Ritt ungeführt

Letzte Woche sind wir in einer Gruppe von drei Reiterinnen und mit der Stallbesitzerin losgezogen. Den Weg bis zum Wald haben wir zu Fuss zurück gelegt, danach bin ich im Wald aufgestiegen. Zügel in die Hand und los 🙂

Ehrlich – ein kleines bisschen aufgeregt war ich am Anfang schon, aber ich weiss ja, Serenata wird nicht frech überholen, sondern schön hinter den anderen bleiben, und so konnte ich die Zügel locker lassen und sie einfach lostrotten lassen. Die beiden anderen waren sehr gemächlich unterwegs und ich spürte, dass Serenata schon mehr Schritt geboten hätte, hätte sie dürfen – und ich hätte es auch schön gefunden!

Auf dem steinigeren Weg tritt sie manchmal noch etwas unsicher auf, bis zur Ankunft in Matzenried war sie ja beschlagen. Wegen der Gruppenhaltung verzichten wir auf das Beschlagen, auch vorne, und wir versuchen, ob es ohne Schuhe geht und beobachten, wie sich die Hufe weiter entwickeln.

Ich konnte mich gut entspannen, und ich spürte, wie auch Serenata ganz locker und vertrauensvoll ging. Den Weg kennt sie ja nun bereits, und die Fussgängerinnen mit Stöcken, die uns begegneten, beachtete sie nicht einmal, auch das Paar mit Hund kreuzten wir völlig problemlos. Ich habe eine riesige Freude an Serenata. Der fantastisch milde und sonnige Herbsttag hat noch das Seine zu diesem schönen Erlebnis beigetragen.

Neues Problem

Serenata leidet an Strahlfäule in der mittleren Strahlenfurche, das ist eine bakterielle Erkrankung des Strahls, eines Teils des Hufs. Der Hufschmied hat sie untersucht, weil wir noch nicht wissen, ob wir Serenata mit Hufeisen ausstatten oder sie barhuf lassen wollen. Nun sollen wir an dreien ihrer Hufe zuerst mit Gaze ausputzen und dann Gaze in die offene Stelle, d.h. in die mittlere Strahlenfurche, stopfen, so dass sie austrocknet – und das jeden Tag. Strahlfäule ist auf mangelnde Hufpflege zurückzuführen und führt im schlimmsten Fall zu Lahmheit…

Da Serenata noch gerade nicht so unkompliziert den Huf hebt und uns in der Hand lässt, gerät das Ganze zur Gedulds- und Machtprobe. Immer wieder sind wir froh, dass Daniela gegenwärtig ist und hilft. Wir haben auch gesehen, wie streng sie werden kann, wenn ein Pferd sich auf einen Machtkampf einlassen will. Vielleicht gibt sie ja das Bein, aber sie lässt sich bitten, und wenn es ihr reicht, will sie es sofort abstellen. Sie kann auch voll auf einen drauf liegen, wenn sie ein Bein hebt, und das kann gefährlich werden. Das wollen wir auch lernen, uns durchzusetzen. Es braucht schon Mut und auch Kraft, das Bein in der einen Hand zu halten und mit der anderen Hand im Strahl herumzustochern, während Serenata mit allen Mitteln versucht, ihren Huf wieder auf den Boden zu bekommen. Mein Mann hat ja schon eine Erfahrung mit einem Schlag an die Augenbraue und keine Lust, diese zu wiederholen.

Auf dem Platz haben wir weiter geübt, Serenata fortzuschicken und sie dann zu uns kommen zu lassen. Ich bin immer sehr berührt, wenn ich ihre Nase an meiner Schulter fühle und sie dann bereit ist, mir in Schlangenlinien durch das Viereck und um die Kegel herum zu folgen. Es erfüllt mich mit Wärme und Wohlgefühl, mit Serenata zusammenzusein und mit ihr zu arbeiten.

Ich habe wieder mit dem Gedanken gespielt, einen Reitversuch zu unternehmen. Vielleicht nicht gerade auf Serenata, die immer noch verunsichert ist und sich nur mit grossem Widerstand von der Herde trennen lässt, in der sie noch immer ihr Plätzli sucht. Die eine Stute ist jetzt nicht mehr da, an deren Stelle neu ein freundlicher Riese von einem Wallach. Die Rangspiele werden also noch andauern. Insgesamt geht es Serenata aber auf jeden Fall schon viel besser 🙂