Freude pur

Vorgestern haben wir einige Pensionspferde auf die Herbstweide geführt. Zuerst ging es der Strasse entlang in einer disziplinierten Kolonne – kaum auf der einen Weide war aber fast kein Halten mehr. Einige Pferde schlugen ihre Köpfe, versuchten sich frei zu machen und abzuwenden, und es kostete uns viel Kraft, sie durch diese Weide hindurch auf diejenige zu führen, die sie in den nächsten Tagen abgrasen dürfen.

Was für ein Fest, was für ein Leben! Kaum losgelassen, rannte der Tross los, den Hügel hinauf, den Hügel hinunter, es wurde geschnaubt und die Beine in alle Richtungen verworfen. Wir standen da und schauten zu, und es ist ja klar, wo es unseren Tieren am besten gefällt 🙂

Ferien

Mein Mann und ich wollten es wissen. Wir wollten richtig intensiv und gut reiten lernen, am liebsten täglich zwei Mal. Für Serenata wäre dies nicht zumutbar, das ist ja klar, deshalb haben wir einen Ort gesucht, wo es genügend Pferde zum Üben hat und eine gemütliche Unterkunft für die Zeit dazwischen.

Wir sind fündig geworden an der Lenk im Simmental, wo es einen Reitbetrieb gibt, und hatten grosses Glück, dass sowohl die Reitlehrerin als auch das Hotel freie Kapazitäten hatten. Das Hotel ist direkt an die Reithalle angebaut, aus der Lobby ist es möglich, den Reitenden in der Halle zuzuschauen. Mit der Reitlehrerin haben wir eine kundige, sehr nette Person kennengelernt, die für das Reiten lebt und es uns mit viel Spass und Humor zu vermitteln wusste.

Zuerst erschrak ich etwas ob der mächtigen Freibergerpferde, die uns zur Verfügung gestellt wurden. Ich sass darauf sehr breitbeinig – verglichen mit der immer noch sehr schlanken und feingliedrigen Serenata 🙂 Aber ich wurde wunderbar getragen und im Trab schön hochgehoben. Wir ritten in der Halle zu zweit, manchmal auch zu dritt und übten allerhand Figuren, jedesmal etwas Neues. Auch den Galopp mit dem prächtigen Hengst übten wir, allerdings zur Sicherheit an der Longe.

In den Zwischenzeiten (nach-vor den Reitstunden) genossen wir die wunderbare Bergwelt des Simmentals, wanderten entlang von Bächen und Alpwegen, bewunderten spektakuläre Wasserfälle und freuten uns des Lebens 🙂 Es stimmt schon, in der Schweiz kann man auch wunderbare Ferien machen! Ich war ja schon lange nicht mehr in dieser Art weg von Zuhause.

In der Zwischenzeit wurde Serenata durch eine Pensionärin betreut, gepflegt und bespasst und von der Stallbesitzerin trainiert. Als wir zurückkamen und sie riefen, kam uns Serenata entgegen – uns schien, doch voller Wiedererkennens- und Wiedersehens-Freude.

Delikatesse

An unserem Feigenbaum im Garten reifen dieses Jahr unglaublich und fantastisch viele Früchte. Mein Mann und ich lieben es, Feigen direkt ab Baum zu essen – aber da freut sich noch jemand 🙂

In Spanien hat Serenata um Feigen gebettelt. Ein Baum stand direkt beim Anbindeplatz, und wenn wir reiten gingen und wieder zurückkamen, holten wir alle die reifen Früchte vom Baum. Auch die Pferde durften davon haben, so reich war der Baum beschenkt. Als ich die vielen Früchte hier reifen sah, freute ich mich schon wie ein Kind auf die Reaktion von Serenata. Ob sie sich erinnerte?

Manchmal wäre es schön, sie erzählen zu hören! Wir haben ihr Feigen gebracht und sie frass sie wieder voller Begeisterung und mit der Frage in den schönen Augen, ob es vielleicht noch mehr davon gäbe. Schön, das zu sehen.

Badia, die Berberstute, mit der ich angefangen habe zu trainieren, fand das übrigens wenig attraktiv. Sie nahm die Feige ins Maul wie eine heisse Kartoffel, schlug etwas den Kopf auf und ab, als wollte sie fragen, was ist das denn Komisches, und liess die Frucht schliesslich fallen. Dann roch sie noch ein wenig daran und nahm mit den Lippen das seltsame rote Etwas wahr. Schliesslich befand sie es als nicht essbar.

Pas de deux

Vor etwa 14 Tagen habe ich angefangen, mit Badia zu arbeiten. Sie ist eine 6 Jahre alte Berberstute, gut erzogen 🙂 und irgendwie haben wir einen guten Draht zueinander gefunden. Wenn ich sie anspreche, kommt sie zu mir und will gestreichelt werden, am liebsten rechts und links der Schweifrübe 🙂 Das ist spassig, weil Badia einem immer das Hinterteil hinhält, und wenn man da zu kraulen beginnt, lässt sie wohlig die Lippe hängen und schliesst die Nüstern. Sehr charmant!

Badia ist umgänglich und bringt mir weniger Widerstand entgegen als Serenata. Bei ihr kann ich ganz ruhig bleiben und auch mehr lachen, wenn eine Übung nicht sofort klappt. Bei Serenata habe ich schon mehrfach die Nerven verloren, was für uns beide schwierig ist zum Arbeiten. Ich übe nun mit Badia Longenarbeit und komme mit ihr sehr gut voran. Sie hilft mir, Routine zu bekommen, damit ich mit Serenata dann bald einmal besser arbeiten kann.

Für Badia ist das auch gut, denn ihre Besitzerin hat gegenwärtig etwas wenig Zeit, und so weiss sie, dass Badia bespasst und angestrengt wird, und sie kann sich ihren Dingen widmen. So ist nun auch das Pasdedeux entstanden, mit meinem Mann auf Serenata und ich auf Badia, ein Bild aus einem Video halt. Wir haben beide mächtig Spass gehabt und wir üben nun für draussen im Wald!

Erneut Chiro

Serenata ist wieder blockiert. An beiden Iliosakralgelenken und am Atlas. Sie kann sich nicht mehr richtig bewegen, die Stallbesitzerin konnte gestern mit ihr nicht das vorgesehene Training durchziehen. Bei Serenata ist es immer etwas schwierig zu merken, ob sie diskutiert und verweigert – oder ob sie körperlich nicht in der Lage ist, eine Übung auszuführen.

Vorgestern waren wir im Wald reiten. Es fing gut an und ging flott voran. Ich fand ihren Schritt ganz zügig und es war schön, entspannt auf ihr zu reiten. Sie machte einen freudigen Eindruck und schien auch entspannt zu sein. An der ersten Abzweigung wollten wir eigentlich den Weg geradeaus nehmen, mein Mann sah aber eine Gruppe Menschen und Hunde auf uns zukommen, und so gingen wir denen aus dem Weg und wählten eine andere Strecke. An der nächsten Abzweigung entschied dann Serenata, dass es heimzu gehe und ich war nicht in der Lage, sie zu wenden, so sehr ich mich auch bemühte. Seitlich rückwärts drängte sie immer weiter in hochstehendes Gras und Farn hinein, und das war mir dann doch zu riskant. So war es mir immer noch lieber, dass sie auf dem Weg weiterschritt – und das tat sie immer schneller und schliesslich im Trab. Ich war dann irgendwie auch bald nicht mehr so ruhig und versuchte, sie zu bremsen, noch besser anzuhalten. Ich zog zuerst heftig an den Zügeln, das nützte nichts. Ich gab ihr die Zügel, um ihr nicht so am Kopf herumzureissen, sie wurde nicht schneller, aber es bremste sie natürlich nicht. Eine ausgesprochen unangenehme Situation. Zum Glück kam auf dem Weg niemand entgegen, aber mein Mann kam nicht mehr nach. Ich konnte sie dann mal anhalten, aber mit der Ruhe war es bei uns beiden total vorbei. Mein Mann rannte schon mal und gelangte zu uns. Er hielt Serenatas Kopf und wir atmeten mal durch. Was hatte die nur?

Die Hunde vielleicht? Ein unangenehmer Geruch? Schmerzen schon vorgestern, die sich nach den ersten paar hundert Metern unangenehm bemerkbar machten? Wenn Pferde nur reden könnten!! Wann und wie hat sie sich wohl diese neuen Blockaden zugezogen? Ist sie auf der Weide oder im Stall mit einem Pferd kollidiert? Oder mit der Stallwand? Vom Reiten sind die Blockaden laut Pferdechiro jedenfalls nicht.

Und ich versuche wieder einmal, das Geschehene nicht so persönlich zu nehmen.

Neue Wege

Nachdem Serenatas Einschuss zurückgegangen ist und ihr Gelenk wieder normalen Umfang angenommen hat, beginnen wir wieder mit der Arbeit mit ihr. Wir erkunden neue Wege, die wir zuerst zu Fuss mit ihr kennen lernen und die wir dann später reiten werden. Um auf diesen wunderbaren Weg zu gelangen, sind wir zuerst ca. 20 Minuten auf der Strasse unterwegs. Das kann auch nicht schaden, fahren doch Velos und Motorräder und Traktoren und mehr und minder rücksichtsvolle Autofahrer an uns vorbei und Serenata kann sich in Gleichmut üben. Sie macht das sehr gut, wirklich, einfach, wenn wir einem Auto ausweichen, kann sie grad schnell ins Gras beissen, wenn wir sie ganz an den Wegrand leiten 🙂

Wir haben im Stall einen Kurs in freier Arbeit mitgemacht, das war spannend und führte uns wieder zurück zu den Anfängen der Arbeit mit Serenata. Zuerst wurden uns Führübungen aufgetragen, anschliessend schickten wir die Pferde weg und luden sie dann ein, sich uns anzuschliessen. Serenata muss sich das immer lange und ausgiebig überlegen, sie lässt sich stark vom Umfeld ablenken und es reicht ihr, wenn ihr Mensch mit ihr auf dem Platz steht. Da sind andere Pferde beflissener, den Anschluss zu ihrem Menschen nicht zu verlieren. Wir kennen sie ja mittlerweile ein bisschen, unsere Stute. Sie hat einen starken Kopf und wir sehen zu, dass die Diskussionen mit ihr nicht überhand nehmen!

Nahkampf

Seit wir bei Serenata Mauke behandeln und ihr Bein geschwollen ist, sind wir damit beschäftigt, die befallenen Stellen mit spezieller Seife auszuwaschen und ihre Schwellung mit kühlender Masse zu bekleistern. Langsam schwillt das Sprunggelenk ab, und die Sache hat sich nach weiter unten zum Fesselgelenk verlagert. So lange sie ein geschwollenes Bein hat, sollen wir sie nicht reiten oder zu sehr belasten, d.h. auch kein Training auf dem Platz.

Serenata platzt allerdings fast vor Energie. Sie und die ganze Natur sind gegenwärtig in Aufruhr. Kommt noch dazu, dass heute die Stutenherde von Daniela auf die Alp verfrachtet wurde, und entsprechend Betrieb herrschte. Nicht alle Pferde wollten einfach diskussionslos einsteigen in die dunklen Höhlen von Transportern, etwas Spannung war da und dort in der Luft.

Ich wünschte mir, jemand würde entlang der Strasse und der Wanderwege im Wald mal das üppige Gras mähen. Als wir heute loszogen, war es nach 12h und Serenata hatte schon ein Hüngerchen. Angesichts des Grases entlang des Wegs war sie kaum noch zu kontrollieren. Es ist für mich nach wie vor schwierig, mir diese vielen hundert Kilo Pferd von Hals und Füssen zu halten (auch wenn es auf dem Bild gerade recht entspannt wirkt, so ist Serenatas Aufmerksamkeit doch sehr auf den Wegrand gerichtet). Serenata versucht es mittlerweile nicht nur damit, mich an den Wegrand wegzudrücken, sie versucht es mittlerweile vor mir und auch hinter mir, an das Gras zu kommen. Lustig ist das nicht, und ich will nichts riskieren, was uns beide in Bedrängnis bringt.

So übergab ich schweren Herzens wieder einmal meinem Mann.

Den letzten Teil Heimweg schafften wir es dann doch noch miteinander. Und auch am Transporter ging sie dann noch einigermassen gefasst mit mir vorbei, so dass ich diesen Ausflug nicht in allzu schlechter Erinnerung behalte.

Wieder Probleme

Gestern zeigten wir Serenata der Hufpflegerin, sie schnitt die Hufe wieder schön aus und feilte sie in Form. Dabei fiel ihr auf, dass Serenatas rechtes Sprunggelenk etwas geschwollen und erwärmt war. Wir dachten dann, wir würden es am Abend, bevor der Reitunterricht beginnt, gründlich mit kaltem Wasser abspritzen, um die Stelle zu kühlen.

Als wir am Abend wieder dort waren, zeigte sich das Gelenk wesentlich stärker geschwollen, nicht an Reiten zu denken! Die Stallbesitzerin überraschte uns dann noch mit dem Ausruf: „Serenata hat ja Mauke an den Kronrändern!“ Mauke = ?? Wir verstehen wieder einmal nicht gerade viel, aber uns droht wieder einmal neues Ungemach. Mauke ist eine Hautkrankheit, die sofort zu behandeln ist – und weil das Sprunggelenk so geschwollen ist, wird auch gleich die Tierärztin avisiert. Sie greift das Gelenk ab und misst Serenata die Temperatur.

Serenata erhält eine Spritze und wir werden ausgerüstet mit Lehm, den wir zur Kühlung aufs Sprunggelenk auftragen sollen, dazu ein Medikament zum oral Verabreichen, plus Ausrüstung, um die Mauke zu behandeln. Zwei Mal am Tag fahren wir nun zu unserem Pferd, um sie zu verarzten. Wie Serenata wohl das Gewusel um ihre Beine findet? Sie hält jedenfalls schön still, immerhin.

Wie sagen die erfahrenen Pferdebesitzer? Dass da mal Ruhe ist, das glaubst du nur am Anfang, wenn du ein Pferd erwirbst. Danach hast du keine Zeit und kein Geld mehr (für anderes) 🙂

Ausritt

Kaum zu glauben, dass es bei den vielen Ersten, die wir im letzten Jahr erlebt haben, immer noch mehr Erste gibt: Premieren, die uns weiter bringen in Richtung Normalität, was Pferdebesitzer mit ihren Tieren halt so machen 🙂

Die neue Premiere betrifft den Ausritt ohne Begleitperson zu Fuss. Ich habe mir das lange gewünscht und ausgemalt, und habe mich gefragt, wie lange es wohl dauern wird, bis Serenata, aber auch ich so weit sein werden, in Begleitung einer weiteren Reiterin mal einen längeren Ausritt durch den Forst zu wagen. Bisher ist ja immer eine/r von uns zu Fuss mitgegangen, und wir haben es so gemacht, dass der-/diejenige zu Pferd halt ab und zu entweder gewartet oder gewendet hat und zurückgeritten ist, damit der-/diejenige zu Fuss einigermassen mitkommt.

Schön, dass es im Stall gleich mehrere sympathische und hilfsbereite Menschen gibt, die einen solchen Ausritt schon angeboten haben, aber da ich sie bis jetzt nicht so gut kannte, wollte ich mir Zeit geben, um die für mich richtige Begleitperson mit dem passenden Pferd zu finden. So waren wir vorgestern fast zwei Stunden im Wald unterwegs. Serenata ist sich ja gewohnt, in der Reihe und immer hintendran zu bleiben, so kommt sie nicht auf die Idee, das Pferd vor sich zu überrennen. Einige Mühe kostete es mich bloss, sie dazu zu bringen, gleichauf mit dem Begleitpferd zu gehen.

Es war traumhaft, einfach wundervoll. Den ganzen restlichen Tag zeigten meine Mundwinkel nach oben. Wie schweben auf Wolke 7 🙂