Eisige Zeiten

Es ist kalt, sehr kalt geworden. Unser Reitplatz ist blockgefroren. Eine Bodenarbeit am letzten Mittwoch war nur noch eingeschränkt möglich. Die Reitstunden vom Montag haben wir kurzerhand zu einem Ausreiten mit Begleitung von Vera umgepolt. Die grösseren Wege sind eisig, Autos und Traktoren haben den Boden festgepresst, und es haben sich dicke Eispanzer gebildet. Am Rand der grossen Wege und auf kleinen Pfaden konnten wir gut reiten. Im Schritt, versteht sich. Nach einer gewissen Angewöhnung haben die Pferde Lust auf mehr bekommen. Gut, dass wir mit Vera eine versierte Begleiterin hatten, die die Ansätze zu Übermut im Keim erstickte….

Heute habe ich mit Franziska/Yakout einen Waldspaziergang auf der andern Seite gemacht. Reiten wäre abenteuerlich, besonders mit der trächtigen Yakout. Die Glätte macht die werdende Mutter vorsichtig. Auch hier konnten wir auf kleinen, reizvollen Pfaden den Winterwald geniessen! Etliche kleine Baumstämme lagen quer über den Weg. Unsere beiden Pferde sind ganz cool geblieben und problemlos auch über Stämme mit spitzen Ästen marschiert. Bravo!

Schon 1 Jahr

Ende November ist es 1 Jahr her, dass ich in Matzenried Verträge unterschrieben habe – den Kaufvertrag für Farah sowie den Pensionsvertrag. Es war eine leichte Entscheidung, denn so bald ich mit Farah angefangen hatte zu arbeiten, war mir klar, dass sie gut zu mir passt und wir eine Menge Spass zusammen haben würden. Zwar macht sie auch nicht immer alles ganz genau nach meinen Wünschen, aber wenn ich insistiere, ist sie viel schneller bereit einzulenken, als dies mit Serenata der Fall war.

Soll man mit über 60 noch ein Pferd kaufen? Es gibt sicher viele Faktoren, die beim Entscheid eine Rolle spielen. Wir – mein Mann und ich – haben es jedenfalls nicht bereut. Es geht zwar ein beträchtlicher Teil des Haushaltbudgets nach Matzenried (Pension, Ausbildung, Anschaffungen, medizinische Leistungen, Hufpflege), dafür bekommen wir intensive Selbstschulung 🙂 und dazu ein weites Feld für Freizeitbeschäftigung.

Ich möchte Farah nicht mehr missen, sie ist mir sehr ans Herz gewachsen! Und natürlich Serenata auch – und mein Mann sagt auf jeden Fall dasselbe 🙂

Pflege

Heute war für Farah ein beschäftigter Tag. Zuerst hatte sie Reitstunde im Schnee und stakste etwas unbeholfen durch die wieder ungewohnte Landschaft. Sorgfältig testete sie, ob es rutschig sei und trat zuerst ganz vorsichtig auf. Allerdings gab es noch einen weiteren Grund für ihr verhaltenes Auftreten: der Rücken war verspannt, und die Hufe waren auch unbedingt zu machen.

Zum Glück konnten sich die beiden Hufpfleger den heutigen Tag den Pferden bei uns in Matzenried widmen. Sie arbeiten gründlich und sorgfältig und gaben Farahs Hufen einen neuen Schliff, der sie vor allem auf der Hinterhand etwas entlasten soll, weil die Knie etwas instabil sind. Bei dieser Behandlung war sie lammfromm und hielt perfekt still.

Dann war die Reihe noch an der Chiro/Osteopathin, die mit gezielten Griffen Farahs Rücken manipulierte und sie von Verspannungen löste. Das fand sie dann weniger toll und sie versuchte, sich zu lösen oder auszuweichen – oder zumindest der Chiro ihre Meinung klar mitzuteilen. Wahrscheinlich war sie mit jemandem rückwärts kollidiert, was mich nicht wundert, denn sie ist noch immer am Finden ihres Platzes in der Herde und teilt nach vielen Seiten aus, bzw steckt von vielen Seiten ein. Kein einfaches Pferdeleben, wenn man nicht zufrieden ist mit seinem Platz in der Rangordnung!

Galoppübungen

Langsam wird es spannend… Serenata und ich haben uns gut aneinander gewöhnt. Bei der Bodenarbeit sind die Übungen „Tempowechsel“ und „auf der Spur laufen im Trab“ mittlerweile recht gut gelungen. So habe ich mit Daniela und auch allein den Galopp an der Longe geübt. Das ist noch ein Übungsfeld, aber eines, das Spass macht. Serenata ist mitunter recht feurig und mit grosser Energie bei der Sache. Vorletzten Mittwoch gelangen mir auf rechte und linke Hand je zwei Runden mit problemlosem Anspringen! Letzten Mittwoch haben wir mehr Mühe gehabt 😦 Heute übte ich Reiten mit Daniela und das Galoppanspringen. Nach einigem Überlegen, was der Georg da wohl wolle, hat Serenata Vollgas gegeben und mit dem Hinterwagen so richtig gebockt! Liess sich aber schnell beruhigen und zumindest das Anspringen ist auf beiden Seiten geglückt. Jetzt ist es an mir, sie weiterlaufen zu lassen und nicht mit falscher Haltung zu bremsen. Ich freue mich auf die kommenden Übungen. Mit Danielas Tipps gelingt das hoffentlich bald….

Neuer Zaum

Auf Anraten der Stallbesitzerin Daniela habe ich nun doch einen neuen Zaum mit Trense besorgt. Nach sagenhaften 4 Monaten Lieferzeit ist das Prachtsteil von Deuber endlich eingetroffen und macht mir eine grosse Freude. Farah kaut allerdings etwas unerfreut darauf herum, wohl hat sie in Marokko mit dem Gebiss eher schlechte Erfahrungen machen müssen. Die Trense ist eher dünn und doppelt gebrochen. Ich gebe mir grosse Mühe, sie damit nicht allzu sehr zu belästigen. Aber wenn ich – hoffentlich bald – wieder mit ihr im Gelände unterwegs sein werde, gibt mir diese Zäumung etwas zusätzliche Sicherheit.

Flegeln

Heute wollte ich Farah zum Longentraining holen. Die grosse Stutenherde, zu der mittlerweile auch Serenata gehört, gruppierte sich um die zwei Heuraufen und alle waren mit Fressen beschäftigt. Ich liebe dieses Geräusch, das mampfende Pferde machen, es erfüllt mich mit Zufriedenheit und heitert mich auf!

Ich rief, schon von weitem, wie ich es immer mache, nach Farah. Diese ignorierte mich vollkommen – ja, sie rannte sogar fort, als ich sie bei der Heuraufe aufhalftern wollte. Kaum näherte ich mich, rannte sie davon und/oder versteckte sich hinter einer Kameradin, so dass ich mehrere Minuten brauchte, um ihr nahe zu kommen. Ich versuchte es dann mit Strenge, und schliesslich bequemte sie sich in meine Nähe, nahe genug, dass ich ihr den Strick um den Hals legen konnte. Danach trottete sie brav mit mir zur Anbinde.

Seit sie mit der Hierarchie in der Stutengruppe beschäftigt ist, folgt sie mir etwas weniger gern – als würde sie in der Zwischenzeit etwas nicht verpassen wollen. Es hat sich ja auch einiges verändert seit dem Sommer, und Farah sucht immer noch ihren Platz. Vielleicht wollte sie mir auch den Finger zeigen, weil ich seit Samstag nicht mehr bei ihr war. Mir tat es leid, dass wir am Montag den Reitunterricht sausen lassen mussten, aber manchmal geht es halt nicht anders. Ich sehe schon, einmal mehr, mehr Dezidiertheit kann bestimmt nicht schaden 🙂

Die Reitbeteiligung ist inzwischen mit Farah im Wald unterwegs gewesen, auch in Trab und sogar Galopp. Das habe wunderbar geklappt und macht mich froh. Hier zur Abwechslung mal ein Bild der prächtigen Herbstnatur.

Fortschritt

Farah und ich sind daran, uns aneinander zu gewöhnen. Und Farah gewöhnt sich langsam an Formen, die unsere Zusammenarbeit erleichtern 🙂 Dazu gehört, dass sie bei der Pflege stillsteht, brav die Hufe gibt, nicht immer bettelt. Ich gebe mir Mühe, sorgfältig mit ihr zu sein, nicht an den Beinen zu reissen, nicht am Behang zu rupfen, den Sattel fein aufzulegen, die Gurten mit Gefühl anzuziehen.

Wenn ich aufsteige, soll Farah ganz still stehen. Und das üben wir jetzt immer und immer wieder. Es braucht meine Geduld! Aber wird sich lohnen, vor allem wenn wir dann wieder im Gelände unterwegs sein werden.

Mit dem Traben geht es nun schon recht gut, Farah merkt, dass sie im Trab bleiben soll, und ich kann mittlerweile sogar ihr Tempo regulieren. Das macht doch grosse Freude. Noch hält sie allerdings den Kopf weit oben, und wenn ich antrabe, versuche ich, es ganz fein zu machen. Wenn es gut ist, bleibt ihr Kopf zwar etwas hoch, geht aber nicht noch höher. Schön ist, wenn ich merke, wie sie anfängt zu schwingen.

Wenn Farah vom langen Traben müde wird, fängt sie an, mit dem Kopf zu schlagen. Das sei etwas die Eigenheit der Araber, meint die Reitlehrerin. Ich versuche, es zu ignorieren und einfach etwas zu treiben. Es gibt für uns zwei noch Vieles zu lernen!

Herbstweide

Jeden Herbst stehen den Pferden im Stall Arîj el Fouad die grossen Weiden zur Verfügung, nachdem das Emd gewonnen wurde. Die Weiden sind für die Pferde jeweils eine wunderbare Abwechslung, denn sie kommen nachts nicht auf den Hof zurück, sondern bleiben auf den Weiden und nutzen die dortigen Unterstände bei Bedarf. Farah war letztes Jahr auch schon dort, aber da war sie noch nicht mein Pferd.

Vom Hof zur Weide ist vielleicht 1 km Weg auf der Strasse zurück zu legen, wobei diese Strasse nicht besonders stark befahren ist. Trotzdem löst der Umzug etwas Aufregung aus, weil nichts passieren soll und nicht alle Tiere gleich geübt sind, vom Hof weggeführt zu werden. Insbesondere die Fohlen können sich recht störrisch anstellen, wenn der Wegrand für sie zum Fürchten aussieht – vielleicht ein Randstein, ein Bord mit anderem Bewuchs oder irgendetwas, was sich uns nicht erschliesst, kann ihnen Angst machen.

Wir führten zuerst die neuen Pferde aus Marokko auf ihren Teil der Weide, danach die Stutenherde mit den Fohlen und mit Farah auf ihren Teil. Zuerst grasten alle ganz gemächlich (Bild). Dann begann Farah zu galoppieren, die ganzen Stuten und Fohlen hinterher zu einer wilden Jagd übers ganze Gelände bis zum Zaun der Marokkanerinnen, die schon alle zum Gucken aufgereiht dort standen. Dann konnte die Jungstute Kounouz, deren Fohlen soeben abgesetzt worden war, nicht mehr an sich halten und wollte zu den Fohlen auf der anderen Weide. Sie durchbrach den Zaun zwischen den Weiden und die ganze Herde war auf einmal versammelt! Spontanintegration! (https://youtu.be/RlVivo7y-Io)

Wir standen noch eine Weile auf der Weide um zu beobachten, ob das auch gutgehe. Da das Gelände genügend Platz bietet, sah es danach aus, als würden die neuen Begegnungen friedlich ablaufen. Einzig zwei Stuten machten Kounouz klar, wer über die Fohlen zu wachen habe.

Wenn wir arbeiten oder reiten wollen, nehmen wir es nun für diese Zeit auf uns, diesen 1 km weit zu wandern, um unser Tier von der Herbstweide zu holen. Dafür rechne ich für hin und zurück 1/2 Stunde. Als ich am Sonntag Farah holte, um mit meinem Mann und Serenata Reitunterricht zu geniessen, rechnete ich genügend Zeit ein, weil ich mich darauf vorbereitete, dass Farah nicht so ohne weiteres mit mir kommen würde und ich weit über die Weide gehen müsse. Vorsichtshalber packte ich einen Apfel und ein paar Leckerli ein, damit ich sie anlocken und dann genügend Zeit hätte, sie aufzuhalftern.

Die Befürchtungen waren ganz unbegründet. Alle Pferde liefen auf mich zu, als ich die Weide betrat. Farah genoss natürlich ihren Apfel trotzdem 🙂 – und dann folgte sie mir ganz brav und ohne zu zögern. Die anderen Stuten und die Fohlen allerdings auch! Da sich der Weidezaun direkt gegen die Strasse öffnet, dachte ich schon, ich müsste die anderen Pferde dann energisch davon abhalten, mit zu kommen. Aber die liessen uns dann auch ohne weiteres ziehen und so kam ich problemlos zum Stall.

Der Hengst Rifaï, dessen Gehege der Strasse entlang führt, war nach dem Reitunterricht dann allerdings verantwortlich dafür, dass Farah sich weigerte, mit mir zurück zur Herbstweide zu kommen. Bockstill stand sie mitten auf der Strasse und liess sich von Rifaï umwerben. Es brauchte meinen Mann, um mir zu helfen, von da weg zu kommen.

Wasserspiele

Farah ist so ein spassiges cooles Pferd. Nach meiner Übungseinheit haben wir geschaut, ob sie sich duschen lässt. Die Reitbeteiligung Muriel hat sie gehalten und ich habe ihr den Schlauch erst zeigen wollen. Und was macht sie? Sie nimmt das Ende in den Mund und fängt an zu saugen und mit dem Wasser zu spielen (das Bild ist von einem Video) 🙂

Reiten :)

Nach mehr als einem halben Jahr sitze ich wieder auf Farah. Sie hat in der Zwischenzeit mit den Reitbeteiligungen – zuerst Jana, nach deren Unfall Muriel – sehr gut gearbeitet. Ich kann ganz fein steuern, und es fühlt sich wunderbar an.

Ich bin angesprochen worden darauf, ob es denn für mich kein Problem darstelle, wieder auf das Pferd aufzusteigen, das mir davonrennen wollte, und von dem ich noch kurz vor dem Abhauen „fliegend“ abgestiegen bin. Ein Sturz ist natürlich kein schönes Erlebnis, und die Bilder davon sind in meinem Kopf, ich kann sie nicht beiseiteschieben. Jedoch habe ich auch die Erfahrung machen dürfen, dass nicht jeder Sturz gleich einer Katastrophe gleichkommt, und das hat mir auch Angst genommen.

Es war nicht der Fehler von Farah, sondern meiner. Ich konnte ihr nicht die nötige Sicherheit geben. Und sie hat in der Zwischenzeit gelernt, gemütlich zu traben und – noch wichtiger – wenn sie Unsicherheit spürt, nicht wegzurennen, sondern zu verlangsamen, bzw anzuhalten. Das wiederum ist gut für mich, denn ich bin ja zunächst auf dem Pferd nicht völlig entspannt gewesen 🙂

Wir beginnen nun wieder, uns gegenseitig zu finden. Ich habe als erstes unter dem Kommando meiner Reitlehrerin viele kleine Volten geritten und Schlangenlinien im Schritt. Natürlich machte mich das schon wieder etwas übermütig, und ich versuchte auch den Trab. Eigentlich kenne ich Farah und ihren Schritt noch gar nicht so gut, weil wir wenige Übungseinheiten miteinander gearbeitet haben. Nun geht es jedenfalls vorwärts. Ganz energiegeladen habe ich sie versorgt und mich für den Rest des Tages grossartig gefühlt!