Die Welt erscheint mir einfach bunter und interessanter, wenn ich genūgend Schlaf kriege…
man ahnt etwas, und tatsächlich ist es soweit: meine liebste Stute Serenata hat am 10.Juni um 23.05 gefohlt! Tagelang haben wir auf die Geburt gewartet. Haben Serenata, zusammen mit Daniela, über die Stallkamera beobachtet. Sie schien seit Tagen bereit. Sie hatte Vorwehen, die Milch war bereits eingeschossen und dennoch; durchnächtigt musste Daniela an den Folgetagen arbeiten und auch wir haben in den letzten Tagen kaum geschlafen. Irgendeinmal fehlen die Kräfte. Dazu drohte Ungemach: am Dienstag und Mittwoch werden viele Pferde auf die Alpweide gefahren. Das bedeutet für Daniela täglich 5 Fahrten mit Anhänger zuoberst ins Diemtigtal. Unmöglich nach durchwachter Nacht! Also keine Nachtwache am Sonntag und Montag. Die Pokerspielerin Serenata hat den Poker voll ausgereizt. Samstagnacht haben wir bis 23.00 Wache, da meldet sich um 22.30 Daniela: Euer Pferd ist unruhig, ich übernehme die Wache. Keine 20 Minuten später der Alarm: KOMMT!
Wir sausen nach Matzenried und werden mit den Worten begrüsst: Du kannst Deiner Stute gratulieren. Tatsächlich hat Serenata vor wenigen Minuten ihr Baby „hingelegt“. Wir sind überrascht, wie problemlos die Geburt nach diesen mühsamen Tagen nun verlaufen ist, aber natürlich sind wir einfach glücklich! Für Daniela und Allen, die beiden Hebammen, ist das erst der Anfang. Nachdem Khan, der neugeborene Hengst, trockengerieben ist, muss er so rasch als möglich stehen und trinken können. Erste hilflose Versuche scheitern, doch bald steht Khan auf wackeligen Beinen, auf ellenlangen Beinen, notabene. Und jetzt beginnt eine schwierige, weil entscheidende Phase: Khan braucht die erste Milch möglichst schnell. Diese enthält lebenswichtige Nährstoffe und Schutzstoffe. Leider ist er nur ein Mann, das heisst, er hat eine etwas lange Leitung! Bis er, mit Unterstützung der beiden Hebammen, begreift, was gut wäre, dauert es viel zu lange. Ja, und dann zickt seine Mutter, wohl genervt von der langen Vorbereitungszeit und fehlenden Schlafpausen. Sie wehrt sowohl ihren Sohn als auch die helfenden Hände mit den Hinterbeine ab! Mit jeder Viertelstunde „Kampf“ wird die Situation ernster. Wir müssen damit rechnen, dass Serenata ihr Fohlen verliert. Die Nerven liegen blank. Nicht einmal mit dezidierter Zurückweisung lässt sich Serenata überzeugen, dass ihr Baby ihre Milch braucht. Die Hoffnung auf ein Happy End schwindet. Daniela und Ailen wollen ein letztes Mal, nach einigen Minuten Pause, einen Versuch starten. Und da geschieht das schon unmöglich geglaubte: Khan sucht die Zitze und wird nicht mehr abgewehrt. Die Ruhepause hat Serenata gut getan. Aber ohne das Wissen um die drohende Gefahr und den ungebrochenen Willen unserer beiden Hebammen hätte dieser Tag schnell traurig enden können. Eine weitere Hūrde muss jetzt genommen werden: