Seit einiger Zeit habe ich nicht mehr von Serenata erzählt. Ich habe mich Anfang März einer Knieoperation unterzogen und da lagen die Prioritäten auf der Reha. Ich habe mir zwei Ziele gesetzt: zum ersten, in zwei Monaten bereit sein für die geplante 1 monatige USA Reise mit dem Camper. Und zum zweiten, so rasch als möglich wieder mit Serenata zu arbeiten, wenn möglich reiten zu können. Da ich schon sehr bald mobil war, konnte ich nach 5 Wochen zum ersten Mal mit Serenata Bodenübungen machen. Sie war ganz bei mir und zeigte mir ihre Freude, mich wieder zu haben! Nach 6 Wochen spürte ich das unbedingte Verlangen, Serenata zu reiten. Daniela riet mir: wenn Du den Wunsch zu reiten hast, solltest Du noch einige Wochen warten. Eine Woche konnte ich noch warten, aber dann fühlte ich mich so gut, dass ich den Versuch wagte. Ein tolles Erlebnis! Serenata machte mit wie immer. Ich genoss die Reitübung über alle Massen. Keine Spur von Herausforderung, von Nachfragen, wie sie es ab und zu macht. Herrlich, dass das noch vor der langen Abwesenheit in den USA möglich war.
Nun, die 4 Wochen USA sind vorbei. Nach zwei Wochen kam die Schreckensnachricht, dass Serenata beide Vorderbeine verletzt hat und einen Einschuss gemacht hat. Das kennen wir ja schon. Offenbar ist das ein Schwachpunkt bei ihr. Vera, unsere zweite Reitlehrerin und Inka die während Danielas Abwesenheit in Marokko die Aufsicht hat, reagieren vorbildlich. Schnell wird Fränzi, unsere Tierärztin informiert und die kommt gleich vorbei. Nach einer Woche kommen Hannah und Lucy mit Daniela aus Marokko zurück. Sie übernehmen mit Ailen die Pflege von Serenata. Ich höre von guten Fortschritten. Gottseidank. Hat wohl Serenata versucht, zum Hengst zu stürmen und ist in den Zäunen hängengeblieben? Sie ist seit einigen Wochen extrem auf Rifai fixiert, was auf Gegenseitigkeit beruht 🙂 .
Nach unserer Rückkehr am Freitag ist Serenata wieder wohlauf. Gleich am Montag kann ich sie reiten. Ein grosser Unterschied, nachdem wir in den USA 3 x mit Pferden und 1 x mit Maultieren einen Ausritt Western-Style geritten sind. Ich fühle mich gut, merke aber, dass gewisse Automatismen nicht mehr selbstverständlich sind. Zum Glück ist Serenata glücklich mich wieder zu haben und verzeiht mir meine Fehler. Es ist ein wahres Heimkommen!
Meine Krankengeschichte ist leider noch nicht zu Ende: Am Montag 20. Juni wird meine Hand operiert, was einige Zeit Ausfall bedeutet. Am 3.August gibt es einen grösseren Eingriff, der einen Ausfall von 3 Monaten zur Folge haben wird. Und schliesslich habe ich mich nach den guten Erfahrungen mit der Knieops entschlossen, auch das zweite Knie operieren zu lassen. Was bedeutet das für Serenata? Vera und Daniela sind gefordert. Vera zum Reiten, Daniela für Bodenarbeit, damit Serenata nicht ihre gute Form verliert und auch Spass hat. Das ist an sich besprochen. Dennoch habe ich neu überlegt, denn die Wartezeit nach der Ops ist viel länger, als ich gemeint hatte. Und da kommt Susanne mit Ihrer Idee, Serenata doch decken zu lassen….
Das Thema war am 1. April Gegenstand eine Aprilscherzes, den ich Daniela gespielt hatte. Sie hat den Scherz „gefressen“ und wir haben herzlich gelacht. Aber, seit ich weiss, wie gut Serenata mit den kleinen Fohlen umgeht – sie war gerne gesehene Tante, akzeptiert von den jeweiligen Stuten – und auch wie sie auf Rifai reagiert, nachdem sie in der früheren Gruppe nie eine Rossigkeit gezeigt hatte, habe auch ich diesen Gedanken mehr als einmal gehabt. Egoistisch habe ich ihn beiseite geschoben, denn ich will ja reiten und wenn sie gedeckt wird, wird das Reiten eingeschränkt. Ja, und jetzt, wenn ich ausfalle, hat sie ohnehin weniger vom Reiten, da wäre doch ein Fohlen für sie eine WIN WIN Situation. Unser Entscheid fällt und Daniela wie auch Fränzi geben grünes Licht. Im übrigen werde ich auch zeitweise mit Serenata arbeiten können, spazieren können, zum Teil auch noch reiten können. Ich fühle mich gut mit diesem Entscheid. Er wirkt befreiend.
Die bittere Pille die ich aber von Anfang an schlucken muss: ein drittes Pferd für uns geht auf keinen Fall. Das Fohlen wird also verkauft werden müssen. Es wird sehr schwierig sein, mich zu verabschieden, das weiss ich schon heute. Der Kopf sagt dazu JA. Das Herz will bei diesem Gedanken zerspringen. Daniela hat uns diesbezüglich gut vorbereitet und den Verkauf als Bedingung gemacht. Das ist, wie immer bei ihr, ein wertvoller Rat.
