Fitness

Die Maus oder der Hamster, Danielas liebevolle Übernamen für Serenata, hat eine letzte Kontrolle der Tierärztin überstanden. Nun darf richtig trainiert werden! Mit der Arbeit an der Longe werden die Muskeln aufgerufen, welche bisher gefaulenzt haben. Huh. Nach dem ersten Training, das die Maus willig, aufmerksam und erfolgreich absolviert hat (offensichtlich kannte sie Longenarbeit nicht), meldete sich der Muskelkater und eine Maus mit Kater, das kommt nicht gut. Steif begann das 2. Training. Doch bald kam unser Hamster in Fahrt.

Auch wir beide bekommen jetzt die Möglichkeit, mit der Longe zu arbeiten. Gar nicht so einfach, mit Longe und Gerte souverän zu leiten, das haben wir erfahren. Aber es macht riesig Spass und auch bei uns Beiden ist Serenata voll dabei, wie schön !

Serenata wurde übrigens auf der Weide und im Auslauf mit ihren Kolleginnen zusammengeführt! Das vorsichtige Vorgehen mit Haltung in der Box, aus der Serenata ihre Pferdefreundinnen sehen und beschnuppern konnte, auch der Kontakt auf der Weide, zuerst durch eine Absperrung abgefedert, hat sich gelohnt. Die Pferde haben sich gut gefunden. Nachts bleibt unsere Stute noch in der Box, denn noch immer wird sie aufgefuttert!

Üben, üben, üben

Die letzten zwei Male haben wir mit Serenata am Abend geübt. Zuerst ist die Wallach-Gruppe vom einen Teil des Vierecks in die Ställe getrieben worden, dann die Stutengruppe von der anderen Seite des Vierecks in den Gruppenlaufstall. Serenata sah die Pferde alle verschwinden (zum Fressen, das weiss sie genau!!) und sich allein auf dem Viereck und geriet in Panik. Sie raste hin und her mit Vollstop vor dem Absperrband, sie geriet so ins Schleudern, dass sie auf dem noch gefrorenen Teil des Vierecks ausrutschte und voll auf die Seite knallte. Puh, uns blieb grad kurz die Luft weg, aber sie war sofort wieder auf den Beinen. Wir befanden uns ausserhalb des Vierecks und wussten grad nicht so recht, wie mit diesem wilden Tier umzugehen sei.

Erst als Daniela das Viereck betrat, beruhigte sie sich, und dann war sie recht brav. Das Longieren scheint sie nicht zu kennen, Daniela hat es zuerst mit dem Halfter eingeleitet, der Kappzaum folgt später. Longieren werden wir brauchen, um ihre Muskeln aufzubauen.

Die Panik entstand, weil alle Pferde das Sichtfeld verliessen und Serenata allein auf dem Platz, innerhalb der Absperrung, bleiben musste. So fühlte sie sich allein und verlassen. Wir hätten in die Mitte des Vierecks stehen sollen, das hätte ihr Sicherheit gegeben. Wer von uns will das wohl machen, flachst mein Mann… Wenn Serenata so buckelt und mit den Hinterbeinen ausschlägt, ist sie nicht mehr das sanfte Wesen, das ihre Augen spiegeln. Dann ist sie eher ein wilder Mustang 🙂

Die nächste Zeit wird es darum gehen, Vertrauen aufzubauen. Gestern sind wir wieder um die gleiche Zeit mit ihr aufs Viereck, nachdem wir sie zum Putzen an den Anbindeplatz gebracht haben. Die eine Flanke war von ihrem Sturz noch ganz verkrustet. Nacheinander wurden die Wallache und die Stuten in die Ställe gebracht, wir liessen Serenata diesmal nicht allein auf dem Viereck, und sie war sanft und hängte sich an uns dran. Brav lief sie hinter uns her, zuerst hinter Georg, dann hinter mir. Sie sucht ihren/ihre Menschen. Langsam lernen wir uns kennen, und auch wir üben, üben, üben.

Führübungen

Georg übt mit Serenata, danach darf ich mit Ecume, Danielas bildschöner Jungstute, meine ersten Bodenarbeitsversuche machen. Sie ist erst fünf, aber sie weiss schon etwas besser, was von ihr erwartet wird. Ich habe ja von Bodenarbeit keine Ahnung, mache das zum ersten Mal. Also ist sie wohl gespannt, ob das mit mir gleich läuft wie mit Daniela.

Ich lerne, wie ich die Arme halten und die Gerte einsetzen soll. Mit Blick auf Ecumes Hinterhand treibe ich sie, und sie fällt in einen flotten Trab. Die Geschwindigkeit lässt sich regulieren – aber wie? Peitsche oben/unten, Druck auf Hinterhand erhöhen/senken. Wegschicken geht ganz gut, auch im Kreis wenden und sie zu mir holen geht gut, sogar rückwärts einige Schritte machen funktioniert. Ecume hat allerdings gern ihre Nase ganz an mir dran, knabbert an meinem Ärmel und schnauft mir in die Ohren, und ich „stüpfe“ sie immer wieder ein wenig von mir fort.

Etwas schwieriger wird es mit den Kegeln. Das kennt auch Ecume noch nicht. Wir versuchen Slalom um diese Dinger, aber erst muss sie sie alle abschnüffeln. Auf eine Seite geht richtig gut, ich bin ganz erstaunt, wie sie mir folgt. Andersherum laufe ich in sie hinein – oder sie in mich, da wissen wir voneinander nicht so recht, wie das gehen soll. Daniela hilft und zeigt mir, wie ich sie stoppen und vor ihr durch die Seite wechseln kann. Wenn ich Ecume vorausgehe und meinen Kopf auf ihre Hinterhand richte, gelingen uns kleine Kreise um einen Kegel herum. Ganz ohne Worte, nur mit Körpersprache.

Wir schliessen einige Führübungen mit dem Führstrick an. Wenn Ecume an der inneren Seite geht, bin ich langsamer und sie kann mich überholen. So landen wir vor dem Zaun und bringen keine Linkskurve hin. Ich muss noch lernen, sie zu bremsen und vorausschauend auf ihre Aktion/Reaktion zu handeln.

So kann ich mich schon mal mit dem Pferd beschäftigen ohne zu reiten. Ich bin glücklich darüber und fühle mich wunderbar. Das macht wirklich Spass :)! Und Ecume ist nach einer halben Stunde etwas unkonzentriert und scheint nicht mehr so richtig zu mögen. Wir hören mit einem Erfolgserlebnis, einem Kreis rund um einen Kegel, auf. Und natürlich gibt es eine wunderbare Leckerei zur Belohnung für Ecume 🙂

1. Lektion

Wir sind nun gespannt auf das Training, das wir ja jetzt starten können. Wir denken, Serenata ist bereit dazu und es geht zum ersten Mal auf den Trainingsplatz. Wieder ein neues Umfeld für Serenata, entsprechend aufgeregt ist sie. Sie weckt auch die Neugier der Stutenherde nebenan, die Tiere beschnuppern sich eifrig!

Serenata neigt zum Pöbeln, wenn sie aufgeregt ist und nicht recht weiss, was und wie sie soll, was von ihr erwartet wird. Daniela weiss es allerdings umso genauer 🙂 Nachdem sie ihr erlaubt hat, die Stuten und Stutfohlen zu begrüssen, schickt sie Serenata erst mal weg von sich – und die schwingt die Hinterhand in die Luft und schlägt erst mal kräftig aus – in sicherem Abstand zu Daniela, allerdings. Zum Glück ist sie wenigstens so rücksichtsvoll und anständig.

Wir beobachten genau, wie und wohin Serenata die Ohren richtet, erst wendet sie das innere Ohr Daniela zu und scheint sich langsam annähern zu wollen. Als sie anfängt zu schlecken, wissen wir, sie will zusammenarbeiten. Wie schön! Langsam kommt sie näher, schliesslich ganz zu Daniela. Ihre Ohren sind beide ganz auf ihr Gegenüber gerichtet. Es ist faszinierend und ich würde dem Geschehen gern meine ganze Aufmerksamkeit widmen, wären da nicht die Stutfohlen vom letzten Jahr, die an den Schuhen, dem Ärmel knabbern und schliesslich an meiner Kapuze zerren. Wenn ich mich zu ihnen umdrehe, schauen sie ganz unschuldig – wer das war – ich sicher nicht… 🙂 Ein bisschen wie lästige Fliegen, wegjagen funktioniert, aber für eine Minute oder zwei, schon wärmt wieder ein Schnaufen mein Ohr. Ich möchte sie alle knuddeln, so herzig sind sie.

Ich bin ja gespannt, wie lange das dauern wird, bis ich auch so weit sein werde, dass ich mit Serenata arbeiten kann. Ich soll ja keine Schwäche zeigen, so lange ich nicht sicher auf den Beinen bin, Serenata würde dies ausnützen. Aber es reizt mich sehr und ich freue mich auf diese Art der Begegnung, die ich vom Reitunterricht noch nicht kenne.

Herzklopfen

Die Tierärztin hat bei der ersten Untersuchung ein leichtes Herzgeräusch festgestellt. Sie hat uns empfohlen, das Pferd mit einem mobilen Ultraschallgerät untersuchen zu lassen. Heute ist es soweit und die Veterinärin installiert ihr Gerät neben Serenatas Box. Mit Danielas Hilfe positioniere ich Serenata neben dem US-Gerät. Sie steht ganz ruhig und wird dafür gebührend gelobt. Zuerst wird sie mit Stethoskop nochmals abgehört und das leichte Geräusch ist weiterhin zu hören. Dann folgt die US-Untersuchung, ausführlich und mit Fotodokumentation. Unser Herzklopfen ist wahrscheinlich stärker als jenes von Serenata…

Dann ist die Untersuchung beendet und mit den Worten „alles ist in Ordnung“ fällt uns allen ein Stein vom Herzen. Die Unsicherheit, ob wir mit Serenata bedenkenlos trainieren und reiten dürfen, ist verflogen. Die Erklärung der Spezialistin: bei Stress werden aus der Milz des Pferdes viele rote Blutkörperchen ausgeschüttet, was das Blut zur Aufnahme von Sauerstoff befähigt, was aber auch dazu führen kann, dass ein Herzgeräusch festgestellt werden kann. Das wird sich mit zunehmender Sicherheit also von selbst korrigieren, kein Grund zur Sorge. Wir sind befreit. Nun können wir Bodenarbeit und Muskelaufbau planen. Noch braucht Serenata Zeit,  um kräftiger und muskulöser zu werden. Da auch wir noch Zeit benötigen, ich um meine Reitkenntnisse auf andern Pferden zu verbessern, Susanne um ganz gesund zu werden, geht das doch ganz gut auf.

Fluchttier Pferd

Ein Kommentar auf den letzten Eintrag führt mich zu folgenden Gedanken und Überlegungen. Von Pferden verstehe ich ja noch wenig und meine Erfahrung ist bescheiden. Ich stelle fest, dass unsere Serenata mit dem Umzug in eine völlig neue Welt gehörig gefordert wird.

Ein Pferd ist ein Herdentier, es reiht sich rangmässig in eine Herde ein. In der Herde gibt es Leader und Mitläufer. Der Hengst wacht darüber, dass seine Stuten zusammenbleiben. Die Leitstute führt die Herde an. Sie ist ein Tier, das führen will. Eigentlich ähnlich wie bei uns Menschen. In der Familie, am Arbeitsplatz reihen wir uns in ein Gemeinwesen ein. Natürlich muss sich der Leader, die Leaderin immer wieder beweisen, es wird an ihrem Stuhl gesägt, junge Kräfte fordern die älteren heraus.

Nun haben wir Serenata aus ihrer Herde herausgenommen, weg von Pferden, die ihr vertraut gewesen sind, wo sie ihren Platz gekannt hat. Keine Chefin, aber auch nicht die unterste in der Hierarchie ist sie gewesen. Wie die Verhältnisse sind in ihrer neuen Umgebung, muss sie erst herausfinden. Vielleicht fängt sie zuunterst an und reiht sich dann irgendwo im Mittelfeld ein. Jetzt kann sie noch von ihrem sicheren Posten in der Box und auf dem abgetrennten Weidebereich die anderen Pferde beobachten und schon mal auf Kontakt gehen, sich aber jederzeit zurückziehen.

Auch die neue Umgebung ist ihr nicht vertraut. Pferde fliehen, wenn sie sich bedroht fühlen, schnelle Beine sind das einzige, was sie zur Rettung haben. Welche Bedrohungen hier wo sein könnten, weiss sie noch nicht. Autos hat sie schon gesehen, Hunde und Traktoren. Aber Töffli? Velos?

So bald sich im Umfeld etwas Kleines verändert, reagieren Pferde schon alarmiert. Wie alarmierend muss für sie die neue Umgebung sein! Wenn wir sie jetzt von den Pferden wegführen, die sie jetzt als Bezugstiere gefunden hat, und wenn sie uns nicht vertraut, dass wir gut für sie schauen und Gefahren von ihr fernhalten, dann kann sie panisch reagieren und uns gefährden.

Wir müssen am Vertrauen schaffen und daran, dass sie uns als Chef, als Chefin akzeptiert.

es wird konkreter…

Gestern habe ich zum ersten Mal allein Serenata zu ihrer Box herausgeführt. Die Box befindet sich in der vordersten Ecke des Laufstalles, den sie mit 5 oder 6 Pferden teilt. Zu ihrem Schutz darf sie zur Zeit noch den Luxus der Box geniessen. Luxus? Ja, denn das viele Futter, das sie täglich bekommt, ist ganz allein für sie. Kein anderes Pferd kann ihr haylage und Heu futtern…

Vor dem Laufstall ist der Auslauf abgezäunt. Nach unten geht’s zur Weide, noch oben zu der Anbindestelle fürs Putzen und Satteln. Vorsichtig führe ich Serenata zum Elektrozaun, öffne ihn und führe sie heraus. Serenata reagiert sofort: der geschützte Bereich hört nach dem Zaun auf. Jetzt sieht sie ihre Herde nicht mehr. Nur ich bin noch da, und ob ich ihr die nötige Sicherheit geben kann? Geduldig rede ich ihr zu und fordere sie auf, mir zu folgen. Ein Schritt und halt. Das Spiel beginnt von neuem. 2 Schritte, Lob, aber wieder Halt. Nach allen Seiten schaut sie sich um, nimmt die unvertraute Umgebung wahr, zeigt ihre Unsicherheit. Langsam bewegen wir uns die Einfahrt hinauf bis zur Strasse.

Hier waren wir beide schon einmal: um der Tierärztin zu zeigen, wie sich Serenata bewegt, im Schritt und Trab. Hin und zurück. Ob sie sich erinnert? Vielleicht. Aber es bleibt ein Betteln um jeden Schritt. Ein Abtasten, ein unsicheres Schauen, dann doch wieder der Entscheid, einen, zwei Schritte zu folgen. Daniela hat uns beobachtet und kommt dazu. Sie möchte sehen, ob Serenata bei kundiger Anleitung mehr Vertrauen aufbringen kann. Sie lädt Serenata mit ihrer Körpersprache ein, zu folgen. Richtet den Blick nach vorn und den Führstrick nach rechts. Serenata reagiert und macht einen Schritt. Aber auch jetzt überwiegt die Unsicherheit und sie bleibt stehen. Langsam, langsam baut Daniela Vertrauen auf. Lobt überschwänglich den Fortschritt. Ich versuche mein Glück nochmals, diesmal mit der guten Anleitung. Und siehe da, tatsächlich können wir recht gut zusammen spazieren. Bis zum nächsten Schreckpunkt, 2 parkierten Autos. Wir betrachten diese, bis sie ihren Schrecken verloren haben, drehen dann um und es geht Richtung Stall. Jaja, diese Richtung passt schon besser. Ohne grosse Motivation klappt das Führen.

Es wird eine Weile dauern, bis wir all die neuen Sachen, die neue Umgebung, Autos, Menschen, Häuser, Hunde und und und kennengelernt haben werden. Aber die Aufgabe ist schön, wir werden zusammenwachsen und Serenata wird immer mehr Vertrauen zu ihren neuen „Leitpferden“ aufbauen.

Heute haben wir mit Daniela besprochen, wie sie sich die Entwicklung von Serenata vorstellt. Es wartet viel Arbeit auf uns, es wartet viel Arbeit auf Serenata. Daniela wird uns regelmässig unterstützen und den Aufbau der Muskulatur und  das Lehren von erwünschtem bzw. das Abgewöhnen von unerwünschtem Verhalten übernehmen. Wir sind eingeladen, teilzunehmen und einmal in der Woche selber das Erlernte mit unserem Pferd einzuüben.

Wir werden einige Monate daran arbeiten müssen aber auch dürfen.  Ich freue mich darauf, denn das wird uns mit unserem Pferd zusammenschweissen. Parallel dazu habe ich die Möglichkeit, mit andern Pferden meine Reitkenntnisse zu erweitern, so dass ich für Serenata, wenn sie bereit zum Reiten ist, auch besser reiten kann !

2. Untersuchung

Nun wird Serenata von der Tierärztin genau untersucht. Ihr Gesundheitszustand scheint doch gut zu sein, die Beine sind gut, ihr Gang ist gut, sie frisst und nimmt zu. Das Herz wird noch genauer überprüft, dazu wird eine andere Tierärztin mit einem mobilen Ultraschallgerät kommen, damit wir Gewissheit haben, wie es da um sie steht.

Der Mundgeruch ist nicht mehr so schlimm, wenn auch die Behandlung mit dem Kräutersud und auch ein Entzündungshemmer weiter eingesetzt werden müssen. Unsere Sorgen haben aber eindeutig abgenommen.

Das Pferd aus seinem Bereich weg zu führen, wird eine Nagelprobe. Serenata macht nur einen Schritt aufs Mal, ohne Aufpassen würde sie stantepede zurücklaufen. Kaum hat sie eine Herde gefunden, wird sie davon isoliert. Das löst Unruhe aus. Entsprechend Mühe macht es uns, sie an der Anbindevorrichtung festzubinden und ruhig zu stellen. Die Tierärztin will ihre Beine kontrollieren. Sie hält den Fuss nicht still und trifft mit einem Kick meinen Mann an der Brille. Diese ist jetzt schief und seine Augenbraue blutig. „Man sieht dir jetzt den Pferdebesitzer an“ schmunzelt die Stallbetreiberin. Aber klar, daran müssen wir arbeiten.

Dann geht es auf die Strasse, wo mein Mann mit ihr gehen und auch traben soll. Für beide ganz schön anstrengend 🙂 Weg vom Stall geht im Schneckentempo, mein Mann voran, hin zum Stall im Nu, mein Mann hinterher. Die Tierärztin empfiehlt Führungsübungen.

Am nächsten Tag wollen wir sie putzen. Ihre Hinterhand ist dunkelbraun und ebenso ihre Beine. Wir führen sie also wieder aus ihrem Bereich weg und binden sie beim Haus an, aber ob das so gutkommt, wenn sie nichts anderes will als sich losreissen?

Mit Hilfe der Stallbetreiberin üben wir das Stillhalten. Ruhig bleiben. Ja nicht die Stimme erheben!! Sie nicht wegdrücken. Fehlverhalten ignorieren, loben bei Guttun. Uff, da müssen wir ran. Die Übung ist fürs erste Mal gut, wir gehen mit ihr zurück auf den vertrauten Platz am Stall. Dort gibt es eine Putzaktion, allerdings wird der Schimmel jetzt nicht wirklich weiss. Henu. Sie hat jetzt gesehen, dass nichts Schlimmes passiert, wenn sie weggeführt wird. Dafür bekommt sie einen Kübel extra feines Knabberzeug. Lohnt sich doch 🙂

Entspannung

Zwar ist in Bezug auf den Gesundheitszustand von Serenata noch vieles unklar. Wir werden in zwei Tagen einen Gesundheitscheck mit der Tierärztin vorsehen. Trotzdem sind wir inzwischen etwas entspannter.

Wie froh sind wir, diesen Stall gewählt zu haben. Serenata ist in kompetenten und guten Händen. Ihre Zähne werden täglich mehrmals mit dem Kräutersud gespült. Das mag sie allerdings überhaupt nicht, versucht, sich zu wehren und den Kontakt mit dem Maul zu vermeiden. So ist es nicht gerade schön, die Putzaktion mit anzuschauen. Aber sie tut ihr und ihrem Zahnfleisch gut. Und sie frisst.

Mash oder Maische wird ihr ebenfalls verfüttert, zusätzlich zu viel Heu. Wir beobachten, dass sie die Tendenz hat, ein Maul voll zu nehmen, sich dann aber wieder abzuwenden, um die vielen Umwelteindrücke aufzunehmen. So lenkt sie noch vieles ab. Zum Beispiel das kleine Pony im Auslauf neben dem ihren. Ständig geht sie zum Zaun hin, schaut dieses in ihren Augen bizarre Wesen an, stellt die Ohren aufmerksam nach vorn und bläht die Nüstern. Ein kleines Ungeheuer 🙂 Ob man sich davor fürchten sollte? Ob es gefährlich ist? Das selbstbewusste Pony hingegen im Rang einer Chefin vermittelt den Eindruck, easy, ich bin grösser als du!

Noch ist Serenata halt vieles nicht vertraut, aber das kommt schon. Die Fütterungszeiten hat sie sich jedenfalls bereits gemerkt! Aus ihrer Box im Gruppenlaufstall kann sie die anderen Pferde beobachten und sich schon mal beschnuppern lassen und selbst die anderen beschnuppern. Auch auf dem für sie abgetrennten Aussenbereich oder Weide kann sie sich zurückziehen oder mit den anderen in Kontakt treten. Sie wird immer in der Nähe ihrer künftigen Kolleginnen gelassen, aber noch eine Weile lang nicht mit ihnen zusammengeführt. Wir vertrauen da ganz auf die Stallbetreiberin, wann es so weit sein wird, dass sie in die Herde darf.