Jetzt habe ich mehrere Tage hintereinander mit Serenata verbracht. Zuerst ein Reiten im Viereck, dann Waldreiten im Forst und heute noch Bodenarbeit. Sie hat sich zu einem ganz tollen Pferd entwickelt. Vom Vorbereiten über die Übung/das Reiten bis zum Absatteln und Pflegen ist sie ruhig, konzentriert, freudig, willig. Ich hatte auch immer das Gefühl, dass sie uns fast nicht gehen lassen will….ja ich weiss, die Pferdeprofis lächeln weise aber ich habe da meine eigene Ansicht. Schon in Spanien, als ich meinen 14 Tage crash Kennenlernkurs machte, fühlte ich dieses Band. Es macht mich glücklich zu spüren, dass es zwischen uns wieder stimmt. Es ist grosses Vertrauen gewachsen. Dank unseren Lehrerinnen Daniela und Trix, die uns die nötige Sicherheit vermitteln aber auch dank Serenatas tollem Charakter. Sie braucht keine harte Hand, nur Konsequenz und Zuneigung. Und wenn bei mir die Freude schäumt, da ist sie nicht mehr zu halten. Herrlich!!
Kategorie: Allgemein
Wie schön
Wenn ich denke, wie lange ich davon geträumt habe, mit meinem eigenen Pferd durch den Wald zu reiten, an einem sonnigen Tag, auf Wegen, die fast menschenleer sind – und dass dieser Traum jetzt Wirklichkeit ist, dann kann ich es manchmal immer noch kaum glauben. Und Serenata ist so ein wunderbares Pferd noch dazu 🙂
Ich hatte heute riesige Freude, die noch lange nachhallte, als wir wieder zu Hause waren. Dabei verlief nicht alles „mustergültig“: Mehr als einmal schreckte Serenata kurz wegen eines mir nicht sichtbaren Monsters, vielleicht auch wegen eines Geruchs, traute sich nicht durch die Pfützen und legte anfangs vom Stall weg den Schongang ein. Auch die Begegnung mit zwei Reiterinnen, die uns von hinten aufholten, war nicht ganz einfach. Am liebsten hätte sich Serenata hinter denen angehängt und es brauchte meine Konzentration und Überzeugungskraft, um sie davon abzuhalten. Die zwei Reiterinnen setzten ihren Weg noch einen Moment im Schritt fort aus Rücksicht auf mich, aber Serenata zeigte ihr spanisches Blut, krümmte den Hals und warf den Kopf hin und her – wow, in der steckt doch Temperament! Ich musste gar nichts mehr tun, so flott war mit einem Mal ihr Schritt.
Aber es lief mir gut, ich konnte gut traben und wieder in Schritt übergehen, anhalten und zwei Mal sogar wenden und auf meinen Mann zu reiten. Jetzt ist dann wirklich mal ein längerer Ausritt mit einem weiteren Pferd angesagt, damit mein Mann nicht so angestrengt nebenher gehen muss 🙂
Wiedersehen
Wir haben 9 Tage in Marokko verbracht und sind mit Benjamin von Casablanca über Rabat, Meknes, Fes, Chefchaouen nach Tanger gereist. Serenata durften wir den kompetenten Händen der Stallbesitzerin und ihrer Mitarbeiterin überlassen. Es ging ihr gut und sie wurde beübt 🙂
Nach einem eher kürzeren Ritt gestern – mein Mann ritt, ich mit zwei Beinen hinter den vieren von Serenata her – stellten wir fest, dass Serenata jetzt so richtig kräftig und motiviert ist, so dass wir bald einen Ausritt mit Pferde- statt Fussgänger/innen-Begleitung wagen können. Darauf freuen wir uns sehr.
Heute haben wir sie auf dem Platz beübt, die üblichen 8 Kegel aufgestellt und sie darum herum gehen lassen – immer abwechslungsweise aussen- dann wieder innenherum. So jedenfalls der Plan. Serenata schien heute etwas intensivere Bitte zu brauchen, ich hatte sie ja auf der Weide beim Schlafen gestört. Das war ein schönes Bild: Serenata schlief, wohlig ausgestreckt in der Sonne, und die Herde stand um sie herum und bewachte sie.
Es ist mir heute weniger gut gelungen als auch schon, die Figuren schön mit ihr zu machen. Während es mir linksherum viel besser gelingt, macht rechtsherum mehr Schwierigkeiten, so dass ich einen um den anderen Pylonen verfehlte und Serenata machte ein bisschen, was ihr gefiel. Immer wieder bin ich mit meiner Durchsetzungskraft gefordert und ich merke, wenn ich zu wenig energisch hinstehe für das, was ich will und wie ich es will, dann gelingt die Übung weniger gut.
Cool bleiben
Auf unserem heutigen Ritt durch den Forst haben wir mehr als eine herausfordernde Begegnung gehabt. Mein Mann ist nebenher gegangen mit Sämi und ich bin geritten. Serenata war heute, wie schon gestern beim Training auf dem Platz frühlingsmüde, sie brauchte viel Antrieb schon auf dem Weg zum Wald. Vielleicht kam es mir zugut, dass sie nicht schon ganz zapplig war, als wir starteten.
Auf unserem gewohnten Weg im Wald kam uns zuerst ein Vierspänner entgegen. So etwas hatte Serenata wohl noch nie gesehen, und sie schnaufte laut und drehte aufgeregt den Kopf in Richtung dieser vier Pferde und dem Monster, das sie hinter sich her zogen. Zuerst ging ich mit ihr vom Weg ab und blieb stehen. Der Kutscher jedoch, der Serenata ansah, wie ungeheuer ihr das alles war, meinte dann, vielleicht sei es besser, wenn er anhalte und ich weiterreite. Das verlief dann doch recht problemlos, und ich war ja so stolz auf meine Schöne 🙂
Weiter kam uns auf dem Weg eine Reiterin entgegen, und genau an der Stelle, an der wir hätten kreuzen sollen, hielt ein Mann am Wegrand und hielt seinen Hund fest. Hätte ich gekreuzt mit der Reiterin, hätten wir uns wohl berührt, und das wollte ich natürlich nicht riskieren. Ich hielt also vor dem Mann mit Hund an und liess die Reiterin vorbei. Aber da hatte Serenata nichts anderes mehr im Sinn als der hinterher, und ich konnte sie kaum noch wenden, seitlich machte sie zwei Schritte auf den Mann mit dem Hund zu, zu dem sich auch noch mein Mann mit Hund gesellt hatte, und ich sah Sämi unter Serenata verschwinden und laut aufjaulen. Herrjeh! „Ich bin mit Serenata voll beschäftigt und kann nicht auch noch auf Sämi aufpassen“, rief ich, aber es ging irgendwie, ganz ohne Verletzte. Puh!
Dann hatten wir Zeit für einige Intervallübungen, Schritt-Trab-Schritt-Trab. Die Reitlehrerin hatte uns dies empfohlen als Training für Serenatas Muskulatur. Das ging sehr gut, bis sich Serenata dauernd versuchte, quer zu stellen um nach hinten zu gucken. Und da kam ein Trupp Reiter näher, sicher 4-5 Leute. Eigentlich wollte ich ja meinem Mann nicht davonreiten und umkehren, aber als ich realisierte, dass eine Reiterschaft im Anzug war, versuchte ich nach vorn wegzutraben, was gar nicht einfach war. Serenata hätte sich am liebsten denen hinten angeschlossen, was sie ja von der Ranch, wo sie herkommt, gewohnt ist.
Eingangs Wald stieg ich dann ab, weil es mir zu hektisch wurde und führte Serenata die Strasse Richtung Stall. Und da noch ein Zwischenfall: Serenatas Beine traten plötzlich gegen meine, beinahe hätte ich den Halt verloren und ich spürte einen heftigen Schmerz unter der rechten Wade. Was war das denn? Mein Mann meinte, Serenata hätte sich an einer Krähe erschreckt, die vom Feld auf der rechten Seite aufgeflogen war, was ich natürlich nicht sehen konnte. Zum Glück hatte ich mich, trotz der Wärme, für die Winterstiefel entschieden, nicht die Sommerstiefel und Chaps!
Dreckspatz
Serenata scheint auf der Weide gern auf einer Seite zu liegen, und so schaut dann ein Schimmel aus, wenn die Erde nicht trocken ist, sondern schön feucht und gar nicht weggeputzt werden kann 🙂 Warten wir bis in den Frühling hinein, wenn wir sie mit dem Schlauch wieder einmal abspritzen können!
1 Jahr
So, nun ist es ein Jahr her, dass Serenata zu uns in die Schweiz gekommen ist. Ich kann mich noch gut an den Moment erinnern, als wir in Matzenried ausstiegen und unser Pferd zum ersten Mal, ich seit 4 Monaten, mein Mann seit einem Monat, wieder sahen. Und an die Gesichter der Menschen, die sich um Serenata geschart hatten. Entsetzen, Wut und Frustration waren darin zu lesen – und wir hatten schon fast die Befürchtung, mit Serenata sei vielleicht nicht mehr viel zu machen, vielleicht käme sie kaum noch auf die Beine. Ich war zu diesem Zeitpunkt ja selber noch kaum in der Lage, normal zu gehen und fühlte mich noch sehr wacklig auf den Beinen. In diesem Jahr hiess es für Serenata wie für mich, wieder auf die Beine zu kommen, Kraft zu gewinnen und neuen Lebensmut.
Wenn heute die Stallbesitzerin Serenata betrachtet, tut sie es mit Wohlgefallen. „So sieht ein schönes, gesundes Pferd aus“, sagte sie letzthin, als ich sie fragte, was sie bewege, wenn sie Serenata betrachte. Ein bisschen mehr Muskulatur an der Hinterhand könnte sie schon noch brauchen und eventuell sollten wir noch einmal mit der Pferdechiropraktikerin schauen, ob es noch etwas zu lösen gebe, weil sie im Uhrzeigersinn sehr viel weniger gern rundum geht und auch weniger gut untertritt.
Wir haben nicht nur mit Serenata viel gelernt, sondern auch für uns selbst. Wir haben mehr über unsere Persönlichkeit gelernt. Es wundert mich nicht, dass es immer mehr Menschen gibt, die pferdegestütztes Coaching anwenden oder anbieten. Ein Pferd ist immer unverstellt, unmittelbar und ehrlich. Von einem Pferd lässt sich eher die Konsequenz aus Missverständnis oder Fehlverhalten entgegennehmen als von einem Menschen – selbst wenn auch das nicht immer so Spass macht 🙂
Uns ist beiden vollkommen klar, dass wir wieder gleich handeln würden. Serenata ist cool im Gelände, neugierig, aber nicht schreckhaft, mittlerweile ganz gut erzogen 🙂 und arbeitet bei den Übungen motiviert mit. Manchmal flegelt sie noch ein bisschen, vor allem nach Training oder Ausritt, wenn es ihr mit der Belohnung nicht schnell genug gehen kann. Wir hatten eine gute Hand, sie zu wählen und freuen uns jedes Mal, sie zu sehen und mit ihr etwas zu unternehmen.
Winterspaziergang
Vor wenigen Tagen sind wir wieder einmal ohne Reiten durch den Wald. Wir haben einen neuen Weg genommen, einen, den Serenata nur in kleinen Teilen kennt. Sie ist zuerst gelassen und wie immer mit schön zügigem Schritt mit uns mitgekommen. Es ging zuerst durch einen eher etwas finsteren Teil des Waldes auf einem Weg, den sie schon gegangen ist. Danach folgte ein Stück Waldrand mit offenem Feld auf einer Seite. Hier hatte sie mich schon einmal so energisch wegbugsiert, um zu fressen, dass ich sie aus der Hand lassen musste. Diesmal schritt Georg zügig voran, und sie hatte gar nicht so viel Zeit, die vielen möglichen Feinde auf der offenen Fläche zu erspähen, auch wenn ihre Ohren und Augen die Umgebung äusserst sorgfältig abscannten.
Wir wählten danach einen Weg, der sehr naturbelassen ist, d.h. nicht gekiest und mit vielen Wurzeln und Gras. Das Wurzelwerk war etwas rutschig und an den Bäumen hing sehr viel Frost, der immer wieder herabgefallen kam wie ein eisgekühlter Wasserfall. Das machte Serenata viel Angst, und sie zögerte stark, da durchzugehen. Wir alle wurden eingenässt, aber es sah für uns Menschen wunderschön aus.
Bei der Waldhütte übernahm ich sie von meinem Mann und merkte da gleich, dass sie die Waldhütte fixierte und keinen Schritt weitergehen wollte. Was da wohl wieder so zum Fürchten war? Ich habe ja auch schon etwas mehr gelernt, liess sie einen Augenblick schauen – lang genug, um ihr nicht zu vermitteln, dass es hier echt gefährlich ist – und führte sie danach resolut weiter und es ging gut. Eigentlich wäre ich heute ja gern diesen ganzen Weg geritten, war im Nachhinein aber froh, dass wir die Herausforderungen erst mal so im Spazieren gemeistert haben. Eine steile, schmale und ebenfalls sehr bewurzelte Wegstrecke werden wir wohl nächstes Mal besser von unten nach oben bewältigen. Das dürfte zum Reiten einfacher sein. Ich freue mich schon darauf.
Training und nochmal Training
Schon bald ist ein Jahr vergangen, seit Serenata in die Schweiz gekommen ist. Viel hat sich in der Zwischenzeit in unserem Leben verändert, in Serenatas und in unserem. Viel von unserer Zeit wird durch sie und mit ihr bestimmt. Wir sind gefordert, unser Pferd zu trainieren und sie mit der Umgebung vertraut zu machen. Noch gibt es viele „erste Male“ zum Erleben und Durchstehen. Vielleicht tönt Einiges nicht so spektakulär, doch erleben wir wichtige Schritte in Richtung selbstständiges Unterwegssein mit Serenata, jedes von uns allein, was ja dann mal das Ziel wäre.
Zum Beispiel wollen wir Serenata nicht mehr vom Wald zum Hof hinunter führen, sondern mit ihr den Ritt am Hof beenden. Dabei gilt es, die Strasse zuerst zu überqueren, und dann entlang der Strasse zu reiten, an den Kuhweiden vorbei, an einem Bauernhof vorbei, wo ein grosser Berner Sennenhund wacht und immer auf uns zurennt, und wo sonst allerlei Dinge zum Fürchten sind, zum Beispiel ein Silo, in dem es manchmal rumpelt, wenn der Bauer etwas daraus bezieht, oder einen Stall, aus dem die seltsamsten Geräusche dringen oder eine Bäuerin auf einer Leiter in den Bäumchen Äste schneidet und natürlich auch monstermässig dabei aussieht. Der Verkehr ist zwar nicht gerade üppig, aber es gibt Fahrer, die kennen einfach wenig Rücksicht auf andere – Mensch und Tier – und bremsen kaum beim Vorbeifahren. Den Vogel abgeschossen hat der Fahrer eines Gefährts, das wie ein kleiner Mähdrescher aussah. Er krachte über die Strasse in den Wald hinein mit seinem Monster und nahm dabei die ganze Breite der Strasse ein. Wir hatten gerade noch rechtzeitig in einen Seitenweg flüchten können – nicht auszudenken, was bei einem Crash geschehen wäre!
Auch das Gegenteil haben wir schon angefangen, vom Hof zum Wald hoch zu reiten. Hier stellt sich die Frage nach genügend Überzeugungskraft, Serenata von ihrer Herde weg zu bringen und sie zum Schritt zu überzeugen. Beim ersten Mal wollte sie stantepede umkehren mit meinem Mann oben drauf. Bis jetzt gehen wir ja immer zu zweit, einer reitet und eine marschiert oder umgekehrt. So kann der/die auf dem Boden helfen, sollten Sitz und Schenkel Serenata zu wenig überzeugen 🙂 Es ist dann jeweils klar, wer den anstrengenderen Part macht. Serenata hat ja vier Beine 🙂 🙂
Wir erleben mit ihr auch sehr viel Spass und es ist schön, die Fortschritte zu sehen, unsere und ihre. Ich bin überzeugt, in den meisten Fällen, in denen etwas nicht klappt, haben wir etwas nicht gut gemacht. Serenata ist nämlich sehr aufmerksam, lernt schnell und ist schlau. Sie kennt die Ökonomie der Kräfte und ohne Nachdruck mag sie sich gern schonen.
Immer schöner
Vor wenigen Tagen haben wir mit Serenata wieder einmal einen Waldspaziergang gemacht ohne aufzusitzen. Wir haben einen Weg gewählt, den sie zwar schon kennengelernt hat, aber von der anderen Seite her – insofern für sie also neu. Beim metallenen Abfallkübel vor dem Hundesporthaus hat sie etwas gezögert und hat sich gaaanz vorsichtig genähert und geschnuppert. Mein Mann hat mit der Hand leicht darauf geschlagen, und es hat metallig geklungen, das war einerseits zum Fürchten, anderseits hat es aber ihre Neugierde geweckt. Ganz mutig hat sie dann ganz am Behälter dran geschnüffelt und schliesslich das Ganze für ungefährlich befunden.
Bei einem Weg entlang einer Wiese wurden neuerdings grosse Brocken Steine deponiert, wohl um das Parkieren entlang dieses Wegabschnitts zu verhindern. Ich dachte, Serenata wolle auch hier genau hinsehen, worum es sich handele. Sie macht das dann jeweilen so, dass sie den Körper schräg dazu stellt, wohl um sich den Fluchtweg frei zu halten und den Kopf schräg hinneigt. Aber interessant waren nicht die Steine, interessant war für sie die Weide dahinter 🙂 Schlaumeier.
Wir merken schon, wie Serenata langsam immer cooler wird im Gelände. Sie schaut umher, auch ein blitzschnell über den Weg rennendes Eichhörnchen vermag sie nicht mehr zu überrumpeln. Serenata schaut, ganz locker von einer Seite auf die andere, nimmt die Umgebung wahr, aber fühlt sich offensichtlich in unserer Begleitung nun schon ganz schön sicher. Das ist toll!
Wir haben ihr deshalb nicht mehr das Knotenhalfter angezogen, sondern sind mit dem Stallhalfter gegangen. Seit ich gehört habe, dass das Knotenhalfter auf die Nerven einwirkt, bin ich vorsichtig damit!
Serenata hat jetzt ein bisschen Bauch angesetzt und die Muskulatur ist auch schon gut sichtbar an Hinterhand und Rücken. Sicher lässt sich da noch einiges verbessern, woran die Stallbesitzerin fleissig arbeitet. Aber schön ist sie nun doch immer mehr! Ein Bild von einem Pferd 🙂 🙂
zum ersten Mal ohne Begleitung und Führstrick








