Verführung

Gegenwärtig sind die Wege von Schafgarben und üppigem Gras gesäumt. Für Serenata ist diese Meile die pure Verführung – etwa so, wie eine Konditorei an der nächsten oder ein Früchtestand mit gluschtigen, saftigen Früchten am anderen für uns – einfach unwiderstehlich. Entsprechend hält sie sich nach Möglichkeit – wenn wir sie lassen – eng am Wegrand und lässt keine Gelegenheit aus, schnell nach dem verführerischen Grün zu schnappen – sogar im Trab! Das stellt schon höhere Anforderungen an unsere Reitkunst, bzw. unser Gleichgewicht. Serenata hat auch schon verschiedentlich versucht, die Zügel aus der Hand zu reissen, um schnell an ein Bündel Gras oder Schafgarben zu gelangen. Je nachdem, wie lange die Fresspause schon gedauert hat, ist es ja auch begreiflich, wenn sich schon wieder ein leichtes Hungergefühl meldet, umso mehr, als sie nach wie vor das Gefühl kennt, zu wenig mit Essen versorgt zu werden. Das wird sie wohl nie los.

Wir haben auch gemerkt, dass Serenata viel mehr Energie hat als vor ein paar Monaten und haben uns bei der Stallbesitzerin erkundigt, ob wir vielleicht mit dem Kraftfutter zurückfahren wollen. Sie hat gemeint, nun hätten wir halt ein gut gefüttertes, zu Kräften gekommenes Pferd, im besten Alter, bei bester Gesundheit, das den Frühling spüre und vor Energie sprühe 🙂 Das ist ja schön und gut zu wissen, und wir können/sollen ihr nun mehr zumuten – länger reiten, mehr von ihr verlangen, sie stärker fordern. „Ihr wolltet ja keine Schlafmütze, nun habt ihr ein spritziges Pferd in den besten Jahren, freut euch“, lacht sie.

Kollision – aua

Wie fühlt es sich an, 1/4 Pferd auf dem Fuss drauf zu haben? Die schmerzvolle Erfahrung musste ich letzten Sonntag leider machen. Wir spazierten zuerst gegen den Wald, und auf dem gewählten Weg wollte mein Mann Serenata fürs Reiten bereit machen. Ich dachte, ich käme ihr nicht so nahe und trug nur meine Wildlederschuhe, da ich mit den Reitstiefeln nicht so gern lange durch den Wald stapfe. Mir fiel dann aber auf, dass die Schabracke auf der einen Seite zu weit hinten und sowieso zu eng anliegend war, und so kam es, dass mein Mann auf einer und ich auf der anderen Seite an der Schabracke zupfen wollten, wobei Serenata einen Schritt seitlich auf mich zu machte und ihren Huf voll auf meinen Fuss setzte.

Nun ja, wenigstens nicht nur auf den grossen Zeh – aber trotzdem. Es gelang mir erst nach (einer halben Ewigkeit von ca) 2-3 Sekunden, Serenata wegzustossen, ich fühlte zuerst gar nichts mehr, nach wenigen Schritten jedoch biss sich der Schmerz durch meine Eingeweide, ich dachte, ich müsste mich übergeben.

Mein Mann hatte das gar nicht so richtig mitbekommen, er sass fröhlich auf. Serenata aber war irgendwie schwer zu bändigen. Was hatte sie wohl mitbekommen? Die Runde wurde dann sehr klein, wir bewegten uns zurück zum Stall, ich bestand darauf, den Weg selbstständig zu gehen, bzw humpeln, und seither bin ich am Schonen und Salben. Gebrochen ist offenbar nichts, aber mein Zeh hat an Volumen ziemlich zugenommen und ist auf der Unterseite schwarz verfärbt. Schuhe anziehen ist einigermassen schwierig, und so lange ich so empfindlich bin, traue ich mich nicht allzu nahe an Serenata heran. Ich vermisse allerdings die Trainings und das Reiten sehr!

Pferde sind halt einfach schon grosse Tiere 🙂

Pferdeglück

Heute habe ich mich getraut, während des Reitens im Wald ein Foto zu schiessen. Wir sind dazu natürlich stillgestanden, und mein Mann wäre an meiner Seite gewesen, hätte ich das iphone fallengelassen 🙂 Wobei ich mich beim Aufsteigen im Wald auch schon verbessert habe, Serenata mittlerweile schön still steht und mir eine Erhebung von wenigen Zentimetern bereits reicht.

Ich genoss diesen Ritt ganz ausgesprochen, der Wald gehörte uns allein, nicht einmal ein Reh oder Eichhörnchen waren anzutreffen. Nur vier Reiterinnen in einer Gruppe, denen sich Serenata natürlich gern wieder angeschlossen hätte. Wir haben Traben geübt und Wenden. Wenden war bis anhin mit viel Widerstand verbunden, vor allem wenn es heimzu ging – und das weiss Serenata ja genau. Aber es klappte dieses Mal fast ganz problemlos, vier Mal konnte ich wenden und auf dem Weg wieder zurück reiten, was meinem Mann zu Gute kam, der das Tempo nicht immer mithalten konnte (4 Pferdebeine traben schneller als zwei Menschenbeine gehen).

Einmal mehr ging mir durch den Sinn, wie privilegiert ich bin. An einem gewöhnlichen Tag reite ich durch den Wald in den grossartig spriessenden Frühling hinein. Serenata ist ein fantastisch cooles Pferd geworden. Kein einziges Mal hat sie sich durch etwas erschrecken lassen. Wenn das kein Pferdeglück oder Menschenglück ist!

Blockaden lösen

Ziemlich spontan der Anruf vom Stall, die Pferde-Chiropraktorin sei in der Nähe und könnte Serenata behandeln. Wir sind froh um diesen Termin, da Serenata recht steif im Rücken ist und eine Lockerung sehr willkommen ist.

Serenata ist zuerst etwas zappelig, aber sie scheint zu merken, dass die Frau ihr etwas Gutes tut, zunehmend entspannt sie sich und hört auf, sich zu wehren. Umso mehr, als es ab und zu ein „Goodeli“ gibt für die vergleichsweise geringe Anstrengung einer Dehnung des Halses oder Neigung des Kopfes.

Feinmotorik ist nicht gerade die Stärke von Serenata, das ist uns auch schon aufgefallen. Wenn wir Dehnübungen seitlich machen, d.h. wenn Serenata gerade stehen und nur mit dem Kopf gegen die Hinterbeine biegen soll, damit sie dort aus unserer Hand eine Leckerei erhält, versucht sie nicht, fein mit den Lippen diese zu bekommen, sondern stösst gegen die Hand oder nimmt die Zähne zu Hilfe. So fällt/spickt das Leckerli irgendwo hin, und wir versuchen es mehrmals, bis sie es zu fassen bekommt. Eigentlich ja ihr Pech 🙂

Den Sattel sollten wir nun wohl auch demnächst anpassen. Und beim Reiten nicht nach hinten lehnen. Und dann können wir mit ihr noch rückwärts einen Abhang hochgehen. Das wird ja vor allem spassig!

Longieren

Heute haben wir wieder einmal ein update mit der Stallbesitzerin in Sachen Longieren genossen. Serenata ist wieder etwas steifer im Rücken und tritt zu wenig unter. Sie schont sich, und sie hat bestimmt Schmerzen beim Biegen und Untertreten. Ob wir uns – bei aller Mühe, die wir uns gegeben haben – doch zu wenig geachtet haben, dass wir die Übungen richtig, getaktet und mit schöner Biegung durchgeführt haben?

Wir führen der Stallbesitzerin und Trainerin unsere Übungen vor. Sie sind nicht perfekt, aber wir wissen jetzt, worauf wir schauen müssen und haben – zusätzlich zum um die Kegel herum Longieren – noch eine Übung mitbekommen: Zügig gehen, still stehen, zurück gehen, dann sofort wieder zügig losgehen. So muss Serenata mit den Hinterbeinen untertreten und aus dieser Position anlaufen. Das erfordert den gekonnten Einsatz der langen Gerte. Serenata muss gehorchen, aber der Einsatz der Gerte muss fein und gezielt erfolgen.

Ich habe noch ein anderes Problem: Es gelingt mir nicht, Serenata in 8en um die Kegel zu bewegen. Ich bin beim Wenden von Serenata in der Mitte der zwei Kegel zu wenig geschickt, die lange Gerte verheddert sich in der Longe beim Tauschen der Hände, ich sollte zielsicher rückwärts gehen, damit sie mir folgt, aber bis ich so weit bin, dass alles wieder gebüschelt ist, steht Serenata längstens still und weiss nicht weiter. Und ich auch nicht wirklich.

Nun spielt die Stallbesitzerin Serenata und nimmt das Ende der Longe zu sich. Ich soll sie nun um die Kegel herum leiten. Serenata ist derweil völlig verwirrt – nanu, plötzlich ist Daniela das Pferd und ich gucke zu? 🙂 Sie tritt näher, um das besser zu beobachten 🙂

Hufpflege

Eine unserer grossen Baustellen war von Anfang an die Strahlfäule. Drei Hufe waren betroffen, zum Teil waren die Furchen sehr tief und ihnen entströmte ein äusserst unangenehmer Geruch. Seit Monaten sind wir – bzw wieder mein Mann – daran, diese Fäulnis, die durch Bakterien entsteht und durch nassen Untergrund gefördert wird, zu bekämpfen mit allerlei Mitteln.

Der Hufpfleger ermahnte uns, die Furchen nicht mit besonderen Mitteln zu bestreichen/besprayen, sondern sie lediglich gründlich herauszuputzen und anschliessend ganz fest zu stopfen. Das rege die Hornbildung an und so schliesse sich die Furche mit der Zeit. Ich muss schon zugeben, es war zeitweise eine beinahe hoffnungslose Angelegenheit, vor allem den Winter hindurch, der ja nicht besonders streng und nass war, aber wo der Boden halt doch recht durchnässt war, die Hufe immer wieder durchzuputzen.

Nun zeigen sich Erfolge an zwei der Hufe, bei denen die Furche sich geschlossen hat. Nur ein Huf bleibt noch zu behandeln. Eine riesige Erleichterung!

Gute Nachrichten gibt es auch für die Frage nach Schuhen: Da sich die Hufe vom Beschlag gut erholt haben und wir regelmässig mit Serenata durch den Wald gegangen sind, wo die Wege mit grösserem und kleinerem Kies belegt sind, hat sich Serenata gutes Horn zugelegt, sodass der Huf schön fest geworden ist. Ich weiss noch, wie sie am Anfang, vor einem Jahr, auf diesen Wegen wie auf Eiern ging – wie ich, wenn ich barfuss über Kies gehen muss 🙂 – und versuchte, am Rand des Weges auf dem Gras zu gehen, jetzt tritt sie forscher und sicherer auf und wir traben über diese Wege. In dieser Beziehung haben wir Glück gehabt!

„Baustellen“

Als Serenata zu uns gekommen war, roch sie übel aus dem Mund, und die Tierärztin, die Serenatas Zähne und Zahnfleisch nur nach zweimaligem Sedieren untersuchen konnte, stellte schlimme Entzündungen des Zahnfleischs fest und warnte uns, Serenata könnte allenfalls ihre Schneidezähne verlieren, weil ihr Zahnfleisch so lange gelitten hat.

Wir begannen mit allerlei Behandlungsmethoden, waren allerdings durch die vielen weiteren Gesundheitsprobleme von Serenata mit Prioritäten anderweitig beschäftigt. Am Anfang spritzten die Praktikantinnen auf dem Hof Serenata regelmässig einen Kräutersud, schliesslich begannen wir, d.h. mein Mann dann mit dieser Aufgabe. Der Kräutersud setzt sich zusammen aus Ringelblumen, Kamille, Salbei, Himbeer und weiteren – so genau weiss ich es zugegebenermassen nicht – und wird mit einer Riesenspritze wenn möglich direkt ans Zahnfleisch gebracht. Am Anfang war das eine Tortur, denn Serenata wollte ja niemanden an ihr Maul lassen – und so spritzte die Sache auf dem halben Hof herum, in unsere Haare, auf die Kleider, auf andere Menschen, die zufällig daneben standen, eine Gaudi 🙂

Nun sehen wir, was die regelmässige Anwendung gebracht hat. Nach Üben und Ausreiten scheint Serenata jedes Mal zu fragen: und wo bleibt meine Spritze? Sie liebt den Sud und schleckt die Spritze und scheint nicht genug davon zu bekommen.

Erfolg und Rückschlag

Es gibt Tage, da geht es irgendwie nicht – nicht nach meinem Kopf – nicht nach Serenatas Kopf – oder wie auch immer. Ich habe heute eine zufriedene, gut genährte Serenata angetroffen. Sie stand still beim Putzen und machte auch beim Satteln keinen Wank. Alles schien ruhig und gelassen und versprach eine gäbige Zeit auf dem Platz. Mein Mann hatte schon ein Viereck mit Pylonen gebildet und statt auf dem Boden/vom Boden aus wollte ich reitend die Hinterhandmuskulatur trainieren: um die Pylonen herum und in einer Acht von Pylon zu Pylon und drumherum.

Dass ich dabei auch noch Spass haben würde, das habe ich dann irgendwann unterwegs vergessen. Die Herde von Serenata war direkt angrenzend ans Viereck dicht gedrängt an der Abschrankung versammelt und verfolgte interessiert bis eher schläfrig, was sich auf dem Reitplatz tut. Serenata wagte es nicht, direkt der Abschrankung entlang zu gehen oder traben, sie versuchte dauernd, auszuweichen und fing schon in der Kurve davor an, in Richtung Platzmitte einzubiegen. Die Marokkanischen Importpferde (eines davon links auf dem Bild) schauten ebenfalls neugierig zu, was sich auf dem Platz tat. Serenata und ich kämpften miteinander und ich verlor wieder einmal die Fassung. Was machte ich eigentlich falsch? Könnte ja sein, dass Serenata meine Kommandi missinterpretiert, weil sie nicht klar sind bzw meinen falschen Impulsen richtig gehorchte. Kann aber auch ein, dass sie einfach ihren Kopf durchsetzen wollte, was ja nicht ganz das erste Mal wäre 🙂

Mein Mann filmte und enthielt sich zu vieler Bemerkungen, bzw Korrekturen. Er hielt mir am Schluss einfach das Mobilgerät mit den Aufnahmen hin. Ich sah sie und sagte: Aber das sieht ja gut aus, mein Oberkörper ist ganz ruhig, meine Hände auch…

Manchmal will ich einfach zu viel – mein Kopf hat eine Idealvorstellung –