Das Pferd sei der Spiegel deiner selbst, habe ich während meiner Arbeit mit Serenata erfahren. Als ich sie in der freien Bodenarbeit mit der Geisel antreibe, läuft sie langsam und gemächlich, steht fast still, scheint keine Lust zu haben, etwas Dampf zu machen und Daniela sagt mir, ich solle aus meiner Deckung kommen und Energie übertragen. Warum haben nur immer alle das Gefühl, ich sei die Ruhe selbst und lasse mich durch nichts aus der Deckung locken??
Letzten Montag jedenfalls war alles anders. Mir stand eine Sitzung bevor, die mich beunruhigte, ich hatte mich schon tags zuvor und am selben Tag tüchtig aufgebaut, um vermeintlichem kommendem Widerstand etwas entgegenhalten zu können. Bei Serenata fing es schon damit an, dass sie mitten im Morast stand und ich keine Lust hatte dort hineinzustehen, um sie aufzuhalftern. Wie immer mit einer oder zwei Händen zu wenig trug ich das Halfter, den Führstrick und die Peitsche, öffnete die Teile des Elektrozauns und hatte diese auch noch in der Hand. Serenata drängte sich sofort an mir vorbei mit Blick auf die Fressgelegenheiten, sie war kaum zu bremsen. Erster Fehler: Ich liess mich von ihr wegdrängen und Aufhaltern geriet zum Nahkampf! Nur ruhig bleiben, rief die junge Praktikantin zu mir herüber. Gut gesagt, Mädchen…
Auf dem Platz begann ich mit der langen Peitsche mit ihr zu arbeiten. Sie war kaum zu bremsen, sie trabte und galoppierte um mich herum, zwei Mal zeigte sie mir ihren Hintern und schlug ihre Hinterbeine gegen mich aus. Das war schon fast etwas beängstigend! Übertrug ich dermassen Energie auf sie, dass sie sich kaum noch halten konnte? Mit einiger Mühe hielt ich sie davon ab, sich gegen mich einzuwenden, indem ich heftig vor ihrer Schulter auf den Boden schlug. Nach einigen Minuten fühlte ich leichten Schwindel und versuchte sie zu bremsen, indem ich ausatmete. Das war noch zu wenig und Serenata setzte ihre Runden um mich herum fort, als hätte ich nichts befohlen. Auch Peitsche senken nützte im Moment noch zu wenig. Ich fühlte meine eigene Erregung und fragte mich, wie das herauskommt, wenn ich sie nicht mehr bremsen kann. Als ich dann die Peitsche vor mich – um sie davon abzuhalten, direkt auf mich loszustürmen – auf den Boden legte, noch einmal gründlich und hörbar ausatmete und mich in der Schulter leicht einrollte und abdrehte, kam sie auf mich zu. Ihre Nüstern waren gebläht und feucht, sie atmete schwer und schnell. Aber sie schleckte.
Als wollte sie fragen: Was ist eigentlich heute mit dir los? Geht’s noch?
Sie folgte mir schön auf Schlangenlinien über den Platz. Stand auf Kommando still. Liess sich problemlos rückwärts richten. Neigte wunderschön den Kopf unter meiner Hand. Alles noch mal gut gegangen. Und ich habe meine Lektion auch gelernt. In einer solchen Verfassung gehe ich nicht mehr an sie heran.
Das Mash dürfte sie mehr als üblich genossen haben 🙂