Schon bald ist ein Jahr vergangen, seit Serenata in die Schweiz gekommen ist. Viel hat sich in der Zwischenzeit in unserem Leben verändert, in Serenatas und in unserem. Viel von unserer Zeit wird durch sie und mit ihr bestimmt. Wir sind gefordert, unser Pferd zu trainieren und sie mit der Umgebung vertraut zu machen. Noch gibt es viele „erste Male“ zum Erleben und Durchstehen. Vielleicht tönt Einiges nicht so spektakulär, doch erleben wir wichtige Schritte in Richtung selbstständiges Unterwegssein mit Serenata, jedes von uns allein, was ja dann mal das Ziel wäre.
Zum Beispiel wollen wir Serenata nicht mehr vom Wald zum Hof hinunter führen, sondern mit ihr den Ritt am Hof beenden. Dabei gilt es, die Strasse zuerst zu überqueren, und dann entlang der Strasse zu reiten, an den Kuhweiden vorbei, an einem Bauernhof vorbei, wo ein grosser Berner Sennenhund wacht und immer auf uns zurennt, und wo sonst allerlei Dinge zum Fürchten sind, zum Beispiel ein Silo, in dem es manchmal rumpelt, wenn der Bauer etwas daraus bezieht, oder einen Stall, aus dem die seltsamsten Geräusche dringen oder eine Bäuerin auf einer Leiter in den Bäumchen Äste schneidet und natürlich auch monstermässig dabei aussieht. Der Verkehr ist zwar nicht gerade üppig, aber es gibt Fahrer, die kennen einfach wenig Rücksicht auf andere – Mensch und Tier – und bremsen kaum beim Vorbeifahren. Den Vogel abgeschossen hat der Fahrer eines Gefährts, das wie ein kleiner Mähdrescher aussah. Er krachte über die Strasse in den Wald hinein mit seinem Monster und nahm dabei die ganze Breite der Strasse ein. Wir hatten gerade noch rechtzeitig in einen Seitenweg flüchten können – nicht auszudenken, was bei einem Crash geschehen wäre!
Auch das Gegenteil haben wir schon angefangen, vom Hof zum Wald hoch zu reiten. Hier stellt sich die Frage nach genügend Überzeugungskraft, Serenata von ihrer Herde weg zu bringen und sie zum Schritt zu überzeugen. Beim ersten Mal wollte sie stantepede umkehren mit meinem Mann oben drauf. Bis jetzt gehen wir ja immer zu zweit, einer reitet und eine marschiert oder umgekehrt. So kann der/die auf dem Boden helfen, sollten Sitz und Schenkel Serenata zu wenig überzeugen 🙂 Es ist dann jeweils klar, wer den anstrengenderen Part macht. Serenata hat ja vier Beine 🙂 🙂
Wir erleben mit ihr auch sehr viel Spass und es ist schön, die Fortschritte zu sehen, unsere und ihre. Ich bin überzeugt, in den meisten Fällen, in denen etwas nicht klappt, haben wir etwas nicht gut gemacht. Serenata ist nämlich sehr aufmerksam, lernt schnell und ist schlau. Sie kennt die Ökonomie der Kräfte und ohne Nachdruck mag sie sich gern schonen.