Geduld

Nun sind schon bald 6 Wochen vergangen, seit ich von der fliegenden Farah abgesprungen bin. Die Heilung geht langsam voran, und ich verzweifle fast bei dem Gedanken, wann ich wohl wieder etwas mit Farah arbeiten oder sogar reiten darf. Es geht mir alles viel zu langsam! Wenigstens bin ich wieder in der Lage, mit dem 10-Fingersystem zu tippen.

Wenn ich beim Stall bin und Farah mich hört, kommt sie immer schauen und grüssen. Das macht mir grosse Freude! Und ich muss mich wohl noch eine Weile damit begnügen, sie einfach zu streicheln – immerhin lässt sie das mittlerweile ganz unaufgeregt zu – und zu fotografieren.

Heute hat sie so schön in der Sonne gedöst, dass ich sie gar nicht gross stören wollte. An ihrem Ohr sehe ich, wie sie mich fragt, ob ich etwas von ihr will 😉

Im Reitunterricht mit Jana macht Farah grosse Fortschritte. Sie hat mittlerweile gemerkt, dass sie nicht immer grad voll losrennen muss, wenn sie geritten wird, sondern dass sie auch lediglich Schritt gehen oder traben darf. Jana kann sie schon ganz gut bremsen und hat mit ihr Schritt-Trab-Schritt-Wechsel geübt, so dass es dann bei mir auch klappen sollte.

Elektrifiziert

Die Herde Marokkanerinnen scheint vom Schnee elektrifiziert zu sein. Farah und ihre temperamentvollen Kolleginnen Elhiafa, Flifla, Zahrat, Gribouille sausen hintereinander her über die Schneeweide und verwerfen Kopf, Hinterteil, alle Viere um die Wette. Nur Gribouille kennt Schnee, die anderen vier sind im August in die Schweiz gelangt, als es noch überaus heiss war.

Wir haben heute auf dem Auslauf/Reitplatz weiter mit Farah geübt, zuerst habe ich sie longiert und immer kleinere Volten verlangt, dann vorsichtig etwas Trab, damit sich Farah an den etwas rutschigen Untergrund gewöhnen kann. Sie schien zuerst wieder recht geladen zu sein, verwarf den Kopf und ging beim Trab richtig los, führte aber brav aus, was ich von ihr verlangte. Dafür durfte sie einen Moment ganz frei auf dem Platz umherrennen. Das machte ohne die Freundinnen allerdings weniger Freude.

Ich sattelte sie und wir ritten hinter Georg mit Serenata her, in Schlangenlinien und in Volten um die Pylonen. Es ging sehr gut. Farah lernt schnell, sie will vor allem bei Serenata bleiben. Zuerst ging Ailen noch mit, dann blieb sie in der Mitte des Platzes stehen – und auch Georg und Serenata blieben mittendrin stehen. Farah hörte gut auf mich und wir ritten um Mensch und Pferd herum. Sie hat meine Anleitungen begriffen und abgeschleckt. Ein schönes Gefühl.

Danach durfte sie mit den Marokkis wieder übers Feld rasen 🙂

Sattel für Farah

Angelika Winzeler, pferdegerechte Sättel, hat heute den Weg vom Simmental nach Matzenried unter die Räder genommen und uns mit ihrem Sattelmobil beglückt. Sie vertritt unter anderen die Firma Sommer mit Sommer-Sätteln und Iberosattel. Für Serenata hatten wir ja schon Iberosattel gewählt, weil sie Ibererin ist, natürlich, aber weil uns der Sattel optisch an diejenigen in Spanien erinnert haben, nur pferdegerecht ausgestaltet sind.

Im Sortiment der Sommer-Sattel gibt es das Modell „Marrakech“, und dazu las ich, dass es sich eigne für Pferde mit kürzeren Rücken, also evtl. für Farah – und da Farah aus Marokko kommt, passt das ja optimal 🙂 Angelika hat sich alle Zeit genommen, Farah genau auszumessen und dann das Modell Marrakech an sie anzupassen. Es brauchte sogar den extrakurzen Sattel, damit die Schulterfreiheit gewährleistet ist und trotzdem der Sattel vor dem Kreuz aufhört. Für sie und mich einfach perfekt.

Und wie wir schon bei Serenata sagten: Wenn der Sattel das Attribut „praktisch“ erfüllt, dann bitte auch noch „schön“!

Ich bin froh, dass ich mit Farah mit einem guten und passenden Sattel das Reitprogramm starten kann und die vielen Versuchsdurchgänge mit anderem Material nicht sein müssen. Passt der Sattel nicht mehr, rufe ich die Sattlerin Angelika, und sie passt ihn vor Ort wieder an.

Neue alte Erfahrungen

Nun muss auch Farah durch die erfahrenen Hände der Osteopathin. Eigentlich nicht verwunderlich, wenn ich sehe, wie die Pferde jeweils auf die Weide losstürmen, kaum gehen die Zäune auf, galoppieren und Bocksprünge vollführen und manchmal miteinander kollidieren. So kommt es, dass auch Farah sich im Iliosakralgelenk blockiert hat und mit dem einen Hinterbein nun auftritt wie ein Storch.

Ob sie schon einmal auf diese Weise behandelt worden ist? Als ihr die Chiro an den Kopf will, wirft sie ihn wild auf, sie mag es überhaupt nicht, wenn ihr jemand um die Ohren herum Hand anlegt. Die Beugeübung mit dem Goody hingegen findet sie nicht ganz schlimm. Sie verfolgt dann aufmerksam, wie die Hände langsam den Rücken entlang wandern, auf Höhe Iliosakralgelenk hebt sie schon mal drohend ein Bein. Wir sind deshalb zu dritt dran. Eine behandelt, eine hält fest und eine hält den Fressnapf vor die Nase. Die beste Ablenkung, die Farah sich wünschen kann 🙂

Wir werden nun Vor- und Rückhandwendungen üben, wenn möglich jeden Tag, so dass Farah wieder ihre Beine unabhängig voneinander in Schwung bringt. Sie wird schon bald wieder ganz pferdelike schreiten können.

Une marocaine dans la neige

Es ist kalt geworden und in Matzenried liegt Schnee. Es muss für Farah ziemlich eigenartig sein, dass das helle Zeugs unter ihren Füssen nicht Sand, sondern kalte und feuchte Masse ist. Es scheint ihr aber wenig auszumachen – im Gegensatz zu mir, die mich jedes Jahr wieder schwer tue mit den kalten, finsteren Tagen.

Walderkundung

Gestern war es trüb und der Schnee lag schwer auf Ästen und Wegen. Wir hatten trotzdem das Bedürfnis, mit Serenata und Farah einen Spaziergang zu unternehmen und machten unsere zwei Schönen bereit. Ich war noch nie mit Farah, in Begleitung von Georg mit Serenata, ohne weitere Stallhilfe unterwegs und war gespannt, wie sich das anfühlen würde.

Serenata war um die zwei Uhr nachmittags jeweils schon etwas hungrig und kaum waren wir an der Strasse oben, zerrte sie meinen Mann an die Böschung, um zu grasen. Dumm nur, dass gerade der Führstrick riss, so heftig war ihre Bewegung. Georg schaffte es, einen Knoten zu binden, und so konnte es los gehen. Farah schaute sich neugierig um, scannte das weite Feld auf der einen Strassenseite und beschnupperte mal einen Busch, einen Pfosten, einen Baumstrunk, machte aber einen sehr unaufgeregten Eindruck.

Während Serenata immer wieder Futter suchte und Georg sie davon abhielt, verhielt sich Farah ruhig und ausgesprochen gelassen, obwohl sie Wald ja nicht kennt. Sogar ein furchteinflössendes Monster von einer Baumpflegemaschine, das unmittelbar neben dem Weg ein Wendemanöver machte und dabei einen kurzen Moment mehrere Scheinwerfer auf uns richtete, brachte sie nicht aus der Fassung.

Ich bin sehr beeindruckt, wie cool meine Schöne bleibt, und wie ruhig und entspannt sie neben mir her trottet. Das war eine sehr gute und schöne Erfahrung 🙂

Alles klar

Die Untersuchung der Tierärztin hat nun stattgefunden. Damit sind wir freudige Eigentümer von Farah – nicht mehr Fynda. Da Fynda unseren Recherchen gemäss nichts bedeutet und kein arabisches Wort ist, habe ich beschlossen, ihr einen arabischen Namen zu geben. Farah bedeutet Freude. Meine Freude ist sehr sehr gross, und es scheint, dass wir einen ganz guten Draht miteinander haben, Farah und ich. Jedenfalls freut sie sich schon, wenn ich zu ihr auf den Platz gehe und sie einlade, mit mir etwas zu machen 🙂

Die Tierärztin hat ihr Herz abgehört, ihre Zähne und Augen geprüft, ihre Reflexe getestet, ihre Gelenke abgegriffen und hat sie vorschreiten und -traben lassen. Ailen, die Angestellte auf dem Hof, hat Farah geführt, und so konnte ich alles mit anschauen und ging kein Risiko ein. Farah nahm nämlich nicht alles ganz so locker, z.B. an Hals und Kopf anfassen lässt sie sich nicht von jedem/jeder und allein auf den Hofplatz stellen findet sie noch nicht geheuer.

Sicher müssen demnächst ihre Zähne geschliffen werden und die Chiro muss am Iliosakralgelenk ihre Hände anlegen, aber im allgemeinen ist Farahs Zustand gut. Es ging ihr offenbar auch in Marokko nicht schlecht, sie musste keinen Wagen ziehen, sondern Rennen laufen 🙂 Hui, was für mich! Das heisst halt, dass sie die Reiterbefehle english style nicht kennt, weil sie zum Startplatz geführt wurde und auf Kommando ging’s einfach mit den andern los. Jetzt muss sie lernen, aufzupassen, was ich ihr befehle, am Boden und als Reiterin. Schön, dass ich jetzt ein Pferd ausbilden darf, ich freue mich sehr!

Serenata in Gold

Dieser Herbst ist – wie letztes Jahr – fantastisch, die Temperaturen mild, die Buchen rost-golden, und wir sind froh und dankbar, dass wir uns im Wald frei bewegen dürfen. Im Stall tragen wir eine Maske, um uns gegenseitig zu schützen, aber es gibt keine Einschränkungen, wie viele Menschen sich gleichzeitig bei den Pferden aufhalten dürfen, sofern die Regeln (Maske, Abstand) eingehalten werden.

Wir sind eine ganze Weile mit Serenata nicht mehr im Wald reitend unterwegs gewesen. Dafür haben wir unterdessen ein intensives Reit- und Longierprogramm absolviert. Serenata ist nun kräftig und voller Tatendrang. Der Wald hat sich verändert, und sie nimmt dies wahr. Zwar nicht schreckhaft, aber doch mit erhöhter Aufmerksamkeit, mit Blick auf die vielen Stämme und Äste, die am Wegrand aufgeschichtet sind, die veränderten, teilweise schon entlaubten Bäume, das reiche Blattwerk auf den Wegen.

Ich arbeite auf dem Platz mit Badia, der Berberstute einer Pensionärin am Hof. Langsam bekomme ich sie recht gut in den Griff, oder besser Sitz, und wir sind ein immer besser eingespieltes Team. Badia ist jung und vor allem etwas wenig trainiert, weshalb sie nach ein paar Runden Trab ziemlich ausser Atem gerät. Ich brauche volle Durchsetzungskraft, um sie um mehrere Runden zu treiben – und sie nutzt jede „Ausrede“, die sich ihr bietet, um vom Trab in den Schritt zu wechseln, z.B. weil der Sand auf dem Reitplatz etwas nass ist und deshalb leicht rutschig, oder weil sich ein kleiner See gebildet hat nach vielem Regen und dieser bis ganz in die eine Ecke reicht. Sie mag nicht durch diesen nassen Bereich traben und deshalb geht sie bis genau in die Ecke, um dann in den Schritt zu wechseln. Ich merke, wie sie mich hereinlegt und muss schmunzeln und meine Kräfte sammeln, dass ich sie trabend um die Ecke jagen kann 🙂 Dieses Spielchen haben wir nun recht oft miteinander gespielt und heute ist es mir gelungen, es ihr zu vermiesen. Wenn sie merkt, dass sie nicht durchkommt, hört sie auf, aber sie hat fast den härteren Kopf als ich 🙂

Action!

Serenata macht beim Longieren grosse Fortschritte und auch mein Mann wird immer besser 🙂 Seine Hand ist ruhiger geworden, er strahlt Ruhe und Sicherheit aus. Das richtige Mass, um Serenata mal so richtig in Schwung zu bringen. Sie soll einige Galopp-Schritte tun, und wir sehen wieder einmal, dass das gar nicht so einfach ist. Zuerst rennt sie im Trab, einfach viel und immer schneller, es dauert etwas und braucht mehrere Anläufe, bis sie begreift, sie soll anspringen. Aber dann sieht es prächtig aus!

Derweil geniesst Badia im Hintergrund noch ihre Ruhe – aber sie wird auch bald dran sein 🙂