Jeden Herbst stehen den Pferden im Stall Arîj el Fouad die grossen Weiden zur Verfügung, nachdem das Emd gewonnen wurde. Die Weiden sind für die Pferde jeweils eine wunderbare Abwechslung, denn sie kommen nachts nicht auf den Hof zurück, sondern bleiben auf den Weiden und nutzen die dortigen Unterstände bei Bedarf. Farah war letztes Jahr auch schon dort, aber da war sie noch nicht mein Pferd.
Vom Hof zur Weide ist vielleicht 1 km Weg auf der Strasse zurück zu legen, wobei diese Strasse nicht besonders stark befahren ist. Trotzdem löst der Umzug etwas Aufregung aus, weil nichts passieren soll und nicht alle Tiere gleich geübt sind, vom Hof weggeführt zu werden. Insbesondere die Fohlen können sich recht störrisch anstellen, wenn der Wegrand für sie zum Fürchten aussieht – vielleicht ein Randstein, ein Bord mit anderem Bewuchs oder irgendetwas, was sich uns nicht erschliesst, kann ihnen Angst machen.
Wir führten zuerst die neuen Pferde aus Marokko auf ihren Teil der Weide, danach die Stutenherde mit den Fohlen und mit Farah auf ihren Teil. Zuerst grasten alle ganz gemächlich (Bild). Dann begann Farah zu galoppieren, die ganzen Stuten und Fohlen hinterher zu einer wilden Jagd übers ganze Gelände bis zum Zaun der Marokkanerinnen, die schon alle zum Gucken aufgereiht dort standen. Dann konnte die Jungstute Kounouz, deren Fohlen soeben abgesetzt worden war, nicht mehr an sich halten und wollte zu den Fohlen auf der anderen Weide. Sie durchbrach den Zaun zwischen den Weiden und die ganze Herde war auf einmal versammelt! Spontanintegration! (https://youtu.be/RlVivo7y-Io)
Wir standen noch eine Weile auf der Weide um zu beobachten, ob das auch gutgehe. Da das Gelände genügend Platz bietet, sah es danach aus, als würden die neuen Begegnungen friedlich ablaufen. Einzig zwei Stuten machten Kounouz klar, wer über die Fohlen zu wachen habe.
Wenn wir arbeiten oder reiten wollen, nehmen wir es nun für diese Zeit auf uns, diesen 1 km weit zu wandern, um unser Tier von der Herbstweide zu holen. Dafür rechne ich für hin und zurück 1/2 Stunde. Als ich am Sonntag Farah holte, um mit meinem Mann und Serenata Reitunterricht zu geniessen, rechnete ich genügend Zeit ein, weil ich mich darauf vorbereitete, dass Farah nicht so ohne weiteres mit mir kommen würde und ich weit über die Weide gehen müsse. Vorsichtshalber packte ich einen Apfel und ein paar Leckerli ein, damit ich sie anlocken und dann genügend Zeit hätte, sie aufzuhalftern.
Die Befürchtungen waren ganz unbegründet. Alle Pferde liefen auf mich zu, als ich die Weide betrat. Farah genoss natürlich ihren Apfel trotzdem 🙂 – und dann folgte sie mir ganz brav und ohne zu zögern. Die anderen Stuten und die Fohlen allerdings auch! Da sich der Weidezaun direkt gegen die Strasse öffnet, dachte ich schon, ich müsste die anderen Pferde dann energisch davon abhalten, mit zu kommen. Aber die liessen uns dann auch ohne weiteres ziehen und so kam ich problemlos zum Stall.
Der Hengst Rifaï, dessen Gehege der Strasse entlang führt, war nach dem Reitunterricht dann allerdings verantwortlich dafür, dass Farah sich weigerte, mit mir zurück zur Herbstweide zu kommen. Bockstill stand sie mitten auf der Strasse und liess sich von Rifaï umwerben. Es brauchte meinen Mann, um mir zu helfen, von da weg zu kommen.