Serenata ist da

Wir wissen, sie wird am Donnerstag eintreffen, nachdem der Transport zuerst zwei Mal verschoben werden musste, zuletzt wegen eines kleinen Motordefekts. Aber lieber vor als während des Transports, wir warten daher gern etwas länger auf sie.

Am Donnerstag wird es so weit sein – das ist aufregend, schön, ich bin ganz kribbelig. Hoffentlich geht alles gut, wird sie die lange Strecke von über 2000 km gut überstehen. Kurz nach halb drei trifft sie beim Stall ein, wir sind sogar etwas zu spät, um zuzusehen, wie sie aus dem Fahrzeug in ihre neue Umgebung tritt.

Bei unserem Eintreffen herrscht Aufregung. Ich sehe vier Menschen um ein weisses Pferd herumstehen, gestikulieren, diskutieren. Die Sicht auf das Pferd ist noch etwas verdeckt. Aber der Schreck ist gross: Ist das wirklich Serenata, DIE Serenata, die mein Mann vor einem Monat in Spanien noch gesehen, geritten, gestreichelt hat? Jede Rippe ist einzeln zu sehen, die Hüftschaufel steht so fest ab, dass man mit einer Hand darunter greifen kann. Ihrem Maul entweicht ein erschreckend schlimmer Geruch.

Wie ihr Gesundheitszustand ist, werden wir noch herausfinden. Schnell wird sie in die Decke gekleidet, die wir zum Glück dabei haben. Wenn sie jetzt nur nicht noch friert – wir wissen nicht, wie widerstandsfähig sie ist.

Der Aussenraum, in dem sie sich aufhalten kann, ist allseits abgesperrt, auf drei Seiten kann sie künftige Kamerädli sehen. Sie ist aufmerksam, ihre Ohren wandern unabhängig voneinander nach allen Seiten, sie schaut, wendet sich, und sie macht trotz allem einen recht ruhigen Eindruck, ihre Unterlippe hängt leicht. Zögernd nascht sie vom Heu, mehr begeistert nimmt sie den Sack mit Kraftfutter. Kann sie richtig essen?

Ich könnte weinen vor Freude, dass sie da ist, heulen vor Elend, wie sie aussieht –

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