Gestern ist es für Serenata und mich so weit, wir unternehmen den ersten Spaziergang ausser Haus und Hof. Eigentlich wollten wir ja wieder Führübungen auf dem Platz machen, aber möglicherweise wird das der munteren, aufgeweckten Serenata langsam etwas langweilig? Eine ehemalige Praktikantin auf dem Hof will mit ihrer Badia in den Wald und lädt uns ein, sie zu begleiten.
Wir geben uns Mühe, Serenata ansprechend herauszuputzen und statten sie mit einem Knotenhalfter aus, mit dem wir sie feiner, aber bestimmter führen können als mit dem Halfter, das sie bei den Übungen auf dem Platz trägt. Auch der Strick soll so beschaffen sein, dass wir ihn gut in der Hand haben. Dann geht es los, Badia voran, wir hinterher.
An die Strasse grenzt eine Weide, und schon kommt die erste Herausforderung: Die Pferde auf dieser Weide wiehern und traben dem Zaun entlang, sind aufgeregt und machen Betrieb. Serenatas Schnaufen ist nah an meinem Ohr gut hörbar, die Nüstern gebläht, sie ist aufgeregt und will sich in Richtung der Pferde ausrichten, ihre Hinterhand zeigt gegen die Strasse, derweil ich hinter mir meinen Mann und Sämi, unseren Hund sehe, die sich mitten auf der Strasse bewegen, ein Auto fährt herzu, etwas Unruhe und Aufregung kommt auf. Mein Kraftaufwand ist nicht gering, Serenata auf den Weg zu bringen, dabei habe ich noch nicht wirklich erfasst, wie ich das mit dem Halten und dem Einsatz der Gerte handhaben soll. Irgendwie eine Hand zu wenig? Zu fest auf mich konzentriert? Schon nahe am Krampf mit der linken Hand 🙂 ?
Meister fallen nicht vom Himmel, ich bin da in guter Gesellschaft und lasse mir von der erfahrenen Pferdehalterin zeigen, was ich in welcher Hand halte, wie ich die Gerte einsetzen kann, und das heisst nichts anderes, als dass ich klare und bestimmte Signale geben muss. Weiter auf der Strasse bis in den Wald geht es ganz gut, ab und zu bleibt Serenata stehen und schaut sich in der Gegend um, Autos fahren an uns vorbei, von vorn und von hinten, alles kein Problem. Auch die beiden Kinder, die uns entgegen kommen, werden nicht besonders beachtet.
Im Wald darf ich dann die Führung übernehmen, Badia und ihre Besitzerin gehen hinter uns, damit sie mich beobachten kann. Serenata geht an Holzstapeln vorbei, an abgebrochenen Stämmen und Beigen von Zweigen. Von Spanien kennt sie keinen Wald wie diesen, aber sie ist munter und gelassen, „serena“ eben.
Etwas Mühe macht mir, dass sich Serenata recht nah an mir bewegt, einmal streift ihr Fuss den meinen. Ich versuche, sie mit dem Arm auf Distanz zu halten, wie es mir gezeigt worden ist. Dann meint sie, sie könne anhalten und grasen am Wegrand – und das darf ich ihr nicht erlauben, aber wie machen, wenn das starke Tier den Kopf nicht mehr heben will? Nach einer Weile übergebe ich mal an meinen Mann.
Wir üben noch Tempiwechsel, schneller und langsamer gehen, anhalten, ein-zwei Schritte zurückgehen. Alles gut. Wenn ich schnell gehe, dann ist unser Tandem in Harmonie. Beim langsam Gehen ist sie mir immer leicht voran. Ich muss sie mit der Gerte bremsen. Sieht alles einfach aus, aber selber machen braucht noch viel Übung – von beiden Seiten.
Wir kommen heil und gut zurück. So toll! Fürs erste bin ich sehr zufrieden!
