Dieser Herbst ist – wie letztes Jahr – fantastisch, die Temperaturen mild, die Buchen rost-golden, und wir sind froh und dankbar, dass wir uns im Wald frei bewegen dürfen. Im Stall tragen wir eine Maske, um uns gegenseitig zu schützen, aber es gibt keine Einschränkungen, wie viele Menschen sich gleichzeitig bei den Pferden aufhalten dürfen, sofern die Regeln (Maske, Abstand) eingehalten werden.
Wir sind eine ganze Weile mit Serenata nicht mehr im Wald reitend unterwegs gewesen. Dafür haben wir unterdessen ein intensives Reit- und Longierprogramm absolviert. Serenata ist nun kräftig und voller Tatendrang. Der Wald hat sich verändert, und sie nimmt dies wahr. Zwar nicht schreckhaft, aber doch mit erhöhter Aufmerksamkeit, mit Blick auf die vielen Stämme und Äste, die am Wegrand aufgeschichtet sind, die veränderten, teilweise schon entlaubten Bäume, das reiche Blattwerk auf den Wegen.
Ich arbeite auf dem Platz mit Badia, der Berberstute einer Pensionärin am Hof. Langsam bekomme ich sie recht gut in den Griff, oder besser Sitz, und wir sind ein immer besser eingespieltes Team. Badia ist jung und vor allem etwas wenig trainiert, weshalb sie nach ein paar Runden Trab ziemlich ausser Atem gerät. Ich brauche volle Durchsetzungskraft, um sie um mehrere Runden zu treiben – und sie nutzt jede „Ausrede“, die sich ihr bietet, um vom Trab in den Schritt zu wechseln, z.B. weil der Sand auf dem Reitplatz etwas nass ist und deshalb leicht rutschig, oder weil sich ein kleiner See gebildet hat nach vielem Regen und dieser bis ganz in die eine Ecke reicht. Sie mag nicht durch diesen nassen Bereich traben und deshalb geht sie bis genau in die Ecke, um dann in den Schritt zu wechseln. Ich merke, wie sie mich hereinlegt und muss schmunzeln und meine Kräfte sammeln, dass ich sie trabend um die Ecke jagen kann 🙂 Dieses Spielchen haben wir nun recht oft miteinander gespielt und heute ist es mir gelungen, es ihr zu vermiesen. Wenn sie merkt, dass sie nicht durchkommt, hört sie auf, aber sie hat fast den härteren Kopf als ich 🙂