner Kerl. Er steht jetzt allein mit Cupidon, seinem wunderbaren „Ziehvater“ im untern Stall. Imran wurde gelegt und steht für ein paar Tage allein in der Box. Idir, ebenfalls gelegt, hat den Stall verlassen. Cupi und Khan sind gut miteinander; komme ich zu Besuch, so kommt Khan sofort zu mir, Cupidon aber ebenfalls. Von beiden beschnuppert, beide kraulend, was will ich mehr. So ein gutes Gefühl.

Schöne Erfahrung

Vor wenigen Tagen entschieden Georg und ich, wieder – nach langer langer Zeit – zusammen in den Wald reiten zu gehen. Beim ersten Mal wählte ich einen „Schleichweg“ auf weichem Waldboden, schmal und wenig begangen. Serenata war sehr nervös, zappelte und wollte eindeutig schneller vorwärts. Das steckte auch Farah etwas an, auch sie ging einiges schneller als mit anderer Begleitung.

Beim zweiten Mal wählten wir die breiteren Wege und hatten Sämi dabei. Auf diesen Wegen sind natürlich mehr Menschen unterwegs, und prompt begegnete uns der Vierspänner aus Niederbottigen. Wir hatten etwas Mühe zu kreuzen, die Pferde kamen sich sehr nahe, und Serenata kam etwas quer daher, Sämi wählte einen Umweg, nur Farah machte keine Geschichten. Später passierten wir einen Raddeckel eines Autorades. Er glänzte spektakulär und sehr gefährlich in der Sonne, worauf tatsächlich auch Farah etwas näher schauen und damit stillstehen musste. Serenata wollte eigentlich nicht vorbei, im Schlepptau von Farah ging es dann doch. Und an der selben Stelle wurden wir von zwei Reiterinnen überholt, denen sich Serenata gleich anhängen wollte.

Eigentlich hatte ich dann nicht im Sinn, die längere Strecke den Hügel hoch zu reiten, sondern um die Wangenmatte herum, d.h. geradeaus. Serenata war jedoch nicht mehr zu halten, und so galoppierten Georg und sie auf und davon. Sämi schaute hinterher und dann mich an und fragte, was wir machen. Ich zögerte einen Moment. Ginge ich hinterher, gäbe es wohl ein Rennen, dachte ich, denn die beiden waren unseren Augen bereits entschwunden. Ich blieb stehen, gab dann den Befehl, geradeaus weiterzureiten. Farah fragte mehrmals, ob mir das Ernst sei, machte ein paar Schritte, blieb stehen, machte auf Befehl wieder ein paar Schritte. Schliesslich ging sie mit mir weiter, aber sehr nervös und guckte den Hügel hinauf. Sämi folgte uns.

Wir kamen bis Mitte Wangenmatte, und Farah war mir einfach zu zappelig geworden. Schliesslich entschied ich mich, abzusteigen und zu Fuss umzukehren. Wir passierten wieder die Stelle, an der uns Georg und Serenata verlassen hatten. Farah schaute nicht mehr und langsam senkte sie den Kopf und ging entspannt neben mir her. Jetzt musste ich nur noch eine Stelle finden zum Aufsteigen. Den Rest bis zum Stall meisterten wir problemlos.

Erst als ich der Stallbesitzerin erzählte, was geschehen war, und als sie mir sagte, das sei wirklich schön, dass Farah bei mir geblieben sei und nicht den anderen hinterher gerast, erst da wurde mir bewusst, was wir erreicht haben. Farah fühlte sich bei mir genügend gut aufgehoben, um nicht dem Herdentrieb zu gehorchen. So ein gutes Team sind wir nun.

Allein im Wald

Hier nun wieder einmal ein Beitrag über meine Fortschritte mit Farah. Vor lauter Khan ist sie ein wenig untergegangen, und ich habe natürlich nicht nichts mehr mit ihr erlebt. Im Gegenteil 🙂

Die Ausritte mit Stallkamerädli sind zu einer vergnüglichen und wunderbaren Selbstverständlichkeit geworden. Farah und ich bewegen uns im Wald als erfahrenes Team und kennen uns mittlerweile gut. Wir haben, insbesondere mit Hanina und ihrer Besitzerin Eva, immer ausgedehntere Touren unternommen und den Wald auf vielerlei Wegen kennengelernt.

Was mir bis heute gefehlt hat, und wovon ich ja schon immer geträumt habe, ist ein Ausritt ganz allein. Ich habe es immer wieder vor mich her geschoben, der Schritt schien mir etwas gross zu sein – ich weiss eigentlich auch nicht so genau, warum das bisher so gewesen ist.

Heute jedenfalls reservierte ich zuerst den Platz auf dem Hof. Das Wetter war eigentlich nicht so schlecht. Kein Schnee, kein Eis, kein Regen, nicht zu kalt, ein „gäbiger“ Tag. Der Platz war nur zur Hälfte buch- und nutzbar. Was wollte ich da wieder meine Volten drehen und Trabübungen machen? Was hielt mich ab, ganz allein einen Ausflug in den Wald zu machen? NICHTS.

Ich tat es. Es war wundervoll. Ruhig. Gelassen. Eine aufmerksame Farah. Zeitweise sang ich. Die meiste Zeit schwieg ich. Eine ganze Stunde lang, mit Trab. Kein Moment der Aufregung. Alles gut.

Zu Wiederholen 🙂 🙂