Am 10. Januar kommt ein grosser Moment für uns: Daniela und Ailen begleiten Susanne (auf Farah) und mich (auf Serenata) zum ersten Mal auf den gemeinsamen Ausritt. Unsere Pferdchen machen es gut! Im Schritt geht es durch den verschneiten Wald und unter Kontrolle auch im Trab den Hügel hinauf. Mit Serenata darf ich nochmals zurückreiten und zum ersten Mal draussen allein den Hügel hinauf aus dem Trab den Galopp anziehen. Serenata geniesst die Winterwelt und galoppiert problemlos an. Oben steht Daniela, um im Notfall mein Pferd zu bremsen 😀. Zum Glück nicht nötig, alles bleibt ruhig und locker. Dieses gute Erlebnis macht uns (zu) mutig: am 20. Januar satteln wir unsere Pferde und machen uns zu zweit auf den Weg. Dieselbe Strecke, es läuft gut! Den Hügel hinan im Trab gut. Serenata vorne bremst Farah ab, wenn sie „zuviel will“. Im Wald sind die Wege recht eisig, man muss die Pferde gut lenken. Farah ist unruhig. Susanne muss nachgurten, ich steige ab, weil Farah zappelt. Danach geht es besser. Aber ausgangs Wald hat Susanne ein ungutes Gefühl, zu Recht, wie sich weist. Leider merke ich nicht, wie gefährlich die Situation wirklich ist, denn Serenata ist die Ruhe selbst. Ich schlage auf dem Strässchen einen Trab bergauf vor. Susanne stimmt zu und ich trabe an. Jetzt eskaliert die Sache: Farah drängt nach vorn, Susanne ruft mir zu, Serenata querzustellen, was ich versuche. Da drängt Farah mächtig durch. Susanne sieht sich schon auf der Asphaltstrasse unkontrolliert davonjagen und zieht die Notbremse, lässt sich fallen. Farah jagt im Galopp davon, Serenata mit mir im Sattel lässt sich nicht lumpen und nimmt die Verfolgung auf. Alle Versuche, mit Zügel und Zurufen die Pferde zum Stehen zu bringen, scheitern kläglich. Zwei friedliche Spaziergänger warne ich mit lautem Schrei: „ds Ross isch dürebrönnt“. Der Höllenritt geht Richtung Stall. Um eine 90Grad-Kurve kommen wir unbeschadet. Aber wie soll das bei „unserer Kreuzung“ im Dorf nur gutgehen? Es hat dort Autos, Traktoren, Pferde und es ist unübersichtlich!!
Wie ein Engel vom Himmel steht aber mitten auf der Strasse Ailen und breitet die Arme aus. Sie hat den Galopp gehört, sofort geschaltet, dass Farah ohne Susanne durchgegangen ist, und ist blitzartig vom Tenn auf die Strasse gerannt. Farah lässt sich bremsen, Serenata ebenfalls, ouf. So habe ich mir das Galopplernen nicht vorgestellt. Immerhin haben sich die guten Tipps, Beine tief, Aussenschulter in der Kurve zurück, das Pferd laufen lassen, wenn ich es nicht bremsen kann, bewährt 🙂. Die Sorge gilt jetzt aber Susanne. Daniela ist schon mit dem Auto zur Stelle, wir fahren zurück. Das Auto vom Berner Tierschutz kommt uns entgegen. Eine Dame, der wir heute zweimal begegnet sind, hat Susanne gleich gesehen und eingeladen. Der Arm schmerzt und wir befürchten etwas Schlimmes. In der Permanence bewahrheiten sich die Befürchtungen. Die Speiche ist gebrochen! Der Arm wird am Folgetag operiert. 6 Wochen muss Susanne Geduld üben. Immerhin sind beide Pferde wohlauf und sind wir vor noch Schlimmerem bewahrt worden. Und das Beste: Susanne freut sich schon auf den ersten Ritt nach der Genesung.
Und Serenata geniesst die Ruhe nach dem Sturm auf ihre Weise….