Wild Thing

Schon lange habe ich gehofft, ich sähe einmal unsere Reitlehrerin Vera auf Serenata reiten. Da Georg sich das Knie hat operieren lassen, bot sich gestern die Gelegenheit dazu. Und ich war so begeistert, dass ich sie bat, auch noch etwas Galopp einzubauen. Da zeigte sich wieder einmal Serenatas wildes Temperament. Zum Glück sass Vera, eine sehr erfahrene und sichere Reiterin, im Sattel. Serenata bockte und sprang wie eine Wilde entlang dem Hufschlag – und ich war gerade ziemlich erleichtert, dass Vera darauf sass und nicht mein Mann 🙂

Herantasten

Dieser Tage ist es ein Jahr her, dass ich mit Farah diesen Unfall hatte, bei dem ich mich von ihr warf, bevor sie definitiv die Strasse entlang nach Hause raste. Mein Bruch ist gut verheilt – jedenfalls so weit eine Wiederherstellung in meinem Alter möglich ist 🙂

Wir sind mit den Pferden im Wald unterwegs, vorerst noch nicht reitend zu zweit ohne Begleitung, gern auch zu Fuss. Und Farah ist wohlig entspannt. Ich spüre, dass unser gegenseitiges Vertrauen wächst und wir mehr und mehr Spass zusammen haben. Geritten sind wir zu zweit, Georg und ich, und die Reitlehrerin ist mitgetrabt – zur Sicherheit hatte sie einen Strick dabei, musste ihn aber nicht einsetzen bis auf einen ganz kurzen Moment, als sich auf einer Weide neben dem Waldweg alle Rinder sammelten, um uns zu beobachten und auf der Weide dahinter die Friesen wie wild zu galoppieren begannen. Da war Farah mal kurz aus dem Häuschen und wollte denen nach. Aber das dauerte nicht lange. Sonst ist sie sehr unerschrocken und trägt mich ganz zuverlässig und cool.

Schon 1 Jahr

Ende November ist es 1 Jahr her, dass ich in Matzenried Verträge unterschrieben habe – den Kaufvertrag für Farah sowie den Pensionsvertrag. Es war eine leichte Entscheidung, denn so bald ich mit Farah angefangen hatte zu arbeiten, war mir klar, dass sie gut zu mir passt und wir eine Menge Spass zusammen haben würden. Zwar macht sie auch nicht immer alles ganz genau nach meinen Wünschen, aber wenn ich insistiere, ist sie viel schneller bereit einzulenken, als dies mit Serenata der Fall war.

Soll man mit über 60 noch ein Pferd kaufen? Es gibt sicher viele Faktoren, die beim Entscheid eine Rolle spielen. Wir – mein Mann und ich – haben es jedenfalls nicht bereut. Es geht zwar ein beträchtlicher Teil des Haushaltbudgets nach Matzenried (Pension, Ausbildung, Anschaffungen, medizinische Leistungen, Hufpflege), dafür bekommen wir intensive Selbstschulung 🙂 und dazu ein weites Feld für Freizeitbeschäftigung.

Ich möchte Farah nicht mehr missen, sie ist mir sehr ans Herz gewachsen! Und natürlich Serenata auch – und mein Mann sagt auf jeden Fall dasselbe 🙂

Pflege

Heute war für Farah ein beschäftigter Tag. Zuerst hatte sie Reitstunde im Schnee und stakste etwas unbeholfen durch die wieder ungewohnte Landschaft. Sorgfältig testete sie, ob es rutschig sei und trat zuerst ganz vorsichtig auf. Allerdings gab es noch einen weiteren Grund für ihr verhaltenes Auftreten: der Rücken war verspannt, und die Hufe waren auch unbedingt zu machen.

Zum Glück konnten sich die beiden Hufpfleger den heutigen Tag den Pferden bei uns in Matzenried widmen. Sie arbeiten gründlich und sorgfältig und gaben Farahs Hufen einen neuen Schliff, der sie vor allem auf der Hinterhand etwas entlasten soll, weil die Knie etwas instabil sind. Bei dieser Behandlung war sie lammfromm und hielt perfekt still.

Dann war die Reihe noch an der Chiro/Osteopathin, die mit gezielten Griffen Farahs Rücken manipulierte und sie von Verspannungen löste. Das fand sie dann weniger toll und sie versuchte, sich zu lösen oder auszuweichen – oder zumindest der Chiro ihre Meinung klar mitzuteilen. Wahrscheinlich war sie mit jemandem rückwärts kollidiert, was mich nicht wundert, denn sie ist noch immer am Finden ihres Platzes in der Herde und teilt nach vielen Seiten aus, bzw steckt von vielen Seiten ein. Kein einfaches Pferdeleben, wenn man nicht zufrieden ist mit seinem Platz in der Rangordnung!

Neuer Zaum

Auf Anraten der Stallbesitzerin Daniela habe ich nun doch einen neuen Zaum mit Trense besorgt. Nach sagenhaften 4 Monaten Lieferzeit ist das Prachtsteil von Deuber endlich eingetroffen und macht mir eine grosse Freude. Farah kaut allerdings etwas unerfreut darauf herum, wohl hat sie in Marokko mit dem Gebiss eher schlechte Erfahrungen machen müssen. Die Trense ist eher dünn und doppelt gebrochen. Ich gebe mir grosse Mühe, sie damit nicht allzu sehr zu belästigen. Aber wenn ich – hoffentlich bald – wieder mit ihr im Gelände unterwegs sein werde, gibt mir diese Zäumung etwas zusätzliche Sicherheit.

Flegeln

Heute wollte ich Farah zum Longentraining holen. Die grosse Stutenherde, zu der mittlerweile auch Serenata gehört, gruppierte sich um die zwei Heuraufen und alle waren mit Fressen beschäftigt. Ich liebe dieses Geräusch, das mampfende Pferde machen, es erfüllt mich mit Zufriedenheit und heitert mich auf!

Ich rief, schon von weitem, wie ich es immer mache, nach Farah. Diese ignorierte mich vollkommen – ja, sie rannte sogar fort, als ich sie bei der Heuraufe aufhalftern wollte. Kaum näherte ich mich, rannte sie davon und/oder versteckte sich hinter einer Kameradin, so dass ich mehrere Minuten brauchte, um ihr nahe zu kommen. Ich versuchte es dann mit Strenge, und schliesslich bequemte sie sich in meine Nähe, nahe genug, dass ich ihr den Strick um den Hals legen konnte. Danach trottete sie brav mit mir zur Anbinde.

Seit sie mit der Hierarchie in der Stutengruppe beschäftigt ist, folgt sie mir etwas weniger gern – als würde sie in der Zwischenzeit etwas nicht verpassen wollen. Es hat sich ja auch einiges verändert seit dem Sommer, und Farah sucht immer noch ihren Platz. Vielleicht wollte sie mir auch den Finger zeigen, weil ich seit Samstag nicht mehr bei ihr war. Mir tat es leid, dass wir am Montag den Reitunterricht sausen lassen mussten, aber manchmal geht es halt nicht anders. Ich sehe schon, einmal mehr, mehr Dezidiertheit kann bestimmt nicht schaden 🙂

Die Reitbeteiligung ist inzwischen mit Farah im Wald unterwegs gewesen, auch in Trab und sogar Galopp. Das habe wunderbar geklappt und macht mich froh. Hier zur Abwechslung mal ein Bild der prächtigen Herbstnatur.

Fortschritt

Farah und ich sind daran, uns aneinander zu gewöhnen. Und Farah gewöhnt sich langsam an Formen, die unsere Zusammenarbeit erleichtern 🙂 Dazu gehört, dass sie bei der Pflege stillsteht, brav die Hufe gibt, nicht immer bettelt. Ich gebe mir Mühe, sorgfältig mit ihr zu sein, nicht an den Beinen zu reissen, nicht am Behang zu rupfen, den Sattel fein aufzulegen, die Gurten mit Gefühl anzuziehen.

Wenn ich aufsteige, soll Farah ganz still stehen. Und das üben wir jetzt immer und immer wieder. Es braucht meine Geduld! Aber wird sich lohnen, vor allem wenn wir dann wieder im Gelände unterwegs sein werden.

Mit dem Traben geht es nun schon recht gut, Farah merkt, dass sie im Trab bleiben soll, und ich kann mittlerweile sogar ihr Tempo regulieren. Das macht doch grosse Freude. Noch hält sie allerdings den Kopf weit oben, und wenn ich antrabe, versuche ich, es ganz fein zu machen. Wenn es gut ist, bleibt ihr Kopf zwar etwas hoch, geht aber nicht noch höher. Schön ist, wenn ich merke, wie sie anfängt zu schwingen.

Wenn Farah vom langen Traben müde wird, fängt sie an, mit dem Kopf zu schlagen. Das sei etwas die Eigenheit der Araber, meint die Reitlehrerin. Ich versuche, es zu ignorieren und einfach etwas zu treiben. Es gibt für uns zwei noch Vieles zu lernen!

Herbstweide

Jeden Herbst stehen den Pferden im Stall Arîj el Fouad die grossen Weiden zur Verfügung, nachdem das Emd gewonnen wurde. Die Weiden sind für die Pferde jeweils eine wunderbare Abwechslung, denn sie kommen nachts nicht auf den Hof zurück, sondern bleiben auf den Weiden und nutzen die dortigen Unterstände bei Bedarf. Farah war letztes Jahr auch schon dort, aber da war sie noch nicht mein Pferd.

Vom Hof zur Weide ist vielleicht 1 km Weg auf der Strasse zurück zu legen, wobei diese Strasse nicht besonders stark befahren ist. Trotzdem löst der Umzug etwas Aufregung aus, weil nichts passieren soll und nicht alle Tiere gleich geübt sind, vom Hof weggeführt zu werden. Insbesondere die Fohlen können sich recht störrisch anstellen, wenn der Wegrand für sie zum Fürchten aussieht – vielleicht ein Randstein, ein Bord mit anderem Bewuchs oder irgendetwas, was sich uns nicht erschliesst, kann ihnen Angst machen.

Wir führten zuerst die neuen Pferde aus Marokko auf ihren Teil der Weide, danach die Stutenherde mit den Fohlen und mit Farah auf ihren Teil. Zuerst grasten alle ganz gemächlich (Bild). Dann begann Farah zu galoppieren, die ganzen Stuten und Fohlen hinterher zu einer wilden Jagd übers ganze Gelände bis zum Zaun der Marokkanerinnen, die schon alle zum Gucken aufgereiht dort standen. Dann konnte die Jungstute Kounouz, deren Fohlen soeben abgesetzt worden war, nicht mehr an sich halten und wollte zu den Fohlen auf der anderen Weide. Sie durchbrach den Zaun zwischen den Weiden und die ganze Herde war auf einmal versammelt! Spontanintegration! (https://youtu.be/RlVivo7y-Io)

Wir standen noch eine Weile auf der Weide um zu beobachten, ob das auch gutgehe. Da das Gelände genügend Platz bietet, sah es danach aus, als würden die neuen Begegnungen friedlich ablaufen. Einzig zwei Stuten machten Kounouz klar, wer über die Fohlen zu wachen habe.

Wenn wir arbeiten oder reiten wollen, nehmen wir es nun für diese Zeit auf uns, diesen 1 km weit zu wandern, um unser Tier von der Herbstweide zu holen. Dafür rechne ich für hin und zurück 1/2 Stunde. Als ich am Sonntag Farah holte, um mit meinem Mann und Serenata Reitunterricht zu geniessen, rechnete ich genügend Zeit ein, weil ich mich darauf vorbereitete, dass Farah nicht so ohne weiteres mit mir kommen würde und ich weit über die Weide gehen müsse. Vorsichtshalber packte ich einen Apfel und ein paar Leckerli ein, damit ich sie anlocken und dann genügend Zeit hätte, sie aufzuhalftern.

Die Befürchtungen waren ganz unbegründet. Alle Pferde liefen auf mich zu, als ich die Weide betrat. Farah genoss natürlich ihren Apfel trotzdem 🙂 – und dann folgte sie mir ganz brav und ohne zu zögern. Die anderen Stuten und die Fohlen allerdings auch! Da sich der Weidezaun direkt gegen die Strasse öffnet, dachte ich schon, ich müsste die anderen Pferde dann energisch davon abhalten, mit zu kommen. Aber die liessen uns dann auch ohne weiteres ziehen und so kam ich problemlos zum Stall.

Der Hengst Rifaï, dessen Gehege der Strasse entlang führt, war nach dem Reitunterricht dann allerdings verantwortlich dafür, dass Farah sich weigerte, mit mir zurück zur Herbstweide zu kommen. Bockstill stand sie mitten auf der Strasse und liess sich von Rifaï umwerben. Es brauchte meinen Mann, um mir zu helfen, von da weg zu kommen.

Wasserspiele

Farah ist so ein spassiges cooles Pferd. Nach meiner Übungseinheit haben wir geschaut, ob sie sich duschen lässt. Die Reitbeteiligung Muriel hat sie gehalten und ich habe ihr den Schlauch erst zeigen wollen. Und was macht sie? Sie nimmt das Ende in den Mund und fängt an zu saugen und mit dem Wasser zu spielen (das Bild ist von einem Video) 🙂