Waldspaziergang II

Mit dem geliehenen Sattel und Sattelgurt haben wir uns nun auf einen Waldspaziergang mit Aufsitzen aufgemacht. Eine liebenswürdige und sehr erfahrene Pferdebesitzerin hat uns mit ihrem Pferd dabei begleitet, so dass Serenata nicht ganz so aufgeregt war wie beim letzten Mal, als es mir nicht gelang, sie so weit ruhig zu stellen, dass ich aufsitzen konnte. Das lag auch daran, dass wir keine erhöhte Stelle gefunden hatten, die nicht wunderbar von Gras umgeben war und sofort Serenatas Fresstrieb weckte – und ich leider nicht vom Boden aufzusteigen in der Lage bin 🙂 (In Spanien hiess es: Wer nicht vom Boden aufsteigen kann, soll nicht reiten, ausser man hat die 60 hinter sich! So bin ich denn entschuldigt?!).

Diesmal bekam sie noch ein Extrafuder Heu vorab, sie liess sich wie immer ruhig und gelassen satteln und sie lief eigentlich ganz ruhig bis hinauf zum Wald. Auf dem Strässchen kann es sein, dass Kühe von der Weide an den Zaun rennen, was Serenata noch ängstigt, und deshalb fand ich es angemessen, erst beim Parkplatz im Wald aufzusitzen. Diesmal gelang alles gut. Serenatas Ohren wanderten zu mir und sie scannten den Wald in alle Richtungen, sie lief zügig, aber recht cool. Ich bin schon ziemlich stolz auf sie! Kein Hin- und Herzappeln, kein Quergehen, nur wenige Male ein kurzer Schnappversuch nach saftigem Gras. Sogar einen abgebrochenen riesigen Farnast, der quer über dem Weg lag, passierte sie nach kurzem Beschnuppern ohne zu zögern. Dafür bekam sie grosses Lob und anschliessend eine Weile Graspause. Für mich oben ein etwas seltsames Gefühl, ein grasendes Pferd unter mir, keine Zügel in der Hand…

Georg machte es auch sehr gut, er hat Serenata mittlerweile wirklich sehr gut im Griff, wehrte ihre Fressversuche mit der Peitsche entschieden ab und hielt sie in gutem Tempo. Ich half reitenderweise so gut ich kann nach, weiss aber nicht genau, was meinem Sitz und meinen Beinen zu verdanken ist und was Georgs ruhiger Hand. Langsam rückt die Möglichkeit einer Schrittrunde mit Begleitung näher. Brauchen wir nur noch das Zaumzeug zu testen, das Georg mitgebracht hat aus Spanien.

Waldspaziergang

Gestern sind wir am Morgen beizeiten zu Serenata, um mit ihr zu üben. Bei dieser Hitze ist es zwischen 11 und 17 Uhr nicht möglich, mit ihr etwas zu machen, wir suchen ja selber nur noch den Schatten und die Kühle. Die Pferde sind tagsüber im Stall, wo es recht angenehm ist für sie und dürfen während der Nacht auf die Weide.

Wir haben, der Insekten wegen, Serenata über und über mit Spray behandelt und die Fliegenmaske mitgenommen, vorsorglich. Dann ist Georg mit ihr zügig losgegangen, ich mit Sämi hinterher. An der Ecke zur Strasse gegen den Wald schoss eine Kuh auf der Weide gegen den Zaun, leichter Aufruhr, viel Schnauben, mehrere Ausfallschritte, aber doch recht schnelle Beruhigung.

Im Wald wählten wir einen neuen Weg, wo es weniger Bremsen haben soll. Schön kühl, wunderbares Licht, einfach wunderbar. Was sind wir privilegiert, an einem gewöhnlichen Wochentag spazieren wir einfach durch den Wald mit einem Pferd 🙂 Ich schnuppere schon mal am Rentnerinnenleben!

Ich übernehme die Führung und zuerst läuft alles ganz gut. Etwas Schwierigkeiten habe ich damit, dass Serenata immer gegen mich lehnt und ich muss noch üben, mir sie etwas vom Leib zu halten. Wir gönnen ihr bei einer kleinen Lichtung eine Pause und sie darf Gras nehmen. Gut trifft sich, dass in dem Moment eine Frau mit Hund uns kreuzt und Serenatas Aufmerksamkeit durch das üppige Gras abgelenkt wird.

Danach geht es über einen Weg am Waldrand, dicht bewachsen mit wunderbarem Gras. Serenata ist lanciert, wie eine Wilde reisst sie an mir herum, nur noch Gras überall, wohin das Auge blickt, das ist zu viel für sie. Ihr wildes Fressverlangen drückt voll durch. Bevor sie mich umwirft, übergebe ich Georg. Allerdings FRUSTRIERT. Ich kann ja nicht jedes Mal seine Hilfe beanspruchen, wenn das Pferd nicht mehr zu bändigen ist!

Wir beschliessen deshalb, auf dem gleichen Stück Weg zurück zu kehren, und ich will Serenata übernehmen. Mit der Peitsche halte ich sie davon ab, nicht nur zu fressen, sondern überhaupt schon nur daran zu denken, und wir meistern den Weg. Ich bin jetzt einfach streng!! Es ist kurz nach 8, und ich bin schweissgebadet vor Anstrengung. Aber es ist gelungen. Nach einer kurzen Erholung, in der Georg sie wieder übernimmt, beenden wir den Spaziergang gemeinsam, Serenata und ich. Die Kuh von rechts hätte mir gerade noch gefehlt, aber sie bleibt, wo sie ist. Ich bin ihr dankbar 🙂

Aufhören, wenn gut ist – für beide. Und ich dachte, so ein bisschen Spazieren mit Pferd sei nun wirklich keine Hexerei!

Longieren

Endlich, nach langem Suchen, haben wir einen Kappzaum gefunden, der dreifach gebrochen ist und so auf der Nase liegt, dass er nicht dauernd verrutscht. Ich bin froh, dass wir nun mit unseren eigenen Sachen üben können und nicht ständig Dinge ausleihen müssen, obwohl das von Seiten Stallbesitzerin überhaupt kein Problem wäre.

Nach deren Vorbild haben wir heute morgen 8 Pylonen in einem Kreis aufgestellt und Serenata an der Longe in Schlangenlinien darum herum geführt, mal innen herum, mal aussen herum, immer schön abwechslungsweise. Zuerst ist es schon eine Übungssache, die Longe schön zu führen, nicht daran zu ziehen und das Pferd nicht auf sich auflaufen zu lassen. Die Longe sollte nicht durchhängen, so dass das Pferd oder wir selber darauf stehen könnten und allenfalls zu Fall gebracht werden. Mit Hilfe der Gerte sollte das Pferd angetrieben und von sich fern gehalten werden, also von hinten „Gas geben“, vorn an der Schulter Abstand markieren 🙂

Wenn wir das vorgeführt bekommen, dann ist es geübt und eingespielt und sieht harmonisch und einfach aus, aber selber machen ist schon noch etwas Anderes! Geht man zu weit vor das Pferd, bleibt es stehen, geht man von ihm weg, kommt es hinterher. Sieht man dem Pferd auf die Hinterhand, dreht es ein. Und wenn die Signale nicht klar sind, kann Serenata ihrem Unwillen ganz schön Luft verschaffen.

Wir können uns nicht vergleichen mit jemandem, der das seit vielen Jahren geübt hat. Versuchen wir es also – eins ums andere – und heute ging es richtig gut. Zuerst versuchte ich es mit 4 Pylonen, um einen aussen herum, am anderen innen vorbei. Das ging so gut, dass Georg mir weitere 4 hinstellte. Wir hatten richtig Spass, ich glaube, auch Serenata hat es gefallen! Und sie hat so gut mitgemacht, obwohl den anderen Pferden in Sichtweite die Kraftfutterbeutel um die Köpfe gelegt wurden!

Gut sind wir dann damit, wenn wir es im Trab schaffen.

Funkstille

Nun habe ich eine Weile schon nicht mehr rapportiert, was wir mit Serenata tun und wie es ihr geht. Wir haben die Strahlfäule noch immer nicht im Griff, sind immer noch (nach Möglichkeit) jeden Tag dort, um die Hufe zu putzen und mit Gaze zu verstopfen. Es ist etwas elend, dass sich die Sache nicht bessert. Der Hufpfleger hat uns geraten, die Spalte nicht zu spülen, entgegen den gut gemeinten Ratschlägen von allen Seiten, mit Essig zu spülen, mit allerhand Mittelchen zu behandeln, denn bei genügend festem Stopfen sollte die Hornproduktion angeregt werden, dass die Spalte sich so schliessen wird. Bedingt aber, dass wir eben wirklich jeden Tag reinigen und stopfen. Puh.

Nach einigen Waldspaziergängen haben wir es dann mit Sattel versucht und Serenata ist brav gelaufen. Als eine Wandererin auf einem Baumstrunk ihr Picknick genoss und wir uns ihr von hinten näherten, war sie Grund für grosse Aufregung. Serenata fürchtete sich vor ihr, machte einen kleinen Sprung zur Seite und schnaufte laut und hastig. Es dauerte einen Moment, bis ihr klar war, dass das ein gewöhnlicher Mensch ist und keine Gefahr von ihm ausgeht.

Etwas Schwierigkeiten bereitet uns der Drang zum Fressen unterwegs. Wir haben versucht, ihr das Fressen an einer bestimmten Stelle und einen bestimmten Moment zu erlauben – das Gras ist ja so was von frisch und saftig! Allerdings nützt sie das aus und lässt sich kaum noch davon trennen. Da müssen wir uns in Klarheit und Strenge üben!

Inzwischen ist auch noch die Pferdechiro Serenatas Becken richten gekommen. Evtl. hat sie sich bei einem Sturz (ungebremster Galopp zur Weide 🙂 ) verletzt oder sich sonst irgendwie eine Blockade geholt. Wir haben einen Trainingsrückstand aufzuholen, da wir sie nicht zu fest belasten wollten. Nach grünem Licht der Chiro geben wir jetzt etwas mehr Gas.

Serenata hat das Arbeiten nötig, sie scheint viel Energie zu haben 🙂 das ist ja schön, aber manchmal etwas anstrengend, wenn sie subito zur Futterstelle drängt oder auf die Weide oder eben im Wald zum Gras. Vielleicht hat sie ja wirklich ein Trauma von Futtermangel am früheren Ort.

Gestern haben wir uns bereit gemacht, mit ihr im Wald einen Reitspaziergang zu unternehmen, haben sie gesattelt und mit Insektenspray eingedeckt. Blamablerweise fand ich dann aber keinen geeigneten Platz um aufzusitzen, wo nicht wunderbares Gras lockte. Keinen Moment stand sie still, die Bremsen machten sie tanzen (sie weiss ja nicht, dass das Mittel sie abhalten wird) und sie pöbelte uns dermassen an, dass ich es für gescheiter hielt, das Experiment zu verschieben. Im Fliegen bin ich schlecht, und das Risiko ist mir zu gross. Gescheiter noch einige Male auf Platz üben.

Aufsteigen

Georg hat von seiner Reitlehrerin einen Sattel ausgeliehen bekommen. Sie meinte, Georg könne ihn Serenata einmal aufsetzen und dann aufsitzen, ich könne Serenata ja dann führen und dann könnten wir schauen, wie sich der Sattel anfühlt und was Serenata dazu meint.

Als er mir das zu Hause erzählt hat, was war wohl meine Frage? Geht’s auch umgekehrt??!! Und so haben wir das gemacht. Ich möchte ja nicht, dass Serenata meine Aufregung und Unsicherheit spürt, aber die Verlockung war einfach zu gross 🙂

Der Sattel sitzt, wir können ihn einsetzen. Sie mag es langsam sicher aushalten, eine Person zu tragen. Und sie war ja vollkommen entspannt und gelassen. Sie hat auch besser auf meine Schenkel „gehört“ als auf das Führkommando von Georg. Ach, war das schön. Ich bin ja so erleichtert, dass meine ersten Versuche so gut geklappt haben.

Neue Freundin

Für Serenata stellt sich immer mehr Normalität ein. Sie bewegt sich in der Herde sicher und gut, sie scheint da gut aufgehoben zu sein. Wenn die Gruppe in den Laufstall strömt, sei Serenata hinter der Leitstute immer als zweite in der Fressbox. Sie macht nicht mehr so einen aufgeregten Eindruck, wenn sie Essen sieht/riecht oder wenn die anderen in den Stall laufen und sie mit uns draussen auf dem Viereck bleibt. Ausnahme bildet nur der Futtersack mit einem Getreidemix, der ihr fast den Verstand raubt 🙂 Wenn die Stallhelferinnen mit der Garette, voll beladen mit Futtersäcken, aus dem Depot herausfahren, ist kein Halten mehr. Es fängt eigentlich schon an mit der Aufregung, bevor die Garette erscheint, einfach weil alle „wissen“, dass es Zeit ist dafür. Da ist ein Geschnaube und Gescharre, ein hin und her Wuseln, alle stecken sich gegenseitig an. Muss ja Suchtpotenzial haben, das Zeug!

Es sind zwei neue Pensionspferde angekommen, sie werden noch getrennt von der Herde gehalten, aber allmählich integriert. Eines davon ist eine Araberstute, weiss, sehr zierlich. Auch sie wird nun aufgefuttert. Am Nachmittag werden sie und Serenata zur Heuraufe geführt und von den anderen getrennt. So können sie in Ruhe mehr fressen. Die Abtrennung zwischen den beiden ist schon schnell nicht mehr nötig gewesen. Die zwei mögen sich! Auch nachher, wenn Serenata im Laufstall ist und die weisse Araberstute gleich nebenan, läuft Serenata immer wieder zu ihr, und die zwei grüssen sich.

Nun haben wir etwas ziemlich Befremdliches gehört. Die weissen Pferde zieht es zueinander. „Wissen“ Pferde, dass sie weiss sind? Macht es ihnen irgend etwas aus, welche Farbe sie tragen? Haben sie ein Bewusstsein dafür? Der Begriff Rassismus ist gefallen. Sehr sehr seltsam. Mich befremdet dies sehr. Ich halte es für unsinnig, menschliche Kriterien auf Pferde zu übertragen. Zum Glück kann der Mensch die Pferde nicht indoktrinieren –

Nur ruhig bleiben

Das Pferd sei der Spiegel deiner selbst, habe ich während meiner Arbeit mit Serenata erfahren. Als ich sie in der freien Bodenarbeit mit der Geisel antreibe, läuft sie langsam und gemächlich, steht fast still, scheint keine Lust zu haben, etwas Dampf zu machen und Daniela sagt mir, ich solle aus meiner Deckung kommen und Energie übertragen. Warum haben nur immer alle das Gefühl, ich sei die Ruhe selbst und lasse mich durch nichts aus der Deckung locken??

Letzten Montag jedenfalls war alles anders. Mir stand eine Sitzung bevor, die mich beunruhigte, ich hatte mich schon tags zuvor und am selben Tag tüchtig aufgebaut, um vermeintlichem kommendem Widerstand etwas entgegenhalten zu können. Bei Serenata fing es schon damit an, dass sie mitten im Morast stand und ich keine Lust hatte dort hineinzustehen, um sie aufzuhalftern. Wie immer mit einer oder zwei Händen zu wenig trug ich das Halfter, den Führstrick und die Peitsche, öffnete die Teile des Elektrozauns und hatte diese auch noch in der Hand. Serenata drängte sich sofort an mir vorbei mit Blick auf die Fressgelegenheiten, sie war kaum zu bremsen. Erster Fehler: Ich liess mich von ihr wegdrängen und Aufhaltern geriet zum Nahkampf! Nur ruhig bleiben, rief die junge Praktikantin zu mir herüber. Gut gesagt, Mädchen…

Auf dem Platz begann ich mit der langen Peitsche mit ihr zu arbeiten. Sie war kaum zu bremsen, sie trabte und galoppierte um mich herum, zwei Mal zeigte sie mir ihren Hintern und schlug ihre Hinterbeine gegen mich aus. Das war schon fast etwas beängstigend! Übertrug ich dermassen Energie auf sie, dass sie sich kaum noch halten konnte? Mit einiger Mühe hielt ich sie davon ab, sich gegen mich einzuwenden, indem ich heftig vor ihrer Schulter auf den Boden schlug. Nach einigen Minuten fühlte ich leichten Schwindel und versuchte sie zu bremsen, indem ich ausatmete. Das war noch zu wenig und Serenata setzte ihre Runden um mich herum fort, als hätte ich nichts befohlen. Auch Peitsche senken nützte im Moment noch zu wenig. Ich fühlte meine eigene Erregung und fragte mich, wie das herauskommt, wenn ich sie nicht mehr bremsen kann. Als ich dann die Peitsche vor mich – um sie davon abzuhalten, direkt auf mich loszustürmen – auf den Boden legte, noch einmal gründlich und hörbar ausatmete und mich in der Schulter leicht einrollte und abdrehte, kam sie auf mich zu. Ihre Nüstern waren gebläht und feucht, sie atmete schwer und schnell. Aber sie schleckte.

Als wollte sie fragen: Was ist eigentlich heute mit dir los? Geht’s noch?

Sie folgte mir schön auf Schlangenlinien über den Platz. Stand auf Kommando still. Liess sich problemlos rückwärts richten. Neigte wunderschön den Kopf unter meiner Hand. Alles noch mal gut gegangen. Und ich habe meine Lektion auch gelernt. In einer solchen Verfassung gehe ich nicht mehr an sie heran.

Das Mash dürfte sie mehr als üblich genossen haben 🙂

Ausser Haus und Hof

Gestern ist es für Serenata und mich so weit, wir unternehmen den ersten Spaziergang ausser Haus und Hof. Eigentlich wollten wir ja wieder Führübungen auf dem Platz machen, aber möglicherweise wird das der munteren, aufgeweckten Serenata langsam etwas langweilig? Eine ehemalige Praktikantin auf dem Hof will mit ihrer Badia in den Wald und lädt uns ein, sie zu begleiten.

Wir geben uns Mühe, Serenata ansprechend herauszuputzen und statten sie mit einem Knotenhalfter aus, mit dem wir sie feiner, aber bestimmter führen können als mit dem Halfter, das sie bei den Übungen auf dem Platz trägt. Auch der Strick soll so beschaffen sein, dass wir ihn gut in der Hand haben. Dann geht es los, Badia voran, wir hinterher.

An die Strasse grenzt eine Weide, und schon kommt die erste Herausforderung: Die Pferde auf dieser Weide wiehern und traben dem Zaun entlang, sind aufgeregt und machen Betrieb. Serenatas Schnaufen ist nah an meinem Ohr gut hörbar, die Nüstern gebläht, sie ist aufgeregt und will sich in Richtung der Pferde ausrichten, ihre Hinterhand zeigt gegen die Strasse, derweil ich hinter mir meinen Mann und Sämi, unseren Hund sehe, die sich mitten auf der Strasse bewegen, ein Auto fährt herzu, etwas Unruhe und Aufregung kommt auf. Mein Kraftaufwand ist nicht gering, Serenata auf den Weg zu bringen, dabei habe ich noch nicht wirklich erfasst, wie ich das mit dem Halten und dem Einsatz der Gerte handhaben soll. Irgendwie eine Hand zu wenig? Zu fest auf mich konzentriert? Schon nahe am Krampf mit der linken Hand 🙂 ?

Meister fallen nicht vom Himmel, ich bin da in guter Gesellschaft und lasse mir von der erfahrenen Pferdehalterin zeigen, was ich in welcher Hand halte, wie ich die Gerte einsetzen kann, und das heisst nichts anderes, als dass ich klare und bestimmte Signale geben muss. Weiter auf der Strasse bis in den Wald geht es ganz gut, ab und zu bleibt Serenata stehen und schaut sich in der Gegend um, Autos fahren an uns vorbei, von vorn und von hinten, alles kein Problem. Auch die beiden Kinder, die uns entgegen kommen, werden nicht besonders beachtet.

Im Wald darf ich dann die Führung übernehmen, Badia und ihre Besitzerin gehen hinter uns, damit sie mich beobachten kann. Serenata geht an Holzstapeln vorbei, an abgebrochenen Stämmen und Beigen von Zweigen. Von Spanien kennt sie keinen Wald wie diesen, aber sie ist munter und gelassen, „serena“ eben.

Etwas Mühe macht mir, dass sich Serenata recht nah an mir bewegt, einmal streift ihr Fuss den meinen. Ich versuche, sie mit dem Arm auf Distanz zu halten, wie es mir gezeigt worden ist. Dann meint sie, sie könne anhalten und grasen am Wegrand – und das darf ich ihr nicht erlauben, aber wie machen, wenn das starke Tier den Kopf nicht mehr heben will? Nach einer Weile übergebe ich mal an meinen Mann.

Wir üben noch Tempiwechsel, schneller und langsamer gehen, anhalten, ein-zwei Schritte zurückgehen. Alles gut. Wenn ich schnell gehe, dann ist unser Tandem in Harmonie. Beim langsam Gehen ist sie mir immer leicht voran. Ich muss sie mit der Gerte bremsen. Sieht alles einfach aus, aber selber machen braucht noch viel Übung – von beiden Seiten.

Wir kommen heil und gut zurück. So toll! Fürs erste bin ich sehr zufrieden!

Neues Problem

Serenata leidet an Strahlfäule in der mittleren Strahlenfurche, das ist eine bakterielle Erkrankung des Strahls, eines Teils des Hufs. Der Hufschmied hat sie untersucht, weil wir noch nicht wissen, ob wir Serenata mit Hufeisen ausstatten oder sie barhuf lassen wollen. Nun sollen wir an dreien ihrer Hufe zuerst mit Gaze ausputzen und dann Gaze in die offene Stelle, d.h. in die mittlere Strahlenfurche, stopfen, so dass sie austrocknet – und das jeden Tag. Strahlfäule ist auf mangelnde Hufpflege zurückzuführen und führt im schlimmsten Fall zu Lahmheit…

Da Serenata noch gerade nicht so unkompliziert den Huf hebt und uns in der Hand lässt, gerät das Ganze zur Gedulds- und Machtprobe. Immer wieder sind wir froh, dass Daniela gegenwärtig ist und hilft. Wir haben auch gesehen, wie streng sie werden kann, wenn ein Pferd sich auf einen Machtkampf einlassen will. Vielleicht gibt sie ja das Bein, aber sie lässt sich bitten, und wenn es ihr reicht, will sie es sofort abstellen. Sie kann auch voll auf einen drauf liegen, wenn sie ein Bein hebt, und das kann gefährlich werden. Das wollen wir auch lernen, uns durchzusetzen. Es braucht schon Mut und auch Kraft, das Bein in der einen Hand zu halten und mit der anderen Hand im Strahl herumzustochern, während Serenata mit allen Mitteln versucht, ihren Huf wieder auf den Boden zu bekommen. Mein Mann hat ja schon eine Erfahrung mit einem Schlag an die Augenbraue und keine Lust, diese zu wiederholen.

Auf dem Platz haben wir weiter geübt, Serenata fortzuschicken und sie dann zu uns kommen zu lassen. Ich bin immer sehr berührt, wenn ich ihre Nase an meiner Schulter fühle und sie dann bereit ist, mir in Schlangenlinien durch das Viereck und um die Kegel herum zu folgen. Es erfüllt mich mit Wärme und Wohlgefühl, mit Serenata zusammenzusein und mit ihr zu arbeiten.

Ich habe wieder mit dem Gedanken gespielt, einen Reitversuch zu unternehmen. Vielleicht nicht gerade auf Serenata, die immer noch verunsichert ist und sich nur mit grossem Widerstand von der Herde trennen lässt, in der sie noch immer ihr Plätzli sucht. Die eine Stute ist jetzt nicht mehr da, an deren Stelle neu ein freundlicher Riese von einem Wallach. Die Rangspiele werden also noch andauern. Insgesamt geht es Serenata aber auf jeden Fall schon viel besser 🙂