Pflege

Heute war für Farah ein beschäftigter Tag. Zuerst hatte sie Reitstunde im Schnee und stakste etwas unbeholfen durch die wieder ungewohnte Landschaft. Sorgfältig testete sie, ob es rutschig sei und trat zuerst ganz vorsichtig auf. Allerdings gab es noch einen weiteren Grund für ihr verhaltenes Auftreten: der Rücken war verspannt, und die Hufe waren auch unbedingt zu machen.

Zum Glück konnten sich die beiden Hufpfleger den heutigen Tag den Pferden bei uns in Matzenried widmen. Sie arbeiten gründlich und sorgfältig und gaben Farahs Hufen einen neuen Schliff, der sie vor allem auf der Hinterhand etwas entlasten soll, weil die Knie etwas instabil sind. Bei dieser Behandlung war sie lammfromm und hielt perfekt still.

Dann war die Reihe noch an der Chiro/Osteopathin, die mit gezielten Griffen Farahs Rücken manipulierte und sie von Verspannungen löste. Das fand sie dann weniger toll und sie versuchte, sich zu lösen oder auszuweichen – oder zumindest der Chiro ihre Meinung klar mitzuteilen. Wahrscheinlich war sie mit jemandem rückwärts kollidiert, was mich nicht wundert, denn sie ist noch immer am Finden ihres Platzes in der Herde und teilt nach vielen Seiten aus, bzw steckt von vielen Seiten ein. Kein einfaches Pferdeleben, wenn man nicht zufrieden ist mit seinem Platz in der Rangordnung!

Neues Problem

Serenata leidet an Strahlfäule in der mittleren Strahlenfurche, das ist eine bakterielle Erkrankung des Strahls, eines Teils des Hufs. Der Hufschmied hat sie untersucht, weil wir noch nicht wissen, ob wir Serenata mit Hufeisen ausstatten oder sie barhuf lassen wollen. Nun sollen wir an dreien ihrer Hufe zuerst mit Gaze ausputzen und dann Gaze in die offene Stelle, d.h. in die mittlere Strahlenfurche, stopfen, so dass sie austrocknet – und das jeden Tag. Strahlfäule ist auf mangelnde Hufpflege zurückzuführen und führt im schlimmsten Fall zu Lahmheit…

Da Serenata noch gerade nicht so unkompliziert den Huf hebt und uns in der Hand lässt, gerät das Ganze zur Gedulds- und Machtprobe. Immer wieder sind wir froh, dass Daniela gegenwärtig ist und hilft. Wir haben auch gesehen, wie streng sie werden kann, wenn ein Pferd sich auf einen Machtkampf einlassen will. Vielleicht gibt sie ja das Bein, aber sie lässt sich bitten, und wenn es ihr reicht, will sie es sofort abstellen. Sie kann auch voll auf einen drauf liegen, wenn sie ein Bein hebt, und das kann gefährlich werden. Das wollen wir auch lernen, uns durchzusetzen. Es braucht schon Mut und auch Kraft, das Bein in der einen Hand zu halten und mit der anderen Hand im Strahl herumzustochern, während Serenata mit allen Mitteln versucht, ihren Huf wieder auf den Boden zu bekommen. Mein Mann hat ja schon eine Erfahrung mit einem Schlag an die Augenbraue und keine Lust, diese zu wiederholen.

Auf dem Platz haben wir weiter geübt, Serenata fortzuschicken und sie dann zu uns kommen zu lassen. Ich bin immer sehr berührt, wenn ich ihre Nase an meiner Schulter fühle und sie dann bereit ist, mir in Schlangenlinien durch das Viereck und um die Kegel herum zu folgen. Es erfüllt mich mit Wärme und Wohlgefühl, mit Serenata zusammenzusein und mit ihr zu arbeiten.

Ich habe wieder mit dem Gedanken gespielt, einen Reitversuch zu unternehmen. Vielleicht nicht gerade auf Serenata, die immer noch verunsichert ist und sich nur mit grossem Widerstand von der Herde trennen lässt, in der sie noch immer ihr Plätzli sucht. Die eine Stute ist jetzt nicht mehr da, an deren Stelle neu ein freundlicher Riese von einem Wallach. Die Rangspiele werden also noch andauern. Insgesamt geht es Serenata aber auf jeden Fall schon viel besser 🙂