Funkstille

Nun habe ich eine Weile schon nicht mehr rapportiert, was wir mit Serenata tun und wie es ihr geht. Wir haben die Strahlfäule noch immer nicht im Griff, sind immer noch (nach Möglichkeit) jeden Tag dort, um die Hufe zu putzen und mit Gaze zu verstopfen. Es ist etwas elend, dass sich die Sache nicht bessert. Der Hufpfleger hat uns geraten, die Spalte nicht zu spülen, entgegen den gut gemeinten Ratschlägen von allen Seiten, mit Essig zu spülen, mit allerhand Mittelchen zu behandeln, denn bei genügend festem Stopfen sollte die Hornproduktion angeregt werden, dass die Spalte sich so schliessen wird. Bedingt aber, dass wir eben wirklich jeden Tag reinigen und stopfen. Puh.

Nach einigen Waldspaziergängen haben wir es dann mit Sattel versucht und Serenata ist brav gelaufen. Als eine Wandererin auf einem Baumstrunk ihr Picknick genoss und wir uns ihr von hinten näherten, war sie Grund für grosse Aufregung. Serenata fürchtete sich vor ihr, machte einen kleinen Sprung zur Seite und schnaufte laut und hastig. Es dauerte einen Moment, bis ihr klar war, dass das ein gewöhnlicher Mensch ist und keine Gefahr von ihm ausgeht.

Etwas Schwierigkeiten bereitet uns der Drang zum Fressen unterwegs. Wir haben versucht, ihr das Fressen an einer bestimmten Stelle und einen bestimmten Moment zu erlauben – das Gras ist ja so was von frisch und saftig! Allerdings nützt sie das aus und lässt sich kaum noch davon trennen. Da müssen wir uns in Klarheit und Strenge üben!

Inzwischen ist auch noch die Pferdechiro Serenatas Becken richten gekommen. Evtl. hat sie sich bei einem Sturz (ungebremster Galopp zur Weide 🙂 ) verletzt oder sich sonst irgendwie eine Blockade geholt. Wir haben einen Trainingsrückstand aufzuholen, da wir sie nicht zu fest belasten wollten. Nach grünem Licht der Chiro geben wir jetzt etwas mehr Gas.

Serenata hat das Arbeiten nötig, sie scheint viel Energie zu haben 🙂 das ist ja schön, aber manchmal etwas anstrengend, wenn sie subito zur Futterstelle drängt oder auf die Weide oder eben im Wald zum Gras. Vielleicht hat sie ja wirklich ein Trauma von Futtermangel am früheren Ort.

Gestern haben wir uns bereit gemacht, mit ihr im Wald einen Reitspaziergang zu unternehmen, haben sie gesattelt und mit Insektenspray eingedeckt. Blamablerweise fand ich dann aber keinen geeigneten Platz um aufzusitzen, wo nicht wunderbares Gras lockte. Keinen Moment stand sie still, die Bremsen machten sie tanzen (sie weiss ja nicht, dass das Mittel sie abhalten wird) und sie pöbelte uns dermassen an, dass ich es für gescheiter hielt, das Experiment zu verschieben. Im Fliegen bin ich schlecht, und das Risiko ist mir zu gross. Gescheiter noch einige Male auf Platz üben.

Neues Problem

Serenata leidet an Strahlfäule in der mittleren Strahlenfurche, das ist eine bakterielle Erkrankung des Strahls, eines Teils des Hufs. Der Hufschmied hat sie untersucht, weil wir noch nicht wissen, ob wir Serenata mit Hufeisen ausstatten oder sie barhuf lassen wollen. Nun sollen wir an dreien ihrer Hufe zuerst mit Gaze ausputzen und dann Gaze in die offene Stelle, d.h. in die mittlere Strahlenfurche, stopfen, so dass sie austrocknet – und das jeden Tag. Strahlfäule ist auf mangelnde Hufpflege zurückzuführen und führt im schlimmsten Fall zu Lahmheit…

Da Serenata noch gerade nicht so unkompliziert den Huf hebt und uns in der Hand lässt, gerät das Ganze zur Gedulds- und Machtprobe. Immer wieder sind wir froh, dass Daniela gegenwärtig ist und hilft. Wir haben auch gesehen, wie streng sie werden kann, wenn ein Pferd sich auf einen Machtkampf einlassen will. Vielleicht gibt sie ja das Bein, aber sie lässt sich bitten, und wenn es ihr reicht, will sie es sofort abstellen. Sie kann auch voll auf einen drauf liegen, wenn sie ein Bein hebt, und das kann gefährlich werden. Das wollen wir auch lernen, uns durchzusetzen. Es braucht schon Mut und auch Kraft, das Bein in der einen Hand zu halten und mit der anderen Hand im Strahl herumzustochern, während Serenata mit allen Mitteln versucht, ihren Huf wieder auf den Boden zu bekommen. Mein Mann hat ja schon eine Erfahrung mit einem Schlag an die Augenbraue und keine Lust, diese zu wiederholen.

Auf dem Platz haben wir weiter geübt, Serenata fortzuschicken und sie dann zu uns kommen zu lassen. Ich bin immer sehr berührt, wenn ich ihre Nase an meiner Schulter fühle und sie dann bereit ist, mir in Schlangenlinien durch das Viereck und um die Kegel herum zu folgen. Es erfüllt mich mit Wärme und Wohlgefühl, mit Serenata zusammenzusein und mit ihr zu arbeiten.

Ich habe wieder mit dem Gedanken gespielt, einen Reitversuch zu unternehmen. Vielleicht nicht gerade auf Serenata, die immer noch verunsichert ist und sich nur mit grossem Widerstand von der Herde trennen lässt, in der sie noch immer ihr Plätzli sucht. Die eine Stute ist jetzt nicht mehr da, an deren Stelle neu ein freundlicher Riese von einem Wallach. Die Rangspiele werden also noch andauern. Insgesamt geht es Serenata aber auf jeden Fall schon viel besser 🙂