Vor wenigen Tagen sind wir wieder einmal ohne Reiten durch den Wald. Wir haben einen neuen Weg genommen, einen, den Serenata nur in kleinen Teilen kennt. Sie ist zuerst gelassen und wie immer mit schön zügigem Schritt mit uns mitgekommen. Es ging zuerst durch einen eher etwas finsteren Teil des Waldes auf einem Weg, den sie schon gegangen ist. Danach folgte ein Stück Waldrand mit offenem Feld auf einer Seite. Hier hatte sie mich schon einmal so energisch wegbugsiert, um zu fressen, dass ich sie aus der Hand lassen musste. Diesmal schritt Georg zügig voran, und sie hatte gar nicht so viel Zeit, die vielen möglichen Feinde auf der offenen Fläche zu erspähen, auch wenn ihre Ohren und Augen die Umgebung äusserst sorgfältig abscannten.
Wir wählten danach einen Weg, der sehr naturbelassen ist, d.h. nicht gekiest und mit vielen Wurzeln und Gras. Das Wurzelwerk war etwas rutschig und an den Bäumen hing sehr viel Frost, der immer wieder herabgefallen kam wie ein eisgekühlter Wasserfall. Das machte Serenata viel Angst, und sie zögerte stark, da durchzugehen. Wir alle wurden eingenässt, aber es sah für uns Menschen wunderschön aus.
Bei der Waldhütte übernahm ich sie von meinem Mann und merkte da gleich, dass sie die Waldhütte fixierte und keinen Schritt weitergehen wollte. Was da wohl wieder so zum Fürchten war? Ich habe ja auch schon etwas mehr gelernt, liess sie einen Augenblick schauen – lang genug, um ihr nicht zu vermitteln, dass es hier echt gefährlich ist – und führte sie danach resolut weiter und es ging gut. Eigentlich wäre ich heute ja gern diesen ganzen Weg geritten, war im Nachhinein aber froh, dass wir die Herausforderungen erst mal so im Spazieren gemeistert haben. Eine steile, schmale und ebenfalls sehr bewurzelte Wegstrecke werden wir wohl nächstes Mal besser von unten nach oben bewältigen. Das dürfte zum Reiten einfacher sein. Ich freue mich schon darauf.