Vertrauen

Jetzt habe ich mehrere Tage hintereinander mit Serenata verbracht. Zuerst ein Reiten im Viereck, dann Waldreiten im Forst und heute noch Bodenarbeit. Sie hat sich zu einem ganz tollen Pferd entwickelt. Vom Vorbereiten über die Übung/das Reiten bis zum Absatteln und Pflegen ist sie ruhig, konzentriert, freudig, willig. Ich hatte auch immer das Gefühl, dass sie uns fast nicht gehen lassen will….ja ich weiss, die Pferdeprofis lächeln weise aber ich habe da meine eigene Ansicht. Schon in Spanien, als ich meinen 14 Tage crash Kennenlernkurs machte, fühlte ich dieses Band. Es macht mich glücklich zu spüren, dass es zwischen uns wieder stimmt. Es ist grosses Vertrauen gewachsen. Dank unseren Lehrerinnen Daniela und Trix, die uns die nötige Sicherheit vermitteln aber auch dank Serenatas tollem Charakter. Sie braucht keine harte Hand, nur Konsequenz und Zuneigung. Und wenn bei mir die Freude schäumt, da ist sie nicht mehr zu halten. Herrlich!!

Fitness

Die Maus oder der Hamster, Danielas liebevolle Übernamen für Serenata, hat eine letzte Kontrolle der Tierärztin überstanden. Nun darf richtig trainiert werden! Mit der Arbeit an der Longe werden die Muskeln aufgerufen, welche bisher gefaulenzt haben. Huh. Nach dem ersten Training, das die Maus willig, aufmerksam und erfolgreich absolviert hat (offensichtlich kannte sie Longenarbeit nicht), meldete sich der Muskelkater und eine Maus mit Kater, das kommt nicht gut. Steif begann das 2. Training. Doch bald kam unser Hamster in Fahrt.

Auch wir beide bekommen jetzt die Möglichkeit, mit der Longe zu arbeiten. Gar nicht so einfach, mit Longe und Gerte souverän zu leiten, das haben wir erfahren. Aber es macht riesig Spass und auch bei uns Beiden ist Serenata voll dabei, wie schön !

Serenata wurde übrigens auf der Weide und im Auslauf mit ihren Kolleginnen zusammengeführt! Das vorsichtige Vorgehen mit Haltung in der Box, aus der Serenata ihre Pferdefreundinnen sehen und beschnuppern konnte, auch der Kontakt auf der Weide, zuerst durch eine Absperrung abgefedert, hat sich gelohnt. Die Pferde haben sich gut gefunden. Nachts bleibt unsere Stute noch in der Box, denn noch immer wird sie aufgefuttert!

Herzklopfen

Die Tierärztin hat bei der ersten Untersuchung ein leichtes Herzgeräusch festgestellt. Sie hat uns empfohlen, das Pferd mit einem mobilen Ultraschallgerät untersuchen zu lassen. Heute ist es soweit und die Veterinärin installiert ihr Gerät neben Serenatas Box. Mit Danielas Hilfe positioniere ich Serenata neben dem US-Gerät. Sie steht ganz ruhig und wird dafür gebührend gelobt. Zuerst wird sie mit Stethoskop nochmals abgehört und das leichte Geräusch ist weiterhin zu hören. Dann folgt die US-Untersuchung, ausführlich und mit Fotodokumentation. Unser Herzklopfen ist wahrscheinlich stärker als jenes von Serenata…

Dann ist die Untersuchung beendet und mit den Worten „alles ist in Ordnung“ fällt uns allen ein Stein vom Herzen. Die Unsicherheit, ob wir mit Serenata bedenkenlos trainieren und reiten dürfen, ist verflogen. Die Erklärung der Spezialistin: bei Stress werden aus der Milz des Pferdes viele rote Blutkörperchen ausgeschüttet, was das Blut zur Aufnahme von Sauerstoff befähigt, was aber auch dazu führen kann, dass ein Herzgeräusch festgestellt werden kann. Das wird sich mit zunehmender Sicherheit also von selbst korrigieren, kein Grund zur Sorge. Wir sind befreit. Nun können wir Bodenarbeit und Muskelaufbau planen. Noch braucht Serenata Zeit,  um kräftiger und muskulöser zu werden. Da auch wir noch Zeit benötigen, ich um meine Reitkenntnisse auf andern Pferden zu verbessern, Susanne um ganz gesund zu werden, geht das doch ganz gut auf.

es wird konkreter…

Gestern habe ich zum ersten Mal allein Serenata zu ihrer Box herausgeführt. Die Box befindet sich in der vordersten Ecke des Laufstalles, den sie mit 5 oder 6 Pferden teilt. Zu ihrem Schutz darf sie zur Zeit noch den Luxus der Box geniessen. Luxus? Ja, denn das viele Futter, das sie täglich bekommt, ist ganz allein für sie. Kein anderes Pferd kann ihr haylage und Heu futtern…

Vor dem Laufstall ist der Auslauf abgezäunt. Nach unten geht’s zur Weide, noch oben zu der Anbindestelle fürs Putzen und Satteln. Vorsichtig führe ich Serenata zum Elektrozaun, öffne ihn und führe sie heraus. Serenata reagiert sofort: der geschützte Bereich hört nach dem Zaun auf. Jetzt sieht sie ihre Herde nicht mehr. Nur ich bin noch da, und ob ich ihr die nötige Sicherheit geben kann? Geduldig rede ich ihr zu und fordere sie auf, mir zu folgen. Ein Schritt und halt. Das Spiel beginnt von neuem. 2 Schritte, Lob, aber wieder Halt. Nach allen Seiten schaut sie sich um, nimmt die unvertraute Umgebung wahr, zeigt ihre Unsicherheit. Langsam bewegen wir uns die Einfahrt hinauf bis zur Strasse.

Hier waren wir beide schon einmal: um der Tierärztin zu zeigen, wie sich Serenata bewegt, im Schritt und Trab. Hin und zurück. Ob sie sich erinnert? Vielleicht. Aber es bleibt ein Betteln um jeden Schritt. Ein Abtasten, ein unsicheres Schauen, dann doch wieder der Entscheid, einen, zwei Schritte zu folgen. Daniela hat uns beobachtet und kommt dazu. Sie möchte sehen, ob Serenata bei kundiger Anleitung mehr Vertrauen aufbringen kann. Sie lädt Serenata mit ihrer Körpersprache ein, zu folgen. Richtet den Blick nach vorn und den Führstrick nach rechts. Serenata reagiert und macht einen Schritt. Aber auch jetzt überwiegt die Unsicherheit und sie bleibt stehen. Langsam, langsam baut Daniela Vertrauen auf. Lobt überschwänglich den Fortschritt. Ich versuche mein Glück nochmals, diesmal mit der guten Anleitung. Und siehe da, tatsächlich können wir recht gut zusammen spazieren. Bis zum nächsten Schreckpunkt, 2 parkierten Autos. Wir betrachten diese, bis sie ihren Schrecken verloren haben, drehen dann um und es geht Richtung Stall. Jaja, diese Richtung passt schon besser. Ohne grosse Motivation klappt das Führen.

Es wird eine Weile dauern, bis wir all die neuen Sachen, die neue Umgebung, Autos, Menschen, Häuser, Hunde und und und kennengelernt haben werden. Aber die Aufgabe ist schön, wir werden zusammenwachsen und Serenata wird immer mehr Vertrauen zu ihren neuen „Leitpferden“ aufbauen.

Heute haben wir mit Daniela besprochen, wie sie sich die Entwicklung von Serenata vorstellt. Es wartet viel Arbeit auf uns, es wartet viel Arbeit auf Serenata. Daniela wird uns regelmässig unterstützen und den Aufbau der Muskulatur und  das Lehren von erwünschtem bzw. das Abgewöhnen von unerwünschtem Verhalten übernehmen. Wir sind eingeladen, teilzunehmen und einmal in der Woche selber das Erlernte mit unserem Pferd einzuüben.

Wir werden einige Monate daran arbeiten müssen aber auch dürfen.  Ich freue mich darauf, denn das wird uns mit unserem Pferd zusammenschweissen. Parallel dazu habe ich die Möglichkeit, mit andern Pferden meine Reitkenntnisse zu erweitern, so dass ich für Serenata, wenn sie bereit zum Reiten ist, auch besser reiten kann !

Auf der Weide

Auf verschiedenen abgezäunten Feldern stehen oder grasen friedlich die Pferde von Arij el Fouad. Doch wo ist Serenata?

Ach ja, zuhinterst auf einem grossen Feld, noch für sie allein abgezäunt, damit sie ihre Kamerädli entspannt kennenlernen kann, habe ich sie entdeckt. Mit ihrer Decke gegen die Kälte, die sie jetzt noch braucht, solange das Fell nicht dicht genug ist. Auf der angrenzenden Weide steht die bildhübsche Farfallina und die Beiden beschnuppern sich ausgiebig. Das sieht ja gut aus, keine Spur von Nervosität oder Konkurrenz. Offenbar mögen sich die Beiden! Serenata reagiert auf meinen Ruf, aber kommt (noch) nicht zu mir. Sie bleibt bei Farfallina und versucht mit Mühe, aus dem Zuber zu trinken, auf welchem eine dicke Eisschicht schwimmt. Sie drückt die Eisplatte nach unten, um ans Wasser zu kommen. Dankbar nimmt sie meine Hilfe an, als ich das Eis nach unten drücke.

Nach Streicheln und Striegeln animiere ich Serenata, mir zu folgen, wie wir es in Spanien gemacht haben. Ist unsere Verbindung schon stabil genug, um sie von Farfallina zu lösen? Wie schön, dass sie kommt und mir folgt! Doch – zu früh gefreut. Das saftige Gras am Boden zieht magnetisch an. Mit viel Appetit widmet sie sich dem Grün. Gut so, Du musst fleissig futtern!