Feilen und raspeln

Am Sonntag haben wir in Matzenried mit weiteren Pensionärinnen einen Hufpflegekurs absolviert. Am Vormittag haben wir die Anatomie des Pferdefusses kennengelernt und erfahren, wie das Pferd seine Hufe bewegt. Das war sehr eindrücklich und mir bis jetzt schon nur der Spur nach bekannt. Es ist erstaunlich, wie das doch recht schwere Tier auf seinem mittleren Zeh balancieren kann!

Natürlich ist es auch eine Frage, wie man das Pferd bewegen und „nutzen“ will, ob es beschlagen werden soll. Wegen der Gruppenhaltung sind wir diesbezüglich eingeschränkt. Tritt das Pferd barhuf auf, ist es vorsichtiger, weil sich unebene Stellen unmittelbar bemerkbar machen. Mit Hufeisen spürt das Pferd weniger, balanciert Unebenheiten weniger aus und dadurch können die Sehnen und Bänder am unteren Bein stärker belastet werden. Möglicherweise schmerzen die gröberen Kiesel auf den Wegen aber auch am Huf, so, wie wenn wir ungewohnterweise eine Naturstrasse barfuss gehen und unsere Fusssohlen zu wenig harte Haut haben. Wir werden den so genannten Abrieb am Huf noch genau beobachten.

Es gibt natürlich auch hier unendlich viele Meinungen und Tipps. Wir sollen jetzt mal schauen, ob barhuf geht – wir sollen unbedingt Schuhe kaufen. Ja, wir sind da noch zu wenig schlüssig.

Interessant war auch zu erfahren, wie wichtig eine gute, ausgewogene Form des Hufs ist, damit das Pferd den Huf schön absetzt und gleichmässig belastet. Wir haben schlimme und gute Beispiele verglichen und sind dann gespannt gewesen, wie wir die Hufe unserer Pferde dann betrachten!

Am Nachmittag haben wir dann an unseren Pferden selbst Hand angelegt, haben versucht, die Furchen gut von überflüssigem Material zu befreien und mit Feile und Raspel den Huf harmonisch hinzubekommen. Da hat sich gezeigt, was der Unterschied ist zwischen einem Vormittag und einer Zweijahresausbildung 🙂 🙂

Versucht haben wir es. Serenata schaut ganz interessiert, was da läuft.

Ritt ungeführt

Letzte Woche sind wir in einer Gruppe von drei Reiterinnen und mit der Stallbesitzerin losgezogen. Den Weg bis zum Wald haben wir zu Fuss zurück gelegt, danach bin ich im Wald aufgestiegen. Zügel in die Hand und los 🙂

Ehrlich – ein kleines bisschen aufgeregt war ich am Anfang schon, aber ich weiss ja, Serenata wird nicht frech überholen, sondern schön hinter den anderen bleiben, und so konnte ich die Zügel locker lassen und sie einfach lostrotten lassen. Die beiden anderen waren sehr gemächlich unterwegs und ich spürte, dass Serenata schon mehr Schritt geboten hätte, hätte sie dürfen – und ich hätte es auch schön gefunden!

Auf dem steinigeren Weg tritt sie manchmal noch etwas unsicher auf, bis zur Ankunft in Matzenried war sie ja beschlagen. Wegen der Gruppenhaltung verzichten wir auf das Beschlagen, auch vorne, und wir versuchen, ob es ohne Schuhe geht und beobachten, wie sich die Hufe weiter entwickeln.

Ich konnte mich gut entspannen, und ich spürte, wie auch Serenata ganz locker und vertrauensvoll ging. Den Weg kennt sie ja nun bereits, und die Fussgängerinnen mit Stöcken, die uns begegneten, beachtete sie nicht einmal, auch das Paar mit Hund kreuzten wir völlig problemlos. Ich habe eine riesige Freude an Serenata. Der fantastisch milde und sonnige Herbsttag hat noch das Seine zu diesem schönen Erlebnis beigetragen.

Ritt im Wald

Gut geführt und behütet begeben wir uns mit der Stallbesitzerin und der Praktikantin – reitend auf Kaoutar – in den Wald. Ein wunderbares Erlebnis, das Gefühl zu haben, auf Serenata reitend durch den Wald zu schreiten. Sie ist ganz cool und richtet sich ganz auf Kaoutar aus. Wenn diese schneller läuft, läuft auch Serenata schneller, und wenn sie anhält, hält auch Serenata an. Ich denke, dass die Erfahrung aus Spanien zurückkommt, wo Serenata mit mir jeweils am Ende der Gruppe war. Das kennt sie. Eingreifen musste ich nur, wenn Serenata versuchte, ganz hinter Kaoutar zu gehen, da Kaoutar das nicht mag und da Serenata als Handpferd auch noch mit geführt wurde, wäre es mit dem Führstrick nicht praktikabel. So musste ich mit Serenatas Kopf seitlich auf Höhe Hinterhand von Kaoutar bleiben. Aber das konnte ich ganz gut richten. Ich hatte das Gefühl, ich könnte ganz gut ohne den Führstrick auskommen und Serenata würde brav hinter einem Pferd bleiben. Wir gehen nun langsam einen Schritt um den anderen. Wenn etwas gut läuft, wiederholen wir es und lassen dann eine Hilfe um die andere weg. Niemand will sein Mütchen kühlen und nun zu viel riskieren.

Waldspaziergang, Fortsetzung

Vor zwei Tagen suchten wir einen geeigneten Ort, um im Wald mit Serenata Fotos zu machen. Wir fanden einen traumhaft schönen Platz, licht, mit hohen Tannen und moosbedecktem Boden, ein Tanzort für Feen! Der Platz liegt in der Nähe der Strasse, wir hätten mit Serenata allerdings recht lang der Strasse entlang gehen müssen. So entschieden wir uns, einen Weg ab einem grösseren Waldweg zu erkunden.

Nun sieht ja im Forst alles immer wieder gleich und ähnlich aus, entsprechend schwierig fanden wir es, den selben Weg wieder zu finden, als wir mit Serenata frischen Mutes in den Wald hinein spazierten. An den Kühen vorbei ging alles glatt und ohne Mühe, auch in den Waldweg hinein, den sie bereits von einem früheren Spaziergang her sicher wieder erkannte. Die Abzweigung auf den schmalen Pfad war ihr dann allerdings nicht mehr ganz geheuer, und sie schnaubte ab, schaute überall herum und fühlte sich offensichtlich immer weniger sicher.

Das Fotoshooting wurde entsprechend schwierig, da Serenata sich unsicher fühlte und keinen Moment still stehen mochte. Auch ein kleiner Grasplatz zum Beruhigen half wenig. Sie frass zwar ein paar Büschel, aber stellte immer wieder den Kopf hoch und die Ohren scannten die Umgebung ab. Kein Zweifel, sie wäre am liebsten geflohen.

Ich stelle einmal mehr fest, dass es wenig hilft, wenn ich nur die Sichere spiele, dies aber wenig glaubhaft auf das Pferd wirkt, wenn ich es eben nicht bin. Der Heimweg konnte dann nicht schnell genug gehen – ständig hatte Serenata eine Kopflänge Vorsprung, und ich musste sie mit 360-Grad-Wendungen um mich herum disziplinieren. Gern hätte ich ihre Nase vom Druck des Führstricks entlastet, aber da gab sie mehr Gas.

Ich warte nun gespannt auf die Fotos 🙂 Ob etwas daraus geworden ist? Heute war Serenata brav auf dem Platz und hörte gut auf meine Kommandi. Nachtragend scheinen Pferde nicht zu sein!

Erster Ritt

Gestern war ein aufregender Tag! Nach den vielen Ersten folgte der erste Ritt! Bisher war ich ja noch nie mit Serenata allein unterwegs. In Spanien rannte sie der Gruppe hinterher (war ich das, die ritt? oder sass ich einfach nur oben drauf?), seit sie hier ist, bin ich schon mal aufgesessen, aber noch nicht mit ihr allein auf dem Viereck unterwegs gewesen.

Ich war freudvoll aufgeregt – wie würde es sein? Serenata war ruhig, diesmal holten wir sie von der Weide, sie war nicht ausgehungert und entsprechend recht kooperativ. Ein leichtes Rucken ging durch sie beim Sattelgurt Anziehen, aber das mag sie offenbar nicht so besonders – wie übrigens viele Pferde. Die Reitlehrerin hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich den Sattelgurt beim Ausatmen anziehen soll, was ich mit Blick auf die Nüstern versuche.

Auch das Zaumzeug ist schnell am Kopf, mit Hackamore einfacher anzuziehen als mit Trense. Ich nehme an, dass Serenata nun „weiss“, dass jemand reiten wird? Ich führe sie zuerst ein wenig am Zaumzeug durch das Viereck, sie ist gelassen und macht ihrem Namen wieder einmal Ehre 🙂

Dann sitze ich auf – dann beginnen die Probleme.

Serenata bleibt stehen. Serenata dreht sich im Kreis. Mal links herum. Mal rechts herum. Serenata zeigt mir den Mittelfinger, klar und deutlich.

Ich lasse mich aus der Ruhe bringen. Fange an zu schimpfen. Gar nichts geht. Die Kommandi von meinem Mann helfen wenig. „Treiben“, „Schenkel“, „den einen Zügel an den Hals legen“, ruft er. Ich verstehe nur Bahnhof. Aber Absteigen will ich auf keinen Fall. Mein Mann läuft vor Serenata her, sie hintendrein. Die Ohren zeigen ganz klar nicht auf mich. Er ist ihre Referenz, ihr Chef. Wo er auch hingeht, sie folgt. Dann bleibt er stehen, sie auch.

Eine Pensionärin schaut zu. Dank jahrelanger Erfahrung kann sie helfen. Wie ich die Richtungswechsel mit den Zügeln unterstützen kann. Auch sie geht vor uns her, auch sie ist für Serenata einzig zu beachten. So lange sie da steht, habe ich oben wenig auszurichten.

Alle müssen den Platz verlassen. So, und nun dreht Serenata die Ohren zu mir. Sie ist jetzt auf Empfang für mich. Nun geht es besser. Ich merke, wie sie den Schenkeln und Zügeln folgt. Ich merke auch, wie wenig es braucht, bis sie weiss, was ich wünsche. Ich darf also nicht „überdrehen“. Aber ich strenge mich an. Meine Aduktoren werde ich heute Abend wohl spüren 🙂

So ein bisschen aufs Pferd sitzen und dann läuft es – geschenkt. Serenata hat mich gründlich getestet. Die Pensionärin hat sich noch überlegt, dass Serenata bis jetzt immer den am Boden stehenden oder laufenden Menschen gefolgt ist. Wir haben mit ihr frei und an der Longe gearbeitet, und wir sind aufgesessen, aber haben entweder longiert – mit der Reitlehrerin – oder Serenata geführt. So folgt sie automatisch der Person am Boden und nicht der auf dem Rücken. Das muss sie nun auch noch wieder lernen. Ich freue mich jetzt mal über das gute Ende der Übung und auf die nächste!

Zaumzeug

Natürlich wollen wir nicht immer nur geführt mit Halfter auf dem Platz herumspazieren, der armen Serenata würde das ja furchtbar langweilig werden! Wir haben also mit dem Sattel auch ein Zaumzeug erworben, das die selben Kriterien erfüllt, wie der Sattel – s. Sattel 😉

Das Leder ist schön gearbeitet, in der Form passt sich der Zaum gut an den Pferdekopf an, drückt nirgends. Schliesslich, und das schreibe ich auch nicht zum ersten Mal, soll Serenata ja nicht weiter unter unpassendem Material leiden.

Ungelöst ist nach wie vor die Frage: Trense oder gebissfrei – und wenn gebissfrei, dann wie. Die Versicherung haben wir befragt, sie stellt keine Bedingungen und zahlt bei Unfall auf Ausritt so oder so. So fällt die Entscheidung uns zu. Je mehr Menschen ich dazu schon befragt habe, desto mehr Meinungen. „Sie stürzen vom Pferd, weil Sie es nicht bremsen können, aber dafür hat das Pferd intakte Zähne“ – das die Aussage eines Spezialisten. „Wenn sich das Pferd nicht bremsen lässt, nützt dir auch die Trense nichts“, bzw nur wegen der Trense lässt sich das Pferd eh nicht besser bremsen, finden andere. Am Zaum befindet sich im Moment ein Hackamore. Gehört nicht in Anfängerhände, habe ich vernommen. Aber gehört eine Trense in Anfängerhände? Guter Rat ist in diesem Fall, glaub ich, etwas teuer.

Sollten wir Tierwohl gegen Menschenwohl ausspielen? Eine solche Entscheidung mag ich nicht treffen. Was wohl IHR da draussen, ihr Pferdefreunde und -spezialistinnen so meint?

Ein Sattel!

Letzte Woche fuhr das Sattelmobil von Angelika Winzeler auf dem Hof auf. Angelika vertritt die Marke Iberosattel, mit der ich schon eine Weile geliebäugelt hatte, weil zu Serenata ja doch etwas Rassiges und Stilechtes passt 🙂

Bis jetzt war an einen Sattel ja nicht zu denken, weil Serenata sich noch so stark entwickeln würde, dass die Sattlerin alle paar Wochen hätte zum Anpassen kommen müssen. Wichtig war uns ja auch, dass das Modell, das wir wählen würden, laufend an die Entwicklung des Tieres angepasst werden kann – sonst sind wir gleich weit wie mit dem Modell, das mein Mann von Spanien hergebracht hat, und das wir nun leider irgendwie anderweitig einsetzen – Deko im Wohnzimmer oder so! Beim Spaniensattel schlagen sich die Expertinnen ja die Hände über dem Kopf zusammen. Die Wirbelsäule des Pferdes wird weder von der Länge noch von der Breite des Baumes her berücksichtigt, so dass der Sattel bei jeder Bewegung, besser gesagt sogar beim Stillhalten, drückt. Das wollen wir Serenata ja nicht weiter antun.

Die Sattelspezialistin hat nun die Wirbelsäule von Serenata ausführlich abgetastet und den Winkel vorne beim Rist genau ausgemessen. Dann hat sie das Modell, das sie mitgebracht hat, genau in diese Form gebracht. Schon beim Sattelauflegen hat Serenata nicht protestiert. Und dann sind wir damit spazierengegangen und sind aufgesessen, und Serenata hat nicht mit der Wimper gezuckt. Scheint also gelungen zu sein 🙂 🙂

Wir testen nun etwas Funktionales und Schönes (und warum auf das Schöne verzichten, wenn beides zusammen geht??).

Nach einem Jahr

Nun ist es genau ein Jahr her, dass wir Spanien verlassen haben und gespannt auf die Nachricht gewartet haben, ob wir Serenata erwerben können. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich meinem Mann von meinen Plänen erzählt habe, wo ich Serenata gern unterbringen würde, und wie ich die Zeit mit ihr verbringen würde. Ich war damals schon ganz froh, dass er mir zusagte mir zu helfen, sollten sich die potentiellen zu realen Verkäufern wandeln.

Als die Nachricht per whatsapp kam, sassen wir am Pool eines verträumten südfranzösischen Schlosses (wäre übrigens zu haben: http://www.chateau-lunac.com/ ), wo wir für drei Nächte reserviert hatten. Ein beschaulicher Ort mit wunderbar idealistischen charmanten Gastgebern und einem fantastischen Frühstück 🙂

Die Gastgeber hatten uns einen Champagner aufs Zimmer gestellt, den nahmen wir mit zum Pool und stiessen auf die aufregende Nachricht an. Wir würden schon bald ein Pferd besitzen – unter die Freude mischte sich natürlich auch etwas Gefühl von Gefordertsein. Wir würden sehr sehr viele Entscheidungen treffen müssen/dürfen. Und der Weg bis zu ihrem Eintreffen war noch weit. Dennoch, wir fühlten einfach eine ganz grosse Vorfreude!

Nach allem, was gewesen ist, wie Serenata aussah (siehe meinen Beitrag „Serenata ist da“), als sie ankam, wie lange es ging, bis wir uns aufzusteigen wagten, die körperlichen Probleme von Serenata – wir würden es wieder tun. Es geht ihr heute gut, vielleicht sehr gut. Sie ist schon recht gut trainiert, hat eine schöne Figur, scheint sich in der Herde zu behaupten, hat einen feinen Platz. Alles hat sich gut gefügt.